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Ali Schirasi Die Wüste glimmt
In seinem neuen Roman zeichnet Ali Schirasi ein Bild des Iran auf seinem Weg in die Revolution, die zum Sturz des Schah und zum Aufstieg der Mullahs führen sollte. In den Mittelpunkt stellt er die Geschichte der „verrückten“ Pari und des Sonderlings Gondik; zwei Menschen, die von ihrer Außenwelt als „minderbemittelt“ wahrgenommen werden.
Die beiden Hauptfiguren ziehen zunächst, einander noch nicht kennend, von einem Dorf zum nächsten, bis sich ihre Lebenswege schließlich kreuzen und sie diese fortan gemeinsam durchlaufen. Die Dorfgemeinde, geprägt durch Gemeinschaft, Tradition und tiefem Glauben nimmt sich bald ihrer an und führt sie durchs Leben; organisiert gar ihre Hochzeit, - einschließlich der Brautwerbung.
Gebannt vom Leben des Paares und der Dorfbewohner_innen gelangt man nahezu beiläufig und unbemerkt in die Wirren der iranischen Revolution, die das Leben der Dorfgesellschaft durcheinander wirbeln und die gesellschaftliche Ordnung des Iran vollständig und nachhaltig umkrempeln sollte.
Dank Schirasi können wir die Konsequenzen dieser einschneidenden Umwälzungen aus der Sicht der Menschen einer Dorfgesellschaft miterleben. „Die Wüste glimmt“ ist ein Roman, den Authentizität, Anschaulichkeit und Lebendigkeit auszeichnen.
Agenda Verlag, Münster 2011, 378 Seiten, 19,80€
Schlangenbrut. Zeitschrift für feministisch und religiös interessierte Frauen Schwerpunkt: Neue Medien
Sie brachten uns Schnelligkeit, die allgegenwärtige Verfügbarkeit und die globale Auffindbarkeit von allem und jedem. Die neuen Medien haben unseren Alltag verändert. Nicht nur zum Guten. Aber ohne Internet wäre es aufgrund eines unbedachten Satzes, der einem Polizeibeamten entglitten war, wohl kaum so schnell zu einer internationalen Protestbewegung gekommen, wie mit den Slutwalks geschehen. Fotografien zum „Schlampenmarsch“ bebildern denn auch erfrischend die März-Ausgabe der Schlangenbrut.
Welche Bedeutung hat das Mitmach-Netz für die Geschlechterfreiheit? – dieser Frage geht Caroline Roth-Ebner in ihrem Artikel nach. „Sind Computerkurse speziell für Frauen überhaupt noch notwendig?“ erörtert Vanessa Görtz im Gespräch mit Ines Holthaus, der Mitbegründerin des Vereins „Frauen und neue Medien“.
Aber die Beiträge zum Schwerpunkthema kreisen nicht nur um das Internet. Maren Haartje z.B. würdigt die oft übersehene Friedensabeit von Frauen. Sie zeigt, wie diese als couragierte Vermitt-lerinnen, als Medium tätig sind. Einen Blick von außen auf die Schlangenbrut werfen die beiden Doktorandinnen Anna-Lin Karl und Edina Kiss. Eine Bibliografie von Vanessa Görtz gibt weiterführende Lese- und Surftipps zu Internet & Co.
Schlangenbrut e.V.: Schlangebrut, 30. Jahrgang, März 2012, Ausgabe 116, 51 Seiten, 4,80 €
Marianne Neuwöhner „Die Frau ist frei geboren und bleibt dem Manne gleich an Rechten“ Frauenrechte und der Auftrag für die Soziale Arbeit 
1791 formulierte Olympe de Gouges ihre legendäre „Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin“. Welchen Prozess haben die Frauenrechte seither durchlaufen? Wie sieht die aktuelle Situation der Frauen in Deutschland aus? Marianne Neuwöhner geht in ihrer fachkundigen Diplomarbeit diesen Fragen nach und deckt Handlungsbedarf auf. Ein besonderes Augenmerk widmet sie der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession und entwickelt Ansätze für die sozialarbeiterische Praxis im Bereich der Frauenrechte.
Vor de Gouges berücksichtigten Menschenrechtserklärungen nur die Rechte des Mannes. Konsequenter Weise beginnt die Autorin ihren Rückblick auf die Geschichte der Frauenrechte mit der französischen Revolutionärin, fährt mit Mary Wollstonechrafts Verteidigung der Frauenrechte von 1792 fort und beschließt mit den Suffragetten in England, um sich dann den wichtigsten Meilensteinen der deutschen Frauenbewegung und ihrer Errungenschaften hin zu wenden.
In der deutschen Gegenwart angekommen klopft sie Bereiche wie Bildung, Beruf, Ehe und Scheidung ab, analysiert die Formen von Gewalt, denen Frauen auch heute noch ausgesetzt sind. Gleichberechtigung sieht sie lediglich für den Bereich der Bildung realisiert. Die Benachteiligungen, die Frauen in Deutschland erfahren, gelten ganz besonders für Migrantinnen, die oft zusätzlich - bedingt z.B. durch die patriarchalen Strukturen ihrer Herkunftsländer - weitere Hürden nehmen müssen.
Unter Bezug auf das von der UNO herausgegebene Manual „Menschenrechte und Soziale Arbeit“ fordert die Autorin nicht nur Angehörige der Sozialen Berufe zum Handel auf. Marianne Neuwöhner möchte mit ihrem Buch „Menschen einen Impuls geben, sich mit den Rechten von Frauen zu beschäftigen und dafür einzusetzen.“ Sie wird das nicht nur bei Lehrenden, Lernenden und Praktizierenden der Sozialen Arbeit erreichen.
Tectum Verlag, Marburg 2010, 200 Seiten, 24,90 €
Iana Matei Zu verkaufen: Mariana, 15 Jahre alt. Mein Kampf gegen den Mädchenhandel
Iana Matei wurde 1996 von den Chefredakteur_innen der europäischen Ausgaben von Reader’s Digest zur Europäerin des Jahres gewählt. Elf Jahre davor hatte sie die erste Zufluchtstätte für Frauen in Rumänien eingerichtet, die von international operierenden Schlepperbanden ausgebeutet wurden. So zeichnet sie mit ihrer Autobiographie auch gleichzeitig ihr Engagement für zwangsprostituierte Mädchen nach und liefert Einblicke in eine im Verborgenen operierenden Sexmafia.
Bereits im ersten Kapitel lässt sie uns an der wagemutigen Befreiungsaktion der 15-jährigen Ionela aus der Gewalt ihrer Zuhälter teilhaben. Die Geschichte dieses Mädchens, das durch halb Europa gezerrt wurde, um Männern dienstbar zu sein, deckt die Mechanismen des Menschenhandels auf und führt die Ausweglosigkeit ihrer Opfer vor Augen. Ionela ist eines der zahlreichen Mädchen, denen Matei in ihrem Frauenhaus einen Unterschlupf und die Möglichkeit eines neuen Lebensbeginns bietet.
Ein Kapitel widmet die Autorin dem „Lagebild Menschenhandel“ in Europa. Sie führt vor, wie sich die Gesetzgebung der einzelnen Länder auf das Rotlichtmilieu niederschlägt.
1989 floh Matei vor der Polizei nach Jugoslawien und emigrierte danach nach Australien, wo sie ein Psychologiestudium abschloss und sich um obdachlose Menschen kümmerte. Zurück in Rumänien gründete sie ein Projekt für Straßenkinder. Als ihr von der Polizei drei minderjährige Zwangsprostituierte anvertraut wurden, suchte sie nach einer geeigneten Unterkunft und mietete eine Wohnung, in die sie mit den Mädchen einzog. Damit war der Keim für „Reaching out“, ihr Frauenhausprojekt für „zerbrochene Puppen“ gesetzt.
Das Buch ist ein Augenöffner: Es enthüllt den Menschenhandel als moderne Sklaverei, es enthüllt die Leiden der Betroffenen, die selbst nach einer „Befreiung“ lange mit Krankheiten und Traumata leben müssen. Manche überleben nicht.
Bastei Lübbe TB, Köln 2011, 286 Seiten, 8,99 €
Ulrike Karner Regenbogenlicht
Nach ihrem Debutroman Allah und der Regenbogen führt die Psychologin Ulrike Karner in ihrem zweiten Roman die Geschichte über das Leben der jungen Türkin Ebru weiter, die nach ihrem Outing als Lesbe ihr selbstbestimmtes Leben in Wien genießt.
Vor dem Hintergrund von Konflikten, die die türkische Migrantin in Bezug auf religiöse Traditionen ihrer Familie erlebt, entspinnen sich die Erzählungen über ihre Suche nach der großen Liebe, die Entdeckung ihrer Sexualität und ihre Freundschaft zu Lena, die in Ebrus Bruder Tarik verliebt ist. Dieser soll jedoch mit einer Cousine aus der Türkei verheiratet werden, um die von seiner Schwester beschmutzte Familienehre wieder herzustellen.
Der Autorin gelingt es, Themen wie Migration und Integration in Österreich, Zwangsheiraten und Homosexualität miteinander zu verbinden und den Leser_innen durch die Erlebnisse der jugendlichen Charaktere feinfühlig und authentisch näher zu bringen.
Wie bereits in Allah und der Regenbogen ist die romanhafte Erzählweise durchbrochen von Kurztexten in Form von E-Mails, Chats oder SMS, was eine Unmittelbarkeit der Ereignisse suggeriert, sodass man während des Lesens das Gefühl hat, die Wirren des Gefühlslebens von Ebru, Lena & Co direkt nachzuvollziehen.
Auch spricht die Autorin auf diese Weise gezielt Jugendliche an, die auf der Suche nach sich selbst, nach Werten, Freundschaft und Solidarität sind. (Besprechung: Sarah Breitenbach)
Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2011, 290 Seiten, 19,95 €
Barbara Naziri
Grüner Himmel über schwarzen Tulpen Ein west-östlicher Blick hinter den Schleier des Irans
In ihrem Roman erzählt die Autorin in poetischer Sprache von ihren west-östlichen Einsichten in die Welt zweier unterschiedlicher Kulturkreise und ergänzt durch ihre eigenen Erfahrungen das von den Medien einseitig geprägte Bild des Irans. Die Autobiographie stellt so zu einer Mischung aus Reisebericht, Geschichtsbuch und gesellschaftlichem Protestzeugnis dar, in der die politischen Verwerfungen der jüngeren iranischen Geschichte durch die Empathie der Autorin für das Land ihrer Vorfahren auf gefühlvolle Weise an den Leser herangeführt werden.
Barbara Naziri, deren Mutter deutsch-dänische und deren Vater iranische Wurzeln hat, ist durch ihr Umfeld früh für die Bereicherungen aber auch das Konfliktpotential interkultureller Begegnungen sensibilisiert worden. Aufgewachsen in Hamburg bereist sie nach der Geburt ihrer Kinder über zwanzig Jahre lang den Iran mit dem Ziel, ihr Leben einmal dort zu verbringen: Ein Traum, der sich angesichts systematischer Menschenrechtsverletzungen und politischer Repressalien, fundamentalistischer Mullahs und dem herrschenden Gesetz der Scharia, das vor allem die Freiheitsrechte der Frauen betrifft, schwierig zu gestalten scheint.
Naziri nimmt den Leser einerseits mit in die abwechslungsreiche Natur und Landschaft des Iran, deren Beschreibungen eine stark bildhafte Sprache anhaftet. Andererseits berichtet sie von den alten persischen Kulturstätten wie den Feuertempeln Zarathustras oder den großartigen Moscheen und Grabstätten berühmter Dichter. Auch die Anfänge und Auswirkungen der Islamischen Revolution auf die Zivilbevölkerung, die in der Mehrheit nach Frieden, Reformen und politischer Partizipation strebt, stehen im Zentrum der Handlung und formen durch ihre Eindrücklichkeit aber auch durch den humorvollen Erzählton ein neues Bild der sozialen und gesellschaftlichen Lebensumstände moderner Iranerinnen und Iraner. Dies konkretisiert sich zum Beispiel in den anschaulichen Beschreibungen der Grünen Demokratiebewegung und den Demonstrationen von 2009, in deren Verlauf vor allem die Stärke der Frauen sichtbar wird.
Barbara Naziri ist in ihrem autobiographischen Roman eine persönliche Auseinandersetzung mit den Stärken und Schwächen, den Hoffnungen und Frustrationen gelungen, mit denen die Einwohner aber auch die Exilanten dieses Vielvölkerstaates zu kämpfen haben. Über die individuelle Ebene hinaus spricht sie relevante zeitgenössische Umwälzungen in sozialen und politischen Bereichen an, die die Kultur des Iran formen und zeichnet so ein differenziertes Bild der iranischen Gesellschaft.
In dieser Hinsicht leistet die Autorin einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zwischen dem Westen und dem Osten, zwischen Deutschland und dem Iran. (Besprechung: Sarah Breitenbach)
Christel Göttert Verlag, 2011, 422 Seiten, 19,80 €
Sengül Obinger Löwinnenherz Wie ich mir meine Freiheit erkämpfte und dabei fast das Leben verlor
Sengül Obinger musste afgrund eines schweren Nierenleidens ihre ersten fünf Lebensjahre fast ausschließlich im Krankenhaus verbringen. Fünf schmerzhafte Jahre, die dennoch einen Vorteil hatten: Von einer Krankenschwester, die sich hingebungsvoll um sie kümmerte, lernte sie deutsch. So war sie später in der Lage, für ihre aus der Türkei stammenden Eltern zu dolmetschen. Ihren zu Gewalt neigenden Vater, vertrat sie sogar vor Gericht. Während einer Gerichtsverhandlung wird sie vom Anblick einer souverän auftretenden Anwältin in Bann gezogen. Diese Frau wird für die junge Sengül zum Vorbild. Ihr Bild wird ihr helfen, in scheinbar ausweglosen Situationen, den Mut und den Willen aufzubringen für ihre selbst gesteckten Ziele zu kämpfen.
Sengül ist ein bildungshungriges Kind. Aber ihre Familie macht ihr in aller Deutlichkeit klar, dass Schulausbildung für Mädchen „für die Katz“ ist. Sie werden ohnehin heiraten und dann ihre Aufgaben im Haushalt erfüllen. Ihr Alltag ist von Kontrolle und Sanktionen geprägt. Im Pubertätsalter erlebt sie ihre Mutter gar als „Terrorbeauftragte zur Überwachung“ des Hymens.
Mit 18 wird sie schließlich in der Türkei gegen ihren Willen mit einem Cousin verheiratet. Jetzt ist sie und bald auch ihre Tochter, die kurz nach der Heirat zur Welt kommt, der Willkür und Brutalität ihres Ehemannes ausgeliefert. Nach fünf Jahren reicht sie schließlich die Scheidung ein. Die Schüsse, die er auf sie abfeuert, verfehlen sie wie durch ein Wunder. Ihr Mann richtet sich selbst. Nach der langen Leidenszeit hat die junge Frau jetzt nicht nur die Rache der Familie ihres Mannes zu fürchten, sie muss auch mit der Ächtung ihrer eigenen Familie leben, die ihr die Schuld für die missratene Ehe zuweist.
14 Jahre nach der Tat schreibt Sengül Obinger ihre Autobiografie. Sie hat eine Ausbildung zur Personalfachfrau absolviert und strebt ein Jurastudium an. Sie ist glücklich verheiratet und hat eine zweite Tochter.
Sengül Obingers Biografie ist das Zeugnis einer Frau, die sich nicht brechen ließ und alles dran setzte ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ihr Buch wird vielen Frauen in ähnlichen Situationen Mut machen. Für uns alle ist es ein wertvoller und herausragender Beitrag im vielstimmig – und zuweilen eintönig - klingenden Chor zum Thema Integration.
Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2011, 220 Seiten, 17,95 €
Leymah Gbowee with Carol Mithers
Mighty Be Our Powers How Sisterhood, Prayer, and Sex Changed a Nation at War. A Memoir
Originalausgabe auf Englisch
2011 erhielt die Liberianerin Leymah Gbowee erhdie für ihre Friedens- und Frauenrechtsaktivitäten gemeinsam mit der Präsidentin Liberias Ellen Johnson Sirleaf sowie der Jemenitin Tawakkul Karman den Friedensnobelpreis. „
Gbowee beschreibt in ihrem biographischen Buch die zerstörerischen Folgen des von 1989 bis 2003 währenden Bürgerkrieges. Gemeinsam mit ihren in der Mass Action For Peace – Bewegung vereinten Mitstreiterinnen setzte sich Gbowee erfolgreich für den Friedensbildungsprozess in ihrem Land ein.
Im Verlauf ihrer Geschichte geht sie auf das allgegenwärtige Gefühl der Existenzangst ein, das den Mangel an Rechtsstaatlichkeit, die eingeschränkten Möglichkeiten der politischen Partizipation und die nicht vorhandenen Bildungs- und Karrierechancen für Frauen angesichts Armut, Hunger, Korruption und sexueller Gewalt zunächst in den Hintergrund treten lässt.
Nachdem Sie selbst mit ihren sechs kleinen Kindern vor Rebellen fliehen muss, schließt sie sich einer Gruppe christlicher und muslimischer Frauen an und organisiert wochenlange Sitzstreiks und Demonstrationen in Weiß, die letztendlich die Friedensverhandlungen zwischen den Warlords und Rebellen forcieren und in der Wahl Ellen Johnson Sirleaf zur ersten Präsidentin Afrikas münden.
Gbowee macht deutlich, dass zivilgesellschaftlichen Frauenbewegungen besonders in Zeiten von Krieg eine Macht zukommen kann, die Veränderungen in der politischen Landschaft bewirken.
Indem sie gemeinsam mit vielen anderen Liberianerinnen Verzweiflung in Agitation umsetzte und auf friedvolle Weise Protestveranstaltungen abhielt, trug Gbowee entscheidend dazu bei, Liberia für die nachfolgenden Generationen zum Positiven zu verändern.
„Mighty Be Our Powers“ ist ihre persönliche Chronik der Bürgerkriegsvergangenheit Liberias und gleichzeitig ein ehrliches und zugleich hoffnungsvolles Plädoyer für den Frieden. (Besprechung: Sarah Breitenbach)
Perseus Books Group/ Beast Books, 2011, 246 Seiten, 15,95 €
Jutta Hartmann / ado e.V. (Hrsg.) Perspektiven professioneller Opferhilfe Theorie und Praxis eines interdisziplinären Handlungsfeldes
Die Folgen von Straf- und insbesondere von Gewalttaten sind für die betroffen Menschen oft sehr gravierend und beeinflussen ihr Leben nachhaltig.
Es bedarf professioneller Hilfe um die verletzenden Erfahrungen zu überwinden und Folgeschäden vorzubeugen. Kompetente Opferhilfe ist also zwangsläufig ein vielschichtiges und interdisziplinäres Handlungsfeld. Der Band, entstanden anlässlich 20-jährigen Bestehens des „Arbeitskreises der Opferhilfe in Deutschland“ (ado), vereint Beiträge von Autor_innen die aus Wissenschaft und Praxis kommen. So entstand ein Buch, das einen systematischen Zugang zum Praxisfeld der Opferhilfe aus wissenschaftlicher, rechtlicher, psycho-sozialer, praxisreflektierender sowie qualifizierender Perspektive bietet.
Wichtige Entwicklungen und Erkenntnisse sowie Verfahren und Herausforderungen der Opferhilfe werden dargelegt und Einblicke in die Opferhilfe als ein professionalisiertes Handlungsfeld Sozialer Arbeit vermittelt.
Der Band wendet sich an Lehrende und Studierende der Sozialwissenschaften sowie an Sozialarbeiter_innen, Psycholog_innen, Jurist_innen und Akteure verwandter Disziplinen in der Praxis der Opferhilfe. VS Verlag der Wissenschaften/Springer Fachmedien Wiesbaden. 2010, 329 Seiten, 34,95 €
Sabatina James Nur die Wahrheit macht uns frei Mein Leben zwischen Islam und Christentum
Sabatina James, 1982 in Pakistan geboren, emigrierte mit ihrer Familie im Alter von zehn Jahren nach Österreich. Mit 17 entkam sie einer Zwangsverheiratung und flüchtete nach Deutschland., wo sie zum Christentum konvertierte. Seither muss sie mit den Morddrohungen ihrer Eltern leben.
Sabatina James gab nicht klein bei, sondern gründete den Verein Sabatina e.V., um anderen Mädchen und Frauen beizustehen, die sich in ähnlichen Situationen befinden.
Durch ihren Verein lernte sie viele Frauen aus ihrer Heimat Pakistan, aber auch aus Österreich und Deutschland kennen, die sich wegen erlittener physischer, psychischer und sexueller Gewalt an sie wandten. Frauenschicksale, die sich für sie in der Rechtsordnung der Scharia begründen.
Die Autorin positioniert sich klar gegen die Unterdrückung von Frauen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. Es ist ihr besonderes Anliegen, die Öffentlichkeit für die Themen Zwangsverheiratung sowie häusliche Gewalt in muslimischen Familien zu sensibilisieren und die Politik und Gesellschaft in diesem Bereich zum Positiven zu verändern.
Sabatina James’ Autobiographie ist die Geschichte einer Rebellin, die nicht aufgibt und doch ehrlich ihre Verzweiflung angesichts der Hoffnungslosigkeit einzelner Frauenschicksale zum Ausdruck bringt. Durch diese Authentizität fesselt sie die Leser_innen und vermittelt ihnen Einsichten in religiöse Welten, die nicht unbedingt nur im fernen Pakistan, sondern mitten in Deutschland existieren.
Pattloch Verlag, München, 2011, 283 Seiten, 16,99 €
Babette Cole Prinzessin Pfiffigunde
Alle Welt erwartet, dass eine Märchenprinzessin den Märchenprinzen heiratet. Doch Prinzessin Pfiffigunde hat übrehaupt keine Lust zum Heiraten. Um sich der Bewerber um ihre Hand zu erwehren, greift sie zu einem bewährten Mittel: Sie stellt knifflige Aufgaben. Doch die allerkniffligste Aufgabe muss sie schließlich selbst lösen ...
Carlsen Verlag Hamburg, 2005, 14,90 € |