• 02.04.2026

Erfolgreicher Abschluss und Rückblick auf die Schulworkshops zu sexualisierter Gewalt in Deutschland und der Sahelzone

Mit dem, in Wolfsburg durchgeführten vierten und letzten Schulworkshop zum Thema sexualisierte Gewalt, endete der erste Teil des aktuellen durch das BMZ geförderten entwicklungspolitischen Bildungsprojekts. Seit Januar 2026 besuchte das Team des Referates Internationale Zusammenarbeit (IZ) Schulen in ganz Deutschland, um über Betroffenheit, Folgen, Handlungsmöglichkeiten und viele weitere Aspekte im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt in der Sahelzone und in Deutschland aufzuklären und mit SchülerInnen ins Gespräch zu kommen. Ganz konkret durfte das IZ-Team seinen Workshop an folgenden Schulen durchführen:

  • Musikalisch-Sportliches Gymnasium Leipzig (Sachsen)
  • Sekundarschule Wilmersdorf (Berlin)
  • Theodor-Heuss-Gymnasium Aalen (Baden-Württemberg)
  • Ratsgymnasium Wolfsburg (Niedersachsen)

Dabei fiel auf: Kein Workshop war wie der andere! Zwar wurden in allen Veranstaltungen dieselben umfassenden Inhalte vermittelt, je nach Schule rückten beim Austausch mit den SchülerInnen allerdings unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund: in Berlin wurde differenziert über Cybergewalt diskutiert, in Aalen war das Interesse an der Ja-heißt-Javs. Nein-heißt-Nein Thematik besonders groß, in Leipzig wurde viel zu den gesetzlichen Grundlagen gefragt und in Wolfsburg über die Effektivität von Handlungsmöglichkeiten in Deutschland debattiert.

Hier folgen im Schnelldurchlauf noch einmal die Highlights und Diskussionsschwerpunkte der jeweiligen Veranstaltungen:

Leipzig

Im ersten Schulworkshop wirkten neben Gesetzestexten insbesondere sexualisierte Gewalt in Kriegszeiten als Mittel der Kriegsführung eindrücklich auf die SchülerInnen. Sie zeigten sich erschüttert über das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen – nicht nur im Kontext des Ukrainekriegs, sondern auch in Burkina Faso. Darüber hinaus wurden auch Fälle sexualisierter Gewalt außerhalb von Krieg thematisiert: So bewegte etwa der international bekannt gewordene Fall von Jyoti Singh die TeilnehmerInnen sichtlich. Die junge Frau aus Indien erlitt 2012 eine besonders brutale Gruppenvergewaltigung und starb an den Folgen. Ihr Fall stieß bei den ZehntklässlerInnen eine kritische, faktenbasierte Auseinandersetzung mit Vergewaltigungsmythen an.

Dies spiegelte sich auch im Gallery Walk in Form von zahlreichen Beiträgen und Fragen, insbesondere zum Thema Falschbeschuldigungen, wider.

Als sehr besonders wurde der Live-Videocall mit Rakieta Poyga von der TDF-Partnerorganisation ABN in Burkina Faso wahrgenommen. Dieses Bild zog sich auch durch die weiteren Workshops: An jeder Schule wurde der Austausch mit Raki im Feedback als prägender Moment hervorgehoben.

Berlin

Auch in Berlin zeigten sich die SchülerInnen aufmerksam und ausgesprochen diskussionsfreudig. Eine intensive Kontroverse entstand rund um die Frage, wo die Grenzen der Kunstfreiheit verlaufen, wenn zum Beispiel Hate Speech, frauenfeindliche Beleidigungen und verbale sexualisierte Gewalt in Songtexten auftreten. Angestoßen wurde diese Diskussion sowohl durch die Unhate-Women-Kampagne von TDF, als auch durch polarisierende Texte der Rapperin Ikkimel.

Ein weiteres aufwühlendes und heiß diskutiertes Thema für die BerlinerInnen war Cybergewalt. Neben ihren Meinungen zu dem Thema haben einige SchülerInnen auch eigene Erfahrungen geteilt. Vielen wurde bewusst, dass das Spektrum und Ausmaß an Cybergewalt weitaus größer sind, als sie anfangs dachten. Das Phänomen ist vielfältig und weitreichend und umfasst nicht nur Beleidigungen in Kommentaren auf Social Media, sondern auch Deepfakes, die einen wesentlichen Teil dieser Gewalt ausmachen.

Darüber hinaus wurde der Blick auch auf das Strafmaß für Vergewaltigung in Deutschland gelegt. Insbesondere die Jungen der zehnten Klasse sprachen sich deutlich für strengere Strafen aus und reflektierten zugleich die Schwierigkeiten, entsprechende Taten eindeutig nachzuweisen.

Aalen

In Aalen fiel besonders auf, dass sich viele SchülerInnen bereits im Vorfeld, teils auch im Unterricht, mit dem Thema sexualisierte Gewalt auseinandergesetzt hatten und sogar Vorkenntnisse zu weiblicher Genitalverstümmelung hatten (engl. Female Genital Mutilation – FGM), die im Austausch mit Rakieta Poyga aus Burkina Faso zur Sprache kamen. Dieses Vorwissen spiegelte sich auch in den differenzierten und bedachten Redebeiträgen wider.

Das Interesse der ZehntklässlerInnen galt insbesondere den Einzelschicksalen von Betroffenen aus Burkina Faso und der Ukraine, die im Betroffenheitsparcours sowie im Gespräch mit Raki thematisiert wurden. Die SchülerInnen waren begeistert von der Möglichkeit, mit Raki sprechen zu können und all ihre Fragen loszuwerden.

Am Ende des Workshops war deutlich erkennbar, dass das Bewusstsein für die Thematik weiter geschärft wurde. Die TeilnehmerInnen betonten nicht nur, wie wichtig es sei, sexualisierte Gewalt zu enttabuisieren, sondern nahmen sich auch vor, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, um der Rape Culture entgegenzuwirken.

Wolfsburg

Ähnlich wie in Leipzig regte der Gallery Walk auch in Wolfsburg zu emotionalen Diskussionen an. In Wolfsburg stand allerdings – anders als in Leipzig – nicht das Thema der Falschbeschuldigungen im Mittelpunkt. Stattdessen drehte sich die Diskussion um die bewusst provokant formulierte Aussage „Sie ist selbst schuld, dass ihr so etwas passiert, da sie an dem Abend total betrunken war.“, zu der die SchülerInnen ihre Gedanken auf einem Flipchart teilen sollten. Hier haben Jungen wie Mädchen Position bezogen: Ein betrunkener Zustand rechtfertigt niemals sexualisierte Gewalt. Die Verantwortung liegt immer beim Täter. Daraus entstand auch die klare Haltung, dass es nicht in Ordnung ist, von Mädchen und Frauen zu erwarten, dass sie ihr Verhalten aus Angst vor Vergewaltigung einschränken.

Großen Gesprächsbedarf gab es zudem zu den Handlungsmöglichkeiten für Betroffene in Deutschland. Nachdem sie im Plenum mögliche nächste Schritte sammelten, wurde den SchülerInnen anschließend eine umfangreiche Liste an Handlungsmöglichkeiten präsentiert. Während diese in anderen Schulen meist ohne größere Diskussion aufgenommen wurden, entwickelte sich in Wolfsburg ein intensiver Austausch darüber, welche Schritte sinnvoll und wirksam sein können. Am Ende ist dies jedoch immer von der individuellen Situation abhängig und schwierig im Allgemeinen zu benennen.

Das starke Engagement und Interesse zeigten sich auch über den Workshop hinaus: Eine Schülerin wandte sich im Anschluss an das TDF-Team, um die Materialien im Schülerrat weiterzuverwenden und das Thema dort aktiv einzubringen.

Was all die Veranstaltungen verbindet?

Überall war spürbar, wie ernst die SchülerInnen dieses wichtige Thema nehmen. Die Bereitschaft, den eigenen Umgang zu hinterfragen und aktiv gegen Rape Culture in der Gesellschaft vorzugehen, ist deutlich gewachsen.

Für das TDF-Team ist dies nicht nur ermutigend, sondern auch ein klares Zeichen, solche Bildungsangebote fortzuführen und weiterhin möglichst viele junge Menschen zu erreichen.

Im Anschluss an die erfolgreichen Schulworkshops beginnt nun der zweite Teil des Bildungsprojekts: Die TeilnehmerInnen setzen die vielfältigen Impulse kreativ um und gestalten eigene Kunstwerke. Eine Auswahl dieser Arbeiten wird im Winter 2026 im Rahmen einer Vernissage in Berlin präsentiert und ist anschließend Teil der bundesweiten Wanderausstellung.

Darüber hinaus werden auch die übrigen Werke sichtbar gemacht: Über QR-Codes können sie innerhalb der Ausstellung digital entdeckt werden und ergänzen gemeinsam mit Foto- und Videomaterial aus der Sahelzone die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema sexualisierte Gewalt.

Wir sind gespannt auf die Kunstwerke der SchülerInnen und blicken der Vernissage mit großer Vorfreude entgegen!

nach oben
Jetzt spenden