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Was sind soziale Rechte?

Über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Bekleidung werden im Ausland hergestellt!
Wissen Sie, von wem und wie?


ArbeiterInnen verlieren bei Unfällen in Nike-Zulieferbetrieben die Finger, Adidas-Näherinnen in El Salvador erkranken regelmäßig durch gesundheitsschädliches Trinkwasser, in Bangladesch sterben Hunderte von Arbeiterinnen bei Bränden, weil die Fabriktore bei Arbeitsbeginn abgeschlossen werden! Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

Die großen Unternehmen wie Karstadt/Quelle, Metro, C&A, H&M, Otto, lassen in den so genannten Billiglohnländern von Zulieferbetrieben produzieren. Sie ziehen von Land zu Land und lassen dort nähen, wo es für sie am billigsten ist und wo es keine oder von der Regierung kontrollierte Gewerkschaften gibt. So wanderte die Produktion von Deutschland seit den 70er Jahren nach Korea und Taiwan, von dort in den 80er und 90er Jahren weiter nach Indonesien und Osteuropa, und heute geht der Trend nach China, das derzeit schon 20 Prozent aller Textilien der Welt herstellt. Die Kette verläuft von den Auftraggebern zu den Zulieferbetrieben, deren Sublieferanten bis zu den Näherinnen. Profitgier ist die Triebfeder, die Frauen sind nur Arbeitsmaterial, sie werden entlassen, wenn ihre Leistung den hohen Anforderungen nicht mehr genügt. Die Näherinnen, überwiegend Frauen im Alter von 18–25 Jahren, arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Dennoch sind sie froh, überhaupt einen Verdienst zu haben, obwohl das heißt:

  • 10–12 Stunden amTag arbeiten, oft ohne einen freien Tag in der Woche.
  • In manchen Ländern wird nicht einmal der gesetzliche Mindestlohn gezahlt, der nicht existenzsichernd für eine Familie ist. Frauen werden hierbei besonders benachteiligt: In Bangladesch z.B. wird 42 Prozent der Frauen nicht der gesetzliche Mindestlohn bezahlt, aber nur 17 Prozent der Männer.
  • Rückenschmerzen aufgrund der immer gleichen Arbeitshaltung.
  • Urinproben vor der Einstellung, um eine Schwangerschaft auszuschließen.
  • Bei Schwangerschaft droht Entlassung; Schwangerschaftsurlaub und Mutterschutz gibt es zwar in einigen Ländern, allerdings nur auf dem Papier.
  • Permanente Überwachung mit Kameras bis in die Toiletten.
  • Hitze in den Produktionshallen, viel Staub und Flusen führen zu Lungenproblemen.
  • Wasser wird nicht ausreichend zur Verfügung gestellt (um häufigen Toilettengang zu verhindern), was zu Blasenproblemen führt, oder das Wasser ist verunreinigt, was Darmprobleme bis hin zu Vergiftungen zur Folge hat.
  • Sexuelle Belästigungen durch männliche Vorgesetzte.
  • Direkte oder indirekte Behinderung des Rechts, sich gewerkschaftlich zu organisieren.
  • Kein Schutz vor Bränden, fehlende Feuerlöscher, versperrte Fluchtwege/Ausgänge.

Dazu kommen die sozialen Auswirkungen: Viele Männer sind arbeitslos, ihre Aggressionen richten sich gegen die Frauen. In Mexiko z. B. wurden im Umkreis der Maquilladoras von Ciudad Juarez in den letzten neun Jahren über 300 Frauen ermordet – gedeckt von der männlichen Polizei und Justiz!

Kleider machen Leute – Die Macht der Marken

Die neue Verkaufsstrategie der großen Konzerne heißt: Die Marke zählt, das Produkt ist unwichtig. Dafür werden Millionen von Euros für Stars ausgegeben, damit sie für die Marken werben. Für diejenigen, die das Produkt in den so genannten Billiglohnländern (Südostasien, Mittelamerika, Osteuropa) herstellen, fallen nur einige Cents ab. Die Lohnkosten liegen bei nur ca. 0,5–1 Prozent des Verkaufspreises, für Marketing und Werbung wird aber ein Vielfaches ausgegeben (ca. 25 – 30 Prozent des Verkaufspreises). Konkret: Die Arbeiterin in der Textilfabrik Tuntex in Indonesien verdient an einem T-Shirt, das Sie als Kundin für 70 Euro kaufen, gerade mal 0,35– 0,70 Euro !

„Manchmal arbeite ich 80 Stunden in der Woche und
verdiene dabei 2,50 Euro am Tag. Das reicht gerade
für mein Essen, richtig leben kann ich davon nicht“,
sagt Yetti, Näherin in der Fabrik Tuntex
(Jakarta / Indonesien).

Deutschland ist der größte Modemarkt Europas und der zweitgrößte der Welt nach den USA.

Die Macht der KonsumentInnen

Konsumentinnen - das sind wir, vor allem wiederum Frauen, die für sich selbst und zu 70 Prozent für ihre Männer und Kinder Kleidung kaufen. Pro Jahr werden in Deutschland knapp 12 kg Bekleidung pro Kopf gekauft. Rund 870 Euro gibt jede/r Deutsche pro Jahr dafür aus. TERRE DES FEMMES setzt mit ihren Aktionen auf die Macht der Konsumentinnen: Zusammen mit ihnen fordert TDF sozial verträgliche "saubere“ Arbeitsbedingungen für die Frauen in den Produktionsländern. Deshalb ist TDF Mitglied bei der inzwischen in zehn europäischen Ländern arbeitenden Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign = CCC), die die Unternehmen auffordert, dem Verhaltenskodex der CCC, der sich auf die Arbeitsgrundrechte der Internationalen Arbeitsorganisation bezieht, zu folgen.

So setzt sich der Preis eines Kleidungsstücks zusammen:

50% Gewinn und Kosten des Einzelhandels incl. MwSt.
25% Markenname, Werbung
13% Gewinn, Material, Verwaltungskosten der Fabrik
11% Transport, Importsteuer
1%   Lohn der Arbeiterin