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Bangr Nooma, Burkina Faso – Schutz vor Genitalverstümmelung

„Frauen müssen in jeder Hinsicht und besonders gegen traditionelle schädliche Praktiken gestärkt werden, damit sie mehr Selbstbewusstsein erlangen und eigenständig entscheiden können. Nur so werden wir auch die weibliche Genital­verstümmelung eines Tages besiegen. Dafür machen wir uns stark.“ Rakieta Poyga, Gründerin und Leiterin von Bangr Nooma. Foto: © TERRE DES FEMMESRakieta Poyga, Gründerin der Association Bangr Nooma, bei der Eröffnungsfeier des Gewaltschutzzentrums in Ouagadougou (Juni 2015)
Foto: © TERRE DES FEMMES

„Frauen müssen in jeder Hinsicht und besonders gegen traditionelle schädliche Praktiken gestärkt werden, damit sie mehr Selbstbewusstsein erlangen und eigenständig entscheiden können. Nur so werden wir auch die weibliche Genital­verstümmelung eines Tages besiegen. Dafür machen wir uns stark.“
Rakieta Poyga.

Interventionsgebiete:
Drei Provinzen im Königreich Mossi: Kadiogo, Sanmatenga und Nahouri sowie in Bezirken der Hauptstadt Ouagadougou mit umliegenden Wohnvierteln und Dörfern, Burkina Faso

Wird von TDF unterstützt seit: 1998

Zielgruppe: Dorfchefs, Religionsführer, LehrerInnen etc., von FGM betroffene und bedrohte Mädchen sowie die gesamte Bevölkerung  
 
Projektaktivitäten:

  • Gezielte Aufklärungsarbeit und Sensibilisierungskampagnen zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung
  • Schulung der MitarbeiterInnen für die Kampagnenarbeit (Animateur/Animatrice)
  • Bildungsarbeit mit dem Ziel der Bewusstseinsveränderung hin zur Ächtung von FGM
  • Einrichtung von Dorfkomitees zum Schutz bedrohter Mädchen
  • Hilfe für Betroffene durch Notoperationen

Projektgründerin/Leiterin: Rakieta Poyga

Kontakt: Ehrenamtliche Projektbetreuerin Irma Bergknecht (burkina-faso@frauenrechte.de) oder TERRE DES FEMMES-Referat Internationale Zusammenarbeit (iz@frauenrechte.de)

Projektflyer: Informationsflyer Bangr Nooma (PDF-Datei)

 

 

 

  • Hintergrund

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  • Erfolge

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  • Weitere Informationen

Hintergründe und Projektbeschreibung

FGM in Burkina Faso

Burkina Faso gehört mit zu den ärmsten Ländern der Welt. Weniger als ein Fünftel der Mädchen und Frauen kann lesen und schreiben. Nach Angaben von UNICEF aus dem Jahr 2013 sind im westafrikanischen Burkina Faso über 76% aller Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen (Female Genital Mutilation: FGM). Ihnen wird meist ohne Narkose und unter unhygienischen Bedingungen die Klitoris entfernt. In vielen Fällen werden zusätzlich die inneren sowie die äußeren Schamlippen teilweise oder vollständig abgetrennt (Exzision). Viele der betroffenen Mädchen und Frauen leiden ein Leben lang unter Schmerzen, verursacht durch Fistelbildungen Verwachsungen oder Infektionserkrankungen. Nicht selten verbluten Mädchen bei der Prozedur. Bei Schwangerschaften und Geburten kommt es häufig zu lebensgefährlichen Komplikationen für Mutter und Kind.

Genitalverstümmelung ist in Burkina Faso seit 1996 gesetzlich verboten, trotzdem wird sie weiterhin praktiziert. Hinzu kommt, dass vermehrt sehr junge Mädchen beschnitten werden. Denn die Beschneidung gilt vielerorts als Voraussetzung für eine Heirat. Religionsführer, Dorfchefs sowie die Beschneiderinnen selbst vertreten die Praktik von FGM und genießen hohes Ansehen innerhalb ihrer Dorfgemeinschaft, was die Arbeit von Bangr Nooma umso wichtiger macht.

Bangr Nooma - "Es gibt nichts Besseres als Wissen"

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ABN, die für die Aufklärungsarbeit zuständig sind (Animatrices/Animateurs). Foto: © TERRE DES FEMMESMitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ABN, die für die Aufklärungsarbeit zuständig sind (Animatrices/Animateurs). Foto: © TERRE DES FEMMESSeit über fünfzehn Jahren setzen sich Rakieta Poyga, die Gründerin und Leiterin der Assocation Bangr Nooma (ABN) sowie ihre MitarbeiterInnen für ein Ende der weiblichen Genitalverstümmelung in Burkina Faso ein. Sie arbeiten in den Provinzen Sanmatenga im Norden Zentralburkinas, in Nahouri im Süden des Landes, in Bezirken der Hauptstadt Ouagadougou sowie in umliegenden Wohnvierteln und Dörfern. Bangr Nooma bedeutet soviel wie "Es gibt nichts Besseres als Wissen". Die Organisation wurde 2001 offiziell als gemeinnützige Organisation anerkannt und zählt inzwischen über 300 ehrenamtliche Mitglieder und Aktive.

Die Organisation vertritt einen ganzheitlichen Ansatz und bezieht die gesamte Bevölkerung eines Viertels oder Dorfs in die Sensibilisierungskampagnen ein. Eine Kampagne dauert in der Regel mehrere Jahre. Dazu bildet ABN Animatricen und Animateure aus, die mit den Menschen über das tabuisierte Thema der Genitalverstümmelung sprechen und über die negativen Folgen der Praktik informieren. Ein Schwerpunkt liegt in der Schulung und Fortbildung lokal einflussreicher Personen, die als MultiplikatorInnen fungieren. Dazu gehören neben den Dorfchefs, Religionsführern, LehrerInnen, PolizistInnen, VertreterInnen von Frauenorganisationen und traditionellen Hebammen vor allem auch die ehemaligen Beschneiderinnen.

Projektaktivitäten von Bangr Nooma

Die Aufklärungskampagnen von ABN verlaufen in drei Phasen:

In der ersten Phase versucht Bangr Nooma die Dorfchefs für ihre Aktivitäten zu gewinnen. Stehen diese dem Anliegen offen gegenüber, dann wählen sie eine geeignete Frau und einen geeigneten Mann aus dem Dorf aus, die zur Animatrice bzw. zum Animateur ausgebildet werden.

In der zweiten Phase liegt der Schwerpunkt auf der Sensibilisierung von lokal einflussreichen Personen wie LehrerInnen, Polizisten, traditionellen Hebammen und Beschneiderinnen.

Frauen beteiligen sich bei der Aufklärungsarbeit zur Weiblichen Genitalverstümmelung in Toukin: Foto: © TERRE DES FEMMESFrauen beteiligen sich bei der Aufklärungsarbeit zur Weiblichen Genitalverstümmelung in Toukin: Foto: © TERRE DES FEMMESDie dritte Phase hat zum Ziel, die gesamte Bevölkerung durch Aufklärungsarbeit davon zu überzeugen, dass ein NEIN zu FGM notwendig ist. Durch kontinuierliche Gespräche versuchen sie, allmählich das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, es werden Diskussionen angeleitet die mit Film, Theatersketchen oder anderen Sensibilsierungstechniken verstärkt werden und es werden größere öffentliche Diskussionsveranstaltungen zum Themenkomplex FGM durchgeführt. Am Ende der Kampagnenarbeit wird ein Dorfkomité eingerichtet, welches die Verantwortung dafür übernimmt, gefährdete Mädchen in ihrer Dorfgemeinschaft zu schützen. Dieses Komité wird im Rahmen einer abschließenden offiziellen Zeremonie eingesetzt: eine Dorfversammlung, auf der alle wichtigen Traditionshüter und Religionsführer das NEIN zu FGM als neue soziale Norm deklarieren. Die Zeremonie wird durch das feierliche „Begräbnis“ von Beschneidungswerkzeugen symbolisch untermauert.

Das Dorfkomitee ist danach verantwortlich für die Umsetzung der neuen sozialen Normen. Gemeinsam wird eine Liste der bedrohten Mädchen erstellt und deren körperliche Unversehrtheit überwacht. Die ehemaligen Beschneiderinnen spielen hier eine entscheidende Rolle, erfahren sie doch von geplanten Beschneidungen und können diese zur Anzeige bringen. Da mittlerweile immer häufiger Mädchen im Babyalter beschnitten werden, sind bereits neugeborene Mädchen in den Listen von ABN erfasst. Gemeinsam mit den Dorfkomitees vertieft ABN die Aktivitäten und macht regelmäßige Monitoring-Besuche, um einen nachhaltigen Erfolg der Aufklärungsarbeit zu gewährleisten. Danach arbeiten die Komitees unabhängig und führen die Arbeit eigenständig fort.

Unterstützung für medizinische Notoperationen

Aufgrund der weiblichen Genitalverstümmelung leiden viele Mädchen und Frauen unter schweren medizinischen Folgeschäden. Es kann zu Wucherungen, Verwachsungen oder zu schlimmen Fistelbildungen kommen (z.B. Vesico-Vaginal Fistulae). Mädchen und Frauen, die Opfer von FGM geworden sind und deshalb unter starken Schmerzen leiden, kann durch medizinische Eingriffe geholfen werden.

Immer öfter kommen Eltern auf ABN zu. Sie haben ihre Töchter genitalverstümmeln lassen und wussten nicht, dass sie ihren Töchtern großen Schaden zugefügt haben. Erst an den leidvollen Schmerzen wird ihnen dieses bewusst. Sie nehmen Kontakt auf mit Bangr Nooma und bitten um medizinische Notoperationen. ABN ist vernetzt mit Prof. Dr. Akotionga, der solche Operationen an von FGM betroffenen Mädchen durchführt. Bangr Nooma stellt den Kontakt her und begleitet die Mädchen und Frauen zu den medizinischen Eingriffen. Um die ehrenamtliche Tätigkeit von Prof. Akotionga zu unterstützen, hat die Städtegruppe Nürnberg 2015/2016 von zwei unterschiedlichen medizinischen Einrichtungen wertvolle Sachspenden von OP-Instrumenten gespendet bekommen.

Erfolge des Projekts

TDF-Projektbesuch 2015 nach dem Austauschgespräch mit Prof. Akotionga, der ABN im Bereich medizinischer Notoperationen unterstützt. Foto: © TERRE DES FEMMESTDF-Projektbesuch 2015 nach dem Austauschgespräch mit Prof. Akotionga, der ABN im Bereich medizinischer Notoperationen unterstützt. Foto: © TERRE DES FEMMESDas Projektbüro von Bangr Nooma, welches mit Hilfe von TERRE DES FEMMES aufgebaut wurde, besteht seit 2005. Diese ist eine wichtige Anlaufstelle für Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Dort finden Mädchen, die vor einer drohenden Genitalverstümmelung fliehen, Beratung und Schutz. Für Frauen, die als Folge weiblicher Genitalverstümmelung unter massiven gesundheitlichen Problemen leiden, ermöglicht Bangr Nooma mit Unterstützung des Arztes Prof. Akotionga ca. 15-20 mal im Jahr Operationen für notleidende Mädchen und Frauen. In dieser Situation ist die Arbeit von Bangr Nooma unerlässlich und nicht mehr wegzudenken.

Im Projektgebäude von ABN werden die Animateure und Animatricen regelmäßig fortgebildet. So bleiben sie in der Lage, die Menschen auf den Dörfern über Jahre hinweg immer wieder zu besuchen und nachhaltig dafür zu sorgen, dass nicht wieder heimlich Mädchen beschnitten werden. Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten die ehemaligen Beschneiderinnen, die sich mit Hilfe von Kleinkrediten durch Bangr Nooma eine neue Existenz aufbauen konnten und sich danach in die Arbeit von ABN einbringen.

Frau Safiata Zongo. Foto: © TERRE DES FEMMESFrau Safiata Zongo. Foto: © TERRE DES FEMMESFrau Safiata Zongo ist 51 Jahre und lebt in Ouagadougou, Prof. Akotionga und ABN haben ihr mit einer medizinischen Notoperation im Jahr 2014 helfen können. In einem Interview mit TERRE DES FEMMES hat sie stolz davon berichtet (Juni 2015).

Bangr Nooma konnte mit Hilfe der kontinuierlichen Unterstützung durch TERRE DES FEMMES ein Umdenken bei vielen Menschen bewirken.

  • Insgesamt erreichte die Organisation bislang über 800.000 Menschen in Burkina Faso. Seit der Gründung
    von ABN konnten nachweislich über 33.000 Mädchen vor der Genitalverstümmelung bewahrt werden

  • In mehr als 820 Dörfern in Burkina Faso gibt es Komitees gegen die Praktik von FGM

  • Etwa 300 Beschneiderinnen und ihre Assistentinnen haben Kleinkredite bekommen und die Mehrzahl davon hat sich eine neue Existenz aufgebaut. Rund 180 von ihnen sind nun gemeinsam mit ABN aktiv im Kampf gegen FGM

  • Immer mehr Dorfchefs, traditionelle und religiöse Führer sowie die Bevölkerung selbst stehen überzeugt zu einem „Nein zu FGM“

  • Im Juni 2015 hat ABN ein neues Gewaltschutzzentrum eröffnet, in dem Mädchen und Frauen Zuflucht und Unterstützung finden.

  • Im Jahr 2015 hat ABN zum Beispiel mehr als 400 Sensibilisierungsaktivitäten auf Dorfebene durchgeführt und für 20 Mädchen und Frauen medizinische Notoperationen durchführen können.

Aktiv werden & Spenden

Bei einer Aktivität von ABN mit TDF-Besuch (2015 ). Foto: © TERRE DES FEMMESBei einer Aktivität von ABN mit TDF-Besuch (2015 ). Foto: © TERRE DES FEMMESAuch in Zukunft benötigt Bangr Nooma finanzielle Unterstützung für:

  • Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen in weiteren Dörfern des Einzugsgebietes dvon ABN,
  • Seminare und Schulungen vor allem für die Animatricen/Animateure von ABN, aber auch für die Beschneiderinnen, LehrerInnen und Aktiven in den Dorfkomitees,
  • die Finanzierung von Fahrrädern und Mopeds für die Animateure/Animatricen sowie deren Aufwandsentschädigungen,
  • Filmvorführungen sowie Auftritte von Theater- und Musikgruppen zur Unterstützung der Kampagnen,
  • die Vergabe von Kleinkrediten für die ehemaligen Beschneiderinnen, damit sie sichalternative Einkommensquellen schaffen können,
  • die Finanzierung des Krankenhausaufenthaltes und der Medokamente für die Notoperationen für betroffene Frauen mit massiven gesundheitlichen Problemen.

UNTERSTÜTZEN AUCH SIE DIE ARBEIT DER ASSOCIATION BANGR NOOMA GEGEN GENITALVERSTÜMMELUNG AN FRAUEN UND MÄDCHEN!

Unterstützen Sie Bangr Nooma mit einer einmaligen Spende oder spenden Sie regelmäßig und werden Sie FörderIn!

Sie können auch mit dem Stichwort „Burkina Faso“ auf folgendes Konto spenden:

EthikBank
Konto 103 116 000
BLZ 830 944 95
BIC GENODEF1ETK
IBAN DE35 8309 4495 0103 1160 00

 

 

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