„Wenn du es überlebt hast, musst du die Geschichten erzählen“ – Kinopremiere von ROYA
Berlin, 29.04.2026 – In Kooperation mit dem Filmverleih little dream pictures sowie Amnesty International Berlin und Seebrücke Berlin zeigte TERRE DES FEMMES ROYA als Premiere im Passage Kino in Neukölln. Ab dem 7. Mai 2026 läuft das Drama offiziell in den Kinos.
ROYA ist eine iranische Lehrerin, die wegen ihrer politischen Überzeugungen im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert ist und eine Entscheidung treffen muss: im Fernsehen öffentlich ein erzwungenes Geständnis ablegen oder in ihrer Drei-Quadratmeter-Zelle eingesperrt bleiben.
In düsteren Bildern und beeindruckenden Licht- und Soundeffekten zeichnet der Film die Realität von hunderten inhaftierten Lehrkräften. Die menschenverachtenden Praktiken der Mullahs, die seit der Islamischen Revolution 1979 an der Macht sind, nutzen verschiedene Foltermethoden, um Protestierende gezielt zu brechen.
Eindringliche Grußworte der AktivistInnen
Vor dem Film richteten die KooperationspartnerInnen eindringliche Worte an das Publikum im nahezu ausgebuchten Kinosaal. Amnesty International berichtete von den Massakern im Januar 2026 und den tausendfachen politischen Gefangenen in iranischen Gefängnissen. Öffentlichkeit, zum Beispiel durch Petitionen, hilft diesen Menschen, und einige Hinrichtungen konnten verhindert werden. Die Seebrücke Berlin appellierte für eine menschenrechtsorientierte und antirassistische Grenz- und Migrationspolitik. TERRE DES FEMMES lieferte Beispiele, wie Schule als Raum der Repression und Überwachung vom Unrechtsregime genutzt wird.
Von November 2022 bis Frühsommer 2023 haben die Angriffe auf Mädchenschulen im Iran stark zugenommen, wobei mehr als 300 separate Angriffe auf über 100 Schulen gemeldet wurden. Über 7.000 SchülerInnen sollen davon betroffen gewesen sein. Täterinnen und Täter wurden nie identifiziert, obgleich es dem Regime gelingt, mit modernster Überwachungstechnik und Gesichtserkennung Mädchen und Frauen ohne Hijab in Autos und an öffentlichen Plätzen zu identifizieren.
Das Bildungsministerium und die Polizeibehörde haben im April 2025 eine Absichtserklärung unterzeichnet, die eine noch stärkere Kontrolle über Lehrkräfte und die Schülerschaft vorsieht. Ahmad-Reza Radan, Chef der Polizeibehörde, ist wegen schwerer Menschenrechtsverbrechen u. a. auf der EU-Sanktionsliste. Die Lage verschärft sich politisch immer weiter.
Überleben in Dunkelheit
Im Anschluss fand ein emotionales und aufschlussreiches Filmgespräch mit Mahnaz Mohammadi (Regisseurin), Farzad Pak (Produzent) und Maryam Palizban (Schauspielerin) statt, moderiert von Patrick Heidmann.
Mohammadi berichtete, dass sie selbst wegen ihrer Arbeit im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert war. Einige ihrer Freundinnen sind aktuell im Gefängnis. Eindrücklich schilderte sie: Wer dieses System überlebt hat, muss die Geschichten erzählen. Träume helfen dabei zu überleben, auch wenn alles in Dunkelheit liegt. Farzad Pak erinnerte an die zahlreichen Hinrichtungen im Iran. Aktuell werden bereits Protestierende der FRAU LEBEN FREIHEIT Bewegung hingerichtet, die sich an den landesweiten Protesten Anfang Januar 2026 beteiligt haben. Die Todesurteile sind willkürlich und oftmals unter schwerer Folter entstanden.
Stimmen aus dem Publikum
Besonders bewegend war der Beitrag einer Zuschauerin, die sich nach dem Film zu Wort meldete. Sichtlich gerührt schilderte sie, dass der Film sie innerlich sehr aufwühlte. Die Licht- und Soundeffekte weckten in ihr das permanente Gefühl der Angst und des „Überlebensmodus“ im eigenen Körper.
ROYA ist ein sehr eindrücklicher Film. Die 92 Minuten sind teilweise als ZuschauerIn nur schwer zu ertragen. Damit gelingt dem Drama ein beindruckender Einblick und das menschen- und frauenverachtende System der Islamisten. Der Einsatz für grundlegende Rechte wie Selbstbestimmung und Gleichberechtigung bedeutet im Iran Folter und Inhaftierung. Wegsehen ist keine Option – es braucht jetzt entschlossene politische Maßnahmen, die Schutz bieten, Täter zur Rechenschaft ziehen und die Stimmen der Betroffenen stärken.
Bitte werden auch Sie aktiv:
Schaffen Sie Öffentlichkeit (wenn Sie können, ohne FreundInnen und Familie im Iran zu gefährden):
- Unterschreiben und teilen Sie Petitionen und Kampagnen
- Spenden Sie
- verbreiten Sie auf social Media Beiträge von Frauenrechtsorganisationen und AktivistInnen
- nehmen Sie an Mahnwachen und Demonstartionen teil
- Spenden Sie mit „Snowflake“ Datenvolumen, damit die staatliche Internetspeere im Iran umgangen werden kann
Mehr zu unserer Arbeit:
- Factsheet Iran: Jin Jiyan Azadî! Das Unrechtsregime Islamische Republik Iran. Zahlen, Fakten, Daten (März 2026)
- Offener Brief: Setzen Sie ein unmissverständliches Signal zur Unterstützung der Menschen in Iran und weisen Sie den iranischen Botschafter aus! (04.02.2026)
- Filmfestival Frauenwelten 2026 zu „Cutting trough Rocks“ - „Wenn du jeden Tag ein kleines Stück des Berges abträgst, hast du am Ende einen freien Weg“
- Freiheit oder Widerstand im Gefängnis? – Kinokooperation zum Filmstart von Sieben Tage
- Freiheit im Herzen - Lasst es uns eilig haben, menschlich zu sein – Debütfilm von Roxana Samadi
- „Wir müssen laut sein und kritisieren!“ - Filmvorführung: „Mina – Der Preis der Freiheit“
- Sondervorstellung des Films 7 WINTER IN TEHERAN und anschließende Podiumsdiskussion – Das kurze, mutige Leben von Reyhaneh Jabbari