Dritter Frauenkreis und Workshop im Modellprojekt „Mit Sicherheit Teilhabe: Frauen stärken – Zukunft gestalten“
Mitte April 2026 fand ein weiterer Frauenkreis mit begleitendem Sensibilisierungsworkshop im Modellprojekt „Mit Sicherheit Teilhabe: Frauen stärken – Zukunft gestalten“ statt. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Teilhabe beginnt im sicheren Raum
In einer Berliner Geflüchtetenunterkunft wurde erneut ein geschützter Raum von Frauen für Frauen geschaffen. Dank der Begleitung durch qualifizierte Sprachmittlerinnen und vorhandener Kinderbetreuung erhielten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich zu informieren, auszutauschen und sich gegenseitig zu bestärken. Dabei stand im Mittelpunkt, Wissen über Rechte und Unterstützungsangebote zu vermitteln sowie die aktive Teilhabe der Frauen zu stärken. Eine respektvolle und unterstützende Atmosphäre förderte Offenheit und trug dazu bei, Vertrauen unter den Frauen aufzubauen.
‚Mein Weg gehört nur mir‘ – Einstieg über Emotionskarten
Der Einstieg in die Veranstaltung erfolgte erneut über Emotionskarten, die unterschiedliche Gefühle und Wünsche symbolisieren. Die Teilnehmerinnen hatten Zeit, sich in Ruhe mit den Karten auseinanderzusetzen und eine auszuwählen, die sie persönlich besonders ansprach. Daraus entwickelte sich ein lebendiger Austausch. Dabei stand stets im Vordergrund, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem jede Frau selbst entscheiden konnte, ob und wie viel sie teilen möchte.
In den Gesprächen zeigte sich häufig der Wunsch nach einem eigenen Zuhause – verbunden mit Vorstellungen von Garten, Pflanzen und Tieren. Eine junge Teilnehmerin zeigte eine Karte mit einer Uhr in die Runde und sagte, dass die Zeit zwar schnell rennen würde, sie aber wisse und sich selbst versprochen habe, dass sie alles, wovon sie träume, wahr machen wird. Andere Frauen sprachen über das anhaltende Gefühl der Flucht oder äußerten den Wunsch nach einem friedlichen und glücklichen Familienleben. Die Abbildung eines Weges verdeutlichte für eine Frau, dass sie einen eigenen Weg habe. Sie weiß zwar momentan nicht, wohin dieser führen wird, sie ist sich allerdings sicher, dass sie einen Weg hat und dieser ihr gehört. „Hübsch wie der Frühling“ fühle sie sich heute, sagte eine Teilnehmerin und hält eine Karte hoch, die eine Frau mit Blumenschmuck zeigt. Die Emotionskarten unterstützten die Frauen dabei, Gefühle, Hoffnungen und Wünsche, aber auch Unsicherheiten und belastende Erfahrungen zu verbalisieren.
Wenn Frauen für sich selbst gestalten: Teilhabe und Selbstfürsorge stärken
Bereits im vorherigen Treffen hatten sich die Teilnehmerinnen demokratisch dafür entschieden, beim dritten Frauenkreis Schmuck selbst zu herzustellen. Diese Teilhabe an Entscheidungsprozessen ist elementar für das Modellprojekt und ermöglicht es den Frauen, sich als aktive Mitgestalterinnen zu erleben. Gleichzeitig wurde initiativ der Wunsch geäußert, Schmuck primär für sich selbst und nicht ausschließlich für ihre Kinder anzufertigen. Dieser Impuls unterstreicht die Bedeutung von Selbstfürsorge und zeigt, wie wichtig Räume sind, in denen Frauen ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und stärken können.
Das eigenständige Gestalten von Schmuck fand großen Anklang. Im kreativen Prozess mit den eigenen Händen etwas Bleibendes zu schaffen, stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit und ist ein wesentlicher Bestandteil von Empowerment. Die freie Gestaltung des Schmucks förderte zudem die individuelle Ausdruckskraft und Autonomie der Frauen. Gleichzeitig bietet die gemeinsame kreative Aktivität Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung – auch über sprachliche Barrieren hinweg. In einer wertschätzenden Atmosphäre konnten so Vertrauen, Verbundenheit und Gemeinschaft entstehen.
Austausch, Aufklärung und Gewaltschutz
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Treffens war die erneute Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gegen Frauen. Als globales Problem betrifft Gewalt Frauen aller gesellschaftlichen Gruppe. Wobei Frauen mit Fluchterfahrungen häufig besonderen strukturellen Herausforderungen ausgesetzt sind, beispielsweise aufgrund unsicherer Aufenthaltsbedingungen, fehlender Beratungsangebote und eingeschränkten Zugangs zu Bildung. Die Aufklärung über den Schutz vor Gewalt sowie das Vermitteln ihrer Rechte und Beratungsmöglichkeiten sind daher entscheidend. Im geschützten Rahmen wurden unterschiedliche Gewaltformen sowie Möglichkeiten des Schutzes thematisiert und Wissen vermittelt. Es wurde zudem Raum geschaffen, um eigene Erfahrungen zu teilen und offen über die Herausforderungen des Zusammenlebens in einer Gemeinschaftsunterkunft zu sprechen.
Mehr Teilhabe und Mitgestaltung durch einen Frauenrat
Zentral für den dritten Frauenkreis war zudem die Vorstellung eines neuen Beteiligungsformats: die Idee eines Frauenrats. Bislang gibt es noch wenige Beispiele von BewohnerInnen-Räten. Dieses Konzept sieht vor, dass freiwillige Teilnehmerinnen als Bindeglied zwischen BewohnerInnen, SozialarbeiterInnen und Unterkunftsleitung fungieren. Sie sollen Informationen weitergeben sowie Anliegen und Bedarfe der BewohnerInnen kommunizieren. Der Wahlmodus und Aufgabenbereiche legen die Ratsmitfrauen selbst fest. Die Resonanz auf diesen Vorschlag war durchweg positiv. Einige Frauen äußerten Interesse, sich aktiv einzubringen, während andere die zusätzliche Ansprechstruktur begrüßten. Deutlich wurde dabei ein starkes Bedürfnis nach Mitbestimmung, Teilhabe und aktiver Zukunftsgestaltung.
Perspektiven und Wünsche zum weiteren Projektverlauf
Zum Abschluss wurde ein Ausblick auf die weiteren Projektaktivitäten gegeben. Neben dem Frauenrat wurde auch die Idee des Demokratie-Spaziergangs vorgestellt, bei dem TDF gemeinsam mit den Frauen die Bundestagskuppel und das Regierungsviertel besucht. Im Anschluss wird es Kaffee und Kuchen in der neuen Geschäftsstelle von TDF geben. Die Idee stieß bei allen Teilnehmerinnen auf große Begeisterung. Eine Frau betonte, wie gerne die Frauen Ausflüge außerhalb der Unterkunft machen würden, es aber zu kompliziert sei dies eigenständig zu organisieren.
Darüber hinaus wurde über das geplante Abschlussessen und die Abschlussfeier zum Projektende gesprochen. Fragen zur Uhrzeit und zu Essenswünschen wurden gemeinsam abgestimmt. Besonders deutlich wurde der Wunsch geäußert, die Feier mit Musik, Tanz und Gesang zu gestalten.