Ulfa von den Steinen

Ulfa von den Steinen
 

„Ich bin Stifterin für TERRE DES FEMMES, weil dieser Verein sich für Menschenrechte und ihren dauerhaften Schutz weltweit einsetzt. Die Gleichstellung der Frau wurde hier als grundlegende Notwendigkeit erkannt und in glaubhafter Weise zum zentralen Anliegen gemacht.”

Stiftungs-Schwerpunkte

Die TERRE DES FEMMES STIFTUNG ist eine Förderstiftung mit dem Stiftungszweck der Finanzierung von Aktivitäten des Vereins TERRE DES FEMMES e.V. Alle zwei Jahre wählt der Vorstand einen inhaltlichen Schwerpunkt aus, der in den folgenden zwei Jahren aus den Erlösen der Stiftung gefördert wird. In den Jahren 2014-2016 ist dies das Engagement gegen Zwangsverheiratung und Frühehen mit minderjährigen Mädchen.

 

Schwerpunkt 2014-2016

Engagement zur Verhinderung von Früh- und Zwangsehen
Braut mit 9, Mutter mit 13?

Foto: © evgenyatamanenko - Fotolia.comWeltweit leben aktuell mehr als 700 Millionen Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. Davon waren ca. 250 Millionen noch nicht einmal 15 Jahre alt. Eine Änderung dieser Entwicklung ist nicht in Sicht: Laut Schätzung des UN-Bevölkerungsfonds werden im nächsten Jahrzehnt jährlich 14,2 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet.

Die Gründe für eine frühe Verheiratung sind vielfältig. Sie reichen von finanzieller Not über Traditionen und patriarchalische Wertvorstellungen zu Angst vor familiärem „Ehrverlust“.

Da Kinder sich noch nicht angemessen gegen eine frühe Verheiratung wehren bzw. die Folgen einer Heirat nicht abschätzen können, sind Frühehen eine Form von Zwangsverheiratung – mit gravierenden Folgen für die jungen Frauen. Schwangerschaft ist für 15-19-jährige Frauen weltweit Todesursache Nummer eins. Minderjährige Ehefrauen sind häufiger von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt bedroht und haben oftmals keine Chance auf einen (höheren) Bildungsabschluss, der ihnen ökonomische Selbstständigkeit garantieren könnte. Sie werden ihres Rechts auf Selbstbestimmung beraubt und „vererben“ Armut und Abhängigkeit an ihre Kinder.

Die Weltgemeinschaft verhandelt gerade die globalen Entwicklungsziele 2015 - 2030. TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, dass die Abschaffung von Früh- und Zwangsehen bis 2030 eines dieser Entwicklungsziele sein wird. Dafür vernetzen wir uns auf internationaler Ebene und fordern auch die Bundesregierung auf, sich für dieses Ziel stark zu machen.

Fokus Deutschland

Auch in Deutschland sind Mädchen und junge Frauen von Frühehen betroffen. Um voreheliche sexuelle Erfahrungen zu verhindern, werden die Mädchen möglichst früh, meist noch vor ihrem 18. Geburtstag, zwangsverheiratet. Die Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland“ des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2011 belegt, dass allein im Jahr 2008 3.443 von Zwangsverheiratung bedrohte oder betroffene Personen in Beratungseinrichtungen Hilfe suchten. 93 % der Betroffenen waren weiblich, knapp ein Drittel der Betroffenen unter 18 Jahre.

Zwangsverheiratung ist eine Form von Gewalt im Namen der Ehre, die von psychischem Druck bis hin zu physischer und sexualisierter Gewalt, sogar bis hin zu sog. Ehrenmorden führen kann. Stets wird diese Gewalt angewandt, um die vermeintliche Familienehre zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

Zwangsverheiratung ist in Deutschland ein eigener Straftatbestand und wird mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Allerdings gilt dies nur für standesamtlich geschlossene Zwangsehen. Sozial oder religiös geschlossene Ehen sind davon ausgenommen. Da bei der Zwangsverheiratung von Minderjährigen aber mehrheitlich solche religiösen oder sozialen Eheschließungen eine Rolle spielen – und für die Betroffenen die Art der Verheiratung keinen Unterschied macht – besteht eine große Gesetzeslücke in der Strafverfolgung, die umgehend geschlossen werden muss. TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, dass jede Ehe unter Zwang bestraft wird.

Engagement von TERRE DES FEMMES in den nächsten zwei Jahren

TERRE DES FEMMES wird sich für eine EU-weite Erhebung über das Ausmaß von Früh- und Zwangsverheiratung in Europa engagieren, die den Regierungen den Handlungsbedarf aufzeigt und eine länderübergreifende Kooperation zur Bekämpfung dieser Menschenrechtsverletzung fördern kann.

Durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit werden wir über die Ursachen und Folgen von Frühehen informieren und aufklären. Dazu haben wir u.a. eine Kooperation mit dem Film „Das Mädchen Hirut“ geschlossen, der einen wahren Fall aus Äthiopien thematisiert. Zudem wird Frühehe das Schwerpunktthema der Fahnenaktion 2015 sein.

Direkte Hilfe für Betroffene

Schließlich leistet TERRE DES FEMMES mit der spezialisierten Beratungsstelle LANA auch direkte Hilfe für Betroffene. Daneben machen wir wichtige Aufklärungsarbeit in Schulen mit der Aufführung des Theaterstücks „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“. Außerdem unterstützt TERRE DES FEMMES verschiedene Projekte wie die Frauenrechtsorganisation AFFMHL in Kamerun, die dazu beitragen, dass Mädchen nicht zwangsverheiratet werden, sondern weiter zur Schule gehen können.

 

Schwerpunkt 2012-2014

Foto: TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESIn den Jahren 2012 bis 2014 flossen die jährlichen Erlöse der Stiftung in die TERRE DES FEMMES Fachberatungsstelle LANA. Dort beraten zwei Expertinnen auf türkisch und deutsch schwerpunktmäßig zu den Themen Zwangsheirat und Gewalt im Namen Ehre, sowie zu weiblicher Genitalverstümmelung, und Häuslicher und sexualisierter Gewalt. Die ungebrochen hohe Nachfrage an Beratungsgesprächen zu den TERRE DES FEMMES Schwerpunktthemen verdeutlicht die Notwendigkeit eines spezialisierten Beratungsangebots und erfordert dessen langfristigen Ausbau. Jedes Jahr kontaktieren rund 500 Personen die Beratungsstelle.

Eingebettet in die inhaltliche Arbeit aller TERRE DES FEMMES Referate ist die Beratungsstelle das Herz der Arbeit im direkten Kontakt mit Frauen- und Menschenrechtsverletzungen. In enger Zusammenarbeit mit weiteren Frauenrechtsorganisationen und Hilfestellen gewährleistet die Beratungsstelle fallspezifische, schnelle und einfach erreichbare Hilfe für Betroffene.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie sich für eine Zustiftung interessieren. Kostenloses und unverbindliches Informationsmaterial können Sie ganz einfach hier online bestellen.

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