• 05.08.2026

Projektupdate Indien: Juli 2025 – Juni 2026

BHUMIKA klärt über Frauenrechtssthemen und Hilfsangebote auf | © BHUMIKA

Stärkung von gewaltbetroffenen Frauen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben

Im Juli 2026 schockierte der Fall eines 11-jährigen Mädchens, das auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier entführt, gruppenvergewaltigt und ermordet wurde, die indische Öffentlichkeit. Derartige Fälle, die immer wieder Schlagzeilen machen, sind dabei die Spitze des Eisbergs, Gewalt gegen Frauen bleibt in Indien omnipräsent. Jeden Tag werden über 80 Vergewaltigungen bei der Polizei angezeigt, es muss von einer wesentlich höheren Dunkelziffer ausgegangen werden. Bestehende Gesetze zum Schutz von Frauen und Mädchen werden unzureichend umgesetzt: ein langsames Justizsystem, gesellschaftliche Stigmatisierung und tief verankerte patriarchale Strukturen erschweren es vielen Betroffenen, ihre Rechte einzufordern. 

BHUMIKA Women’s Collective: Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen

Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen und ihre Selbstbestimmung zu fördern ist das Ziel der indischen TDF-Partnerorganisation BHUMIKA Women’s Collective (kurz BHUMIKA). Bereits seit 2017 unterstützt TDF eine von BHUMIKA betriebene Beratungsstelle in der Stadt Karimnagar, die an die lokale Women’s Police Station angegliedert ist – eine Polizeistation, die gezielt zu Straftaten gegen Frauen arbeitet. Die Beratungsstelle bietet kostenlose psychologische und rechtliche Beratung und ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Frauen, die Gewalt erfahren haben.

Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 suchten 683 Betroffene Unterstützung bei der Beratungsstelle in Karimnagar, darunter 534 Frauen, die erstmals Kontakt zum zu BHUMIKA aufnahmen. Die große Mehrheit von ihnen hat häusliche Gewalt erfahren. Die Altersgruppen der Klientinnen reichten von jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren bis hin zu Frauen über 55 Jahren. Auch die Bildungsprofile waren vielfältig: von Frauen ohne jegliche Schulbildung bis zu Hochschulabsolventinnen. Diese Vielfalt zeigt, dass geschlechtsspezifische Gewalt Frauen unabhängig von Alter, Herkunft oder Bildungsstand betrifft. Eine zentrale Ursache sind weiterhin gesellschaftliche Vorstellungen, die durch patriarchale und frauenfeindliche Normen geprägt sind.

Arbeit in der Beratungsstelle | © BHUMIKA

In den individuellen Beratungsgesprächen liegt der Fokus darauf, Frauen zu stärken, ihre Rechte sichtbar zu machen und sie bei der Entwicklung eigener Zukunftsperspektiven zu begleiten. Wenn von den Frauen gewünscht, führt BHUMIKA auch Gespräche mit den Ehepartnern – in der großen Mehrheit der Fälle die Ausübenden der Gewalt – und weiteren Familienmitgliedern. Hier hilft die enge Zusammenarbeit mit der Polizeistation: In Absprache mit BHUMIKA schickt die Polizei verpflichtende Vorladungen an Beschuldigte, um sicherzugehen, dass diese auch wirklich zu Beratungssitzungen erscheinen. Ziel dieser Gespräche ist es, die Reflexion eigener Verhaltensweisen zu fördern, Gleichberechtigung zu thematisieren und gewaltfreie Kommunikations- und Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln. In vielen der betreuten Fällen spielten Alkohol- oder Online-Glücksspiel-Sucht eine große Rolle, hier vermittelte BHUMIKA wichtige Kontakte zu weiterführenden Hilfsangeboten wie Entzugskliniken.

Psychologische, rechtliche und wirtschaftliche Unterstützung auf dem Weg in ein Leben ohne Gewalt

Von Juli 2025 bis Juni 2026 wurden insgesamt 1.830 Beratungsgespräche durchgeführt. In vielen Fällen konnten durch die Beratung nachhaltige Verbesserungen erreicht werden, wobei BHUMIKA durch regelmäßige Follow-Up-Gespräche und Hausbesuche sicherstellte, dass diese Veränderungen Bestand hatten. Blieb die Verbesserung aus, wurden die Frauen bei den nächsten Schritten unterstützt, wie dem Einreichen der Scheidung oder einer polizeilichen Anzeige. Zudem half BHUMIKA besonders bedürftigen Frauen bei der Sicherung ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage, durch die Ausstattung mit Arbeitsmitteln wie Nähmaschinen. Diese Starthilfen ermöglichten es den Frauen, ein eigenes Einkommen für sich und ihre Kinder aufzubauen – ein wichtiger Schritt auf ihrem Weg aus der Gewalt, da finanzielle Abhängigkeiten oft eines der größten Hindernisse für Frauen darstellen, die sich aus gewaltvollen und toxischen Beziehungen lösen wollen. 

Der Fall von Ms. Shyamala zeigt die Bedeutung dieser Unterstützung. Zwölf Jahre lang war sie der physischen und emotionalen Gewalt ihres Mannes ausgesetzt, bis dieser sie und ihre beiden Töchter schließlich für eine andere Frau und ohne jegliche Existenzgrundlage zurückließ. In ihrer Verzweiflung wandte sie sich an die Beratungsstelle von BHUMIKA, wo die Beraterin ihr zunächst half, ihr Selbstbewusstsein zurückzugewinnen, bevor sie mit Unterstützung von BHUMIKA die Scheidung beantragte, eine Klage wegen häuslicher Gewalt einreichte und Unterhaltsansprüche stellte. Als im Zuge der Beratung klar wurde, dass Ms. Shyamala nähen und schneidern kann, wurde sie von BHUMIKA mit einer Nähmaschine ausgestattet. Heute verdient sie ein regelmäßiges Einkommen, indem sie Blusen und andere Kleidungsstücke für KundInnen in ihrer Nachbarschaft näht. 

Durch die Arbeit von BHUMIKA erhalten hunderte gewaltbetroffene Frauen erstmals Zugang zu Beratung, psychologischer Unterstützung und neuen Perspektiven. Tragen auch Sie mit Ihrer Spende dazu bei, Frauen in Indien auf dem Weg in ein Leben frei von Gewalt und mit eigener Entscheidungsfreiheit zu helfen!

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