• :  28.09.2026

Pressestatement zum Safe Abortion Day 2026 | „Deutschland steckt beim Thema Schwangerschaftsabbruch noch im Kaiserreich fest“

Berlin, 28.09.2026. „In Frankreich und Luxemburg ist das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung verankert, in den Niederlanden ist er bis zur 24. Woche legal und in Norwegen und Dänemark bis zur 18. Woche.
Deutschland hingegen steckt bei dem Thema noch im Kaiserreich fest. Seit 1871 ist ein Schwangerschaftsabbruch hierzulande erst einmal grundsätzlich eine Straftat und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. Statt den §218 endlich aus dem StGB zu streichen, werden Frauen nach wie vor für einen Schwangerschaftsabbruch kriminalisiert und stigmatisiert – und ÄrztInnen ebenso. Im Medizinstudium wird der Abbruch nicht überall ausreichend und praxisnah vermittelt, die Versorgung für ungewollt Schwangere wird schlechter.“, sagt Sina Tonk, Bereichsleiterin Referate bei TERRE DES FEMMES.

„Stillstand ist schlimm genug – es droht sogar noch weiterer Backlash, seit die AfD immer mehr an Einfluss gewinnt. Die AfD Sachsen-Anhalt plant in ihrem Wahlprogramm, dass im Rahmen der Schwangerenkonfliktberatung (die vor einem Abbruch verpflichtend ist) die Frauen zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung des Embryos über sich ergehen lassen sollen. Damit würde die Stigmatisierung und die ohnehin häufig starke psychische Belastung von Frauen enorm verschärft.
Hinter einem solchen Vorhaben zeigt sich ein Frauenbild, das Mutterschaft als Pflicht ansieht, und Frauen als unmündig, eigene Entscheidungen zu treffen. 

TERRE DES FEMMES, viele weitere Organisationen, ÄrztInnen und eine Mehrheit der Bevölkerung sagen schon lange: Schwangerschaftsabbrüche müssen auch endlich in Deutschland legal sein – Frauen haben ein Recht darauf frei zu entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft austragen wollen oder nicht. Es liegt jetzt an der Bundesregierung, den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen für Frauen in Deutschland auch in Zukunft sicherzustellen.“


Weiterführende Links
 

Stellungnahme von TERRE DES FEMMES zur Verschärfung der Versorgungskrise bei Schwangerschaftsabbrüchen durch kirchliche Träger

„Gewollt schwer erreichbar? Wie §218 den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch erschwert“

„Mehr als nur eine Schlagzeile: Die Realität unbemerkter Schwangerschaften“ 

„Die katholische Kirche will durch Verbote für ÄrztInnen Kontrolle über ungewollt Schwangere ausüben – das darf der Staat nicht hinnehmen“

„Eine historische Chance vertan“ – Union und FDP haben eine Abstimmung zur Streichung von §218 aus dem StGB blockiert

Hintergrundseite „Schwangerschaftsabbruch – Schwangerschaftsabbrüche müssen entkriminalisiert werden“

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