• 03.06.2026

Pressemitteilung | Damit es nicht wirklich der letzte Schultag war - fünf Jahre Aufklärungsarbeit zum Thema Zwangsheirat

Berlin, 03.06.2026. Bereits zum fünften Mal findet vom 08. bis 11. Juni die sogenannte „Weiße Woche“ statt: TERRE DES FEMMES geht gemeinsam mit der Berliner Polizei in Schulen, um SchülerInnen und Lehrpersonal zum Thema Zwangsheirat zu sensibilisieren. In diesem Jahr sind Schulen aus den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Marzahn-Hellersdorf dabei. 

Denn besonders in den Sommerferien werden Mädchen verschleppt und im Herkunftsland der Familie zwangsverheiratet. Laut einer Umfrage des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung war in über 80% der 496 Fälle aus 2022 die Hochzeit gegen den eigenen Willen im Ausland geplant oder fand dort statt. Das heißt: 

Nach den Ferien könnte der Stuhl im Klassenraum leer bleiben. Ist ein Mädchen erst einmal im Ausland, ist es sehr schwer, sie wieder nach Deutschland zu holen.

Myria Böhmecke, Referatsleiterin „Gewalt im Namen der Ehre“ bei TERRE DES FEMMES, sagt dazu:

„Viele Mädchen haben im Vorfeld eine Ahnung, möchten das Risiko aber nicht wahrhaben und fliegen mit. Sie hoffen, vor Ort vielleicht noch ‚nein‘ sagen oder im Gefahrenfall schnell ‚gerettet‘ werden zu können, doch die Realität sieht oft leider anders aus.“

Fünf Jahre „Weiße Woche“ – eine Bilanz

In den letzten vier Jahren hat TDF in der „Weißen Woche“ insgesamt rund 3200 Jugendliche und junge Erwachsene erreicht - in 110 Klassen-Workshops wurden sie sensibilisiert und Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt, und an einem Stand in der jeweiligen Schule konnten sich viele weitere SchülerInnen informieren.

„Wichtiger Bestandteil der Schulsozialarbeit“

Katrin D. ist Schulsozialarbeiterin aus Berlin, „ihre“ Schule beteiligt sich seit Jahren bei der „Weißen Woche“. Ihr Fazit: Die Weiße Woche ist ein wichtiger Bestandteil unserer feministischen präventiven Schulsozialarbeit. (…) Besonders wertvoll ist für mich die Zusammenarbeit mit Terre des Femmes, weil die Angebote sehr flexibel gestaltet sind, je nach Bedarf der Schüler*innen und niedrigschwellig zugänglich sind. Auch die Kombination mit der Polizei erlebe ich als sehr gelungen, weil (…) es den Jugendlichen ermöglicht, die Polizei in einem offenen und unterstützenden Kontext kennenzulernen. (…) Insgesamt stärkt die Weiße Woche junge Menschen darin, ihre eigenen Lebenswege selbstbestimmt zu gestalten und Unterstützungsmöglichkeiten zu kennen."

Katrin D. berichtet, dass viele Jugendliche in den Workshops zunächst überrascht seien, dass Zwangs- und Frühehen auch heute noch Realität sind, und dabei erstmals erfahrenwelche Rechte sie überhaupt haben. Sie hebt hervor, dass das Thema nicht nur bei den Mädchen auf Interesse stößt, sondern auch Jungen sich für das Thema interessieren und positive Rückmeldungen geben.

Frühe Beratung ist besser als Rettung in letzter Sekunde 

Damit der letzte Schultag vor den Sommerferien für viele Mädchen nicht erzwungenermaßen der wirklich letzte Schultag ist, ist es wichtig, dass überall dort ein Bewusstsein für das Thema vorhanden ist, wo Mädchen sich aufhalten. Neben der Schule ist der Flughafen oft die letzte Chance für Betroffene, um sich Hilfe zu holen. Myria Böhmecke sagt: „Mädchen und Frauen in Gefahrensituationen müssen wissen, dass die Sicherheitskräfte am Flughafen auch bei Verschleppung und (drohender) Gewalt allgemein helfen können. Dennoch betonen wir, dass junge Frauen sich nach Möglichkeit so früh wie möglich beraten lassen und nicht alles auf den letzten Moment setzen sollten. Denn schlimmstenfalls verlässt einen in einer derartigen Anspannung dann der Mut.“

Flughafenpersonal muss Gefahr erkennen können und handlungsfähig sein

Mitarbeitende bei Flughafenpolizei, Gepäckkontrolle und Check-in müssen aufmerksam sein, und sensibel und informiert reagieren können, wenn ein Mädchen Hilfe braucht. Dafür plant TERRE DES FEMMES Schulungenanzubieten, mit dem BER gab es bereits erste Gespräche dazu. Es ist aber unerlässlich, dass auch von staatlicher Seite Geld für solche Fortbildungen sowie weitere Präventionsmaßnahmen bereitgestellt wird. Myria Böhmeckeerklärt: „Wenn ein Mädchen oder eine junge Frau während der Check-ins zum Beispiel das Hilfe-Handzeichen macht, haben die Mitarbeitenden die Möglichkeit zu helfen. Sie müssen dafür aber nicht nur das Zeichen kennen, sondern auch wissen, was dann zu tun ist.


Webseite mit Hilfsangeboten

Auf der von TERRE DES FEMMES erstellten Seite zwangsheirat.de finden sich wichtige Hilfsmöglichkeiten und Anlaufstellen für Betroffene sowie nützliche Informationen für Menschen, die sich um ein Mädchen oder eine junge Frau Sorgen machen.

Alles über die „Weiße Woche“

Video „Der letzte Schultag“ (YouTube)

Forderungen von TERRE DES FEMMES zum Thema Zwangsheirat

 

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