• 28.07.2026

Bewegendes Interview mit Aminata Diakité Koné

Aminata Diakité Koné, APDF-Programmleiterin

Am vergangenen Dienstag besuchte die Programmleiterin der malischen TDF-Partnerorganisation APDF („Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes“) Aminata Diakité Koné die TDF-Geschäftsstelle in Berlin. Der Besuch bot die Gelegenheit, sich über die aktuelle Frauenrechtslage in Mali und die gemeinsame Projektarbeit von APDF und TDF auszutauschen. Darüber hinaus hatte sie Zeit für ein Interview mit TERRE DES FEMMES, in dem sie Erfolge und Herausforderungen ihrer Arbeit konkretisieren und einen emotionalen Einblick in das (Nach-)Wirken der 2016 verstorbene Gründerin von APDF Fatoumata Siré-Diakité geben konnte. Das Interview führte die Referatsleiterin IZ Birgitta Hahn.

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Mme Koné im Interview über die Partnerorganisation APDF

Mme Koné im Interview über die APDF, die Situation in Mali und über die Gründerin der Organisation (der Text wurde von TDF aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt):

Wie heißt du und welche Funktion hast du bei der APDF?

Ich bin Aminata Diakité Koné und arbeite als Programmleiterin bei der APDF („Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes“), dem Verein für den Fortschritt und die Verteidigung der Frauenrechte in Mali. Die APDF ist eine gemeinnützige und apolitische Organisation, die 1991 in Mali von Ihrer Exzellenz Fatoumata Siré Diakité, der ehemaligen malischen Botschafterin in Deutschland, gegründet wurde.

"Gewalt zu erleiden, das ist eine Last, die man sein ganzes Leben lang mit sich trägt"

Wenn du die aktuelle Situation der Rechte von Frauen und Mädchen in Mali beispielsweise mit drei Adjektiven oder drei Wörtern beschreiben müsstest, welche würdest du wählen?

Was die Rechte der Frauen in Mali angeht, würde ich sagen, dass sie von Widerstandsfähigkeit geprägt sind, denn es gibt viele Schwierigkeiten und Hindernisse für die Entwicklung der Frauenrechte in Mali. Aber kontinuierlich setzen die Frauen sich durch, emanzipieren sich, lernen, welche Rechte sie haben, und setzen diese auch durch.

Aber es gibt Herausforderungen. Zum Beispiel die weibliche Genitalverstümmelung, Kinderheirat, Früh- und Zwangsheirat, sexuelle sowie häusliche Gewalt, die Frauen und Mädchen in Mali stark belasten. Wenn eine Frau von Gewalt betroffen ist, kann sie – selbst wenn sie berufstätig ist – keine Leistung erbringen, weil sie innerlich verletzt ist; sie erscheint zwar im Büro, verbringt aber den ganzen Tag damit, über die erlittene Gewalt nachzudenken. Daher sinkt ihre Leistungsfähigkeit, und sie kann ihre Aufgaben nicht mehr so gut erfüllen. Gewalt zu erleiden – das ist eine Last, die man sein ganzes Leben lang mit sich trägt.

Eine anhaltende Herausforderung sind außerdem die Ungleichheiten beim Zugang zu Bildung für Mädchen. Denn in abgelegenen Gegenden dürfen Mädchen nicht zur Schule gehen. Selbst wenn ein Mädchen zur Schule geht, ist es nach der 8. oder 9. Klasse wieder im Dorf. Es wird verheiratet. Auch beim Zugang zur Justiz herrscht nach wie vor Ungleichheit. Denn Frauen scheitern sehr oft vor Gericht. Sie trauen sich nicht, vor Gericht zu gehen oder haben nicht die Mittel, um die Kosten zu tragen. Wenn die APDF die finanziellen Mittel durch ein entsprechendes Programm hat, übernehmen wir die Anwaltskosten für die Frau. Dafür haben wir Partner wie TERRE DES FEMMES, die die Rechtsberatung für Frauen unterstützen.

"Djiguiyasso, das bedeutet Hoffnung für die Hoffnungslosen"

Die APDF betreibt Einrichtungen zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt für Mädchen und Frauen. Warum verfolgen Sie in diesen Zentren einen holistischen bzw. multidisziplinären Ansatz? Warum benötigen Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt Zugang zu psychologischer, rechtlicher, medizinischer und wirtschaftlicher Unterstützung zugleich?

Weil wir durch unsere Erfahrungen in der Beratungsstelle gesehen haben, dass die Frauen, die zu uns kommen, Betroffene von häuslicher Gewalt, Vergewaltigungen, nicht anerkannten Vaterschaften und anderen Gewaltformen sind. Deshalb gibt es die Beratungsstelle. Sie heißt „Djiguiyasso“, was so viel bedeutet wie „Hoffnung für die Hoffnungslosen“. Frauen, die keine Hoffnung mehr haben, die im Stich gelassen wurden, kommen in die Notunterkunft; wir hören ihnen zu, nehmen ihre Fälle auf und bieten ihnen die im Zentrum verfügbaren Dienste an – daher die ganzheitliche Betreuung. 

Denn wenn man von Gewalt betroffen ist und in einer Unterkunft Schutz sucht, muss man dort ernährt werden, man braucht medizinische und psychologische Unterstützung etc. All diese Aspekte zusammen bezeichnen wir als holistischen Ansatz, den wir in den Zentren und Unterkünften verfolgen.

Die APDF zählt etwa 30.000 Mitglieder. Das ist wirklich eine große Zahl. Wie organisiert ihr euch? Und wie viele dieser Mitglieder engagieren sich auch ehrenamtlich in der Arbeit vor Ort? Und wie ist es euch gelungen, im Laufe der 30-jährigen Geschichte der APDF so viele Mitglieder zu gewinnen?

Die APDF wurde 1991 gegründet. Als die APDF ins Leben gerufen wurde, gab es zu dieser Zeit im Land noch nicht viele Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Rechte der Frauen einsetzten. Unsere Gründerin ist daher ein großes Risiko eingegangen. Damals waren wir einer der ersten Vereine, die in die Regionen, in die Dörfer und Städte gingen, um über die Rechte der Frauen zu sprechen. Wir haben in fast allen Regionen APDF-Büros eingerichtet.

Diese Büros bestehen aus Mitgliedern. Wir haben also 30.000 Mitglieder, die der APDF angehören. Laut unserer Satzung sind dies Frauen. Aber angesichts der Arbeit, die die APDF leistet und die geschätzt wird, haben wir auch Männer, die uns unterstützen. Wir bezeichnen die Männer als Sympathisanten, als unsere Botschafter der Vision der APDF. Und jeden Tag kommen neue Mitglieder hinzu.

Und was genau bedeutet es, Mitglied zu sein?

Mitglied der APDF zu sein bedeutet, dieselben Visionen und Ziele zu teilen. Unsere Vision ist eine gerechte Welt ohne Gewalt, in der Frauen ihre Rechte in wirtschaftlicher, intellektueller, rechtlicher und bildungspolitischer Hinsicht – also in allen Bereichen – wahrnehmen können. Wenn man also dieselbe Vision teilt, kann man sich der APDF anschließen. Der Beitrag beträgt 500 Francs pro Jahr für den Erhalt eines Mitgliedsausweises. Männer können keine Vollmitglieder werden, sondern nur Sympathisanten.

“Fatoumata Siré Diakité (…) ist in der Erinnerung der gesamten zukünftigen Generation in Mali verewigt.”

Letzte Frage. Frau Fatoumata Siré-Diakité, die ehemalige Botschafterin Malis in Deutschland, Frauenrechtlerin und Gründerin der APDF, ist leider im Jahr 2016 verstorben, also vor nunmehr 10 Jahren. Wenn Sie heute die Gelegenheit hätten, noch einmal mit ihr zu sprechen, was würden Sie ihr über die Entwicklung der APDF, aber vielleicht auch über die Frauenrechte in Mali sagen wollen?

Das ist eine sehr gute Frage. Als Fatoumata Siré Diakité die APDF gründete, wurden die Rechte der Frauen im Land nicht gut wahrgenommen. Sie stand daher unter großem, großem Druck und wurde sogar angegriffen. Aber sie hatte die feste Überzeugung, dass Frauen ihre Rechte kennen, dass die Rechte der Frauen respektiert werden und dass Frauen emanzipiert und wirtschaftlich unabhängig sein müssen.

Ich gedenke ihr in aller Aufrichtigkeit und mit großem Respekt. Ich möchte die Dankbarkeit nicht nur seitens der APDF, sondern aller Frauenorganisationen Malis und der Familien zum Ausdruck bringen, denen sie ihr ganzes Leben lang geholfen hat, ein neues Leben aufzubauen. Mögen ihre Werke weiterleben. Solange es die APDF gibt, werden Frauen Gehör finden, beraten, angeleitet, begleitet und betreut werden, so wie sie es getan hat. Ich will damit sagen, dass ihr Engagement das gesamte Team der APDF, die Aktivistinnen, die jungen Generationen und all jene, die sich täglich für eine gerechte und gleichberechtigte Gesellschaft einsetzen, nach wie vor inspiriert.

Ihr Name bleibt also in unserer Erinnerung und in der Erinnerung der gesamten zukünftigen Generation in Mali verewigt. Wenn man von Frauenrechten in Mali spricht, dann denkt man an Fatoumata Siré Diakité. Ich würde mich freuen, ihr mitteilen zu können, dass ihr Kampf dazu beigetragen hat, Mentalitäten zu verändern. Heute werden geschlechtsspezifische Gewalt, weibliche Genitalverstümmelung und Kinderheirat zunehmend als Menschenrechtsverletzungen anerkannt. Frauen erheben immer öfter ihre Stimme, organisieren sich und fordern ihre Rechte ein.

Aber es bleibt dennoch fragil. Ich würde ihr auch ganz aufrichtig sagen, dass der Weg noch lang ist. Und dass alle Frauen und Mädchen weiterhin Gewalt, Diskriminierung und Ungerechtigkeiten ausgesetzt sind. Aber sei dir sicher: Dein Kampf ist mit dir nicht zu Ende gegangen. Er lebt weiter in jeder unserer Handlungen, in jeder Frau, die wir begleiten, in jedem jungen Mädchen, das zur Schule gehen kann, in jeder Überlebenden, die ihre Würde zurückgewinnt, und in jeder Gemeinschaft, die sich dafür entscheidet, die Rechte der Frauen zu schützen. Deine Vision leitet uns weiterhin. Und wir tragen diese Verantwortung weiterhin mit Stolz.

Ruhe in Frieden.


TERRE DES FEMMES bedankt sich herzlich bei Aminata Diakité Koné für ihren Besuch. Ihre Bereitschaft, mit gleichermaßen Klarheit und Sensibilität über ihre Arbeit und die Lage in Mali zu sprechen, hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

 

Erfahren Sie mehr über die Zusammenarbeit von APDF und TERRE DES FEMMES hier!

Hier geht es zur Website von APDF

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Eindrücke des Besuches von Aminata Diakité Koné

  • APDF-Programmleiterin Aminata Diakité Koné besuchte die TDF-Geschäftsstelle in Berlin
  • Im gemeinsamen Austausch: Aminata Koné stellt in einer Präsentation die Arbeit der APDF vor
  • Ein Geschenk au Mali: Aminata Koné wickelt TDF-Geschäftsführerin Politik und Themen Gesa Birkmann ein malisches Kopftuch zurecht
  • Aminata Koné und Gesa Birkmann
  • Von links: Susanna Keim (Referat IZ), Gesa Birkmann, Aminata Koné, Birgitta Hahn (Referat Z) - mit Kleidung aus Mali beschenkt
  • Infomaterial der APDF, deutsche Version
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