• 04.08.2026

Mali: Schutz und eröffnete Perspektiven für Frauen in Krisenzeiten

Ausbildung der Frauen im Bereich der Schneiderei | © TERRE DES FEMMES

Update zur gemeinsamen Arbeit von APDF und TERRE DES FEMMES im ersten Halbjahr 2026

Die Sicherheits- und Menschenrechtslage in Mali bleibt für Frauen und Mädchen äußerst besorgniserregend. Anhaltende bewaffnete Konflikte, Vertreibungen und die Verschlechterung der humanitären Lage erhöhen das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt erheblich. Mehr als 415.000 Menschen sind derzeit innerhalb des Landes auf der Flucht – rund 88 Prozent davon sind Frauen und Kinder.

Allen Hindernissen zum Trotz: Die Arbeit der APDF geht weiter

Gemeinsam mit der malischen Partnerorganisation Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes (APDF) unterstützt TERRE DES FEMMES deshalb seit vielen Jahren Frauen und Mädchen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind. APDF betreibt Gewaltschutzzentren in Bamako und Gao, bietet Überlebenden medizinische, psychosoziale und rechtliche Unterstützung und stärkt durch Präventionsarbeit in den Gemeinden den Schutz von Frauen und Mädchen. Die Region Gao ist dabei eines der Konfliktzentren des Landes, wo wiederkehrende Angriffe bewaffneter Gruppen und ein eingeschränkter humanitärer Zugang den Schutz und die Unterstützung für Betroffene massiv erschweren. Doch auch Bamako ist zunehmend von den Auswirkungen des Konflikts betroffen. Die Hauptstadt nimmt viele Binnenvertriebene auf, wodurch der Druck auf soziale und gesundheitliche Einrichtungen weiter steigt. Gleichzeitig verschärfte sich die Sicherheitslage im Frühjahr 2026 deutlich: Bei den schwersten koordinierten Angriffen seit Jahren wurden im Frühjahr 2026 auch Ziele um Bamako angegriffen. Zudem kam der malische Verteidigungsminister bei einem Selbstmordanschlag ums Leben. Diese Ereignisse zeigen, wie stark der Gewaltkonflikt ganz Mali erschüttert.

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen konnte die APDF auch im ersten Halbjahr 2026 ihre wichtige Arbeit erfolgreich fortführen. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2026 wurden in den beiden APDF-Schutzzentren in Bamako und Gao insgesamt 52 Frauen und Mädchen aufgenommen, beraten und bei Bedarf an geeignete weiterführende Unterstützungsangebote weitergeleitet. Alle aufgenommenen Frauen und Mädchen erhielten psychosoziale Unterstützung durch qualifizierte Fachkräfte. Die dokumentierten Fälle betrafen unter anderem sexualisierte Übergriffe, Vergewaltigungen, häusliche Gewalt, Kinderheirat, weibliche Genitalverstümmelung sowie wirtschaftliche Gewalt. 20 Betroffene erhielten zusätzlich eine sichere vorübergehende Unterkunft in den Schutzzentren. Dort wurden sie nicht nur versorgt, sondern auch über ihre Rechte informiert, im Umgang mit den Folgen geschlechtsspezifischer Gewalt begleitet und bei eventuellen rechtlichen Schritten unterstützt.

Sensibilisierung der Bevölkerung und wirtschaftliches Empowerment

Neben der direkten Unterstützung engagiert sich APDF auch in der Präventionsarbeit und fördert den gesellschaftlichen Dialog. Im ersten Halbjahr fanden zwei intergenerationelle Dialogveranstaltungen in Bamako und Gao mit insgesamt 80 Teilnehmenden statt. Frauen, Männer, Mädchen und Jungen diskutierten gemeinsam über geschlechtsspezifische Gewalt, Kinderheirat, weibliche Genitalverstümmelung, Frauenrechte allgemein sowie die Rolle von Männern und Jungen bei der Gewaltprävention. Die Veranstaltungen stärkten das Bewusstsein innerhalb der Gemeinden und förderten den offenen Austausch über bestehende Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze.

Intergenerationelle Dialogveranstaltung in Bamako | © APDF

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von APDF ist die wirtschaftliche Stärkung von Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt. Im ersten Halbjahr 2026 unterstützte die Organisation 20 Frauen und Mädchen bei der beruflichen Qualifizierung. Zehn Teilnehmerinnen absolvierten eine Ausbildung im Bereich der Schneiderei, weitere zehn im Perlenhandwerk. Ergänzend zu den fachlichen Kenntnissen vermittelten die Trainings Inhalte zu Frauenrechten, Selbstbewusstsein, Empowerment und einfacher Unternehmensführung. Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass diese Einkommensmöglichkeiten wesentlich dazu beitragen können, die wirtschaftliche Abhängigkeit zu reduzieren und Frauen langfristig besser vor Gewalt zu schützen.

Die Arbeit der APDF bleibt jedoch herausfordernd. Die anhaltende Unsicherheit, die schwierige Lage insbesondere in Gao sowie die Auswirkungen der jüngsten Sicherheitsverschärfungen erschweren sowohl den Zugang der Frauen zu Unterstützungsangeboten als auch die Arbeit der Mitarbeiterinnen vor Ort. Hinzu kommen begrenzte finanzielle Ressourcen und eingeschränkte humanitäre Zugänge. Dennoch setzt APDF ihre Arbeit gemeinsam mit lokalen Behörden, Gesundheitseinrichtungen und Sicherheitskräften fort, um Frauen und Mädchen auch unter schwierigen Bedingungen wirksam zu unterstützen.

Gemeinsam werden APDF und TERRE DES FEMMES auch in der zweiten Jahreshälfte 2026 dafür eintreten, Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen, Präventionsarbeit auszubauen und Frauen und Mädchen neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.

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