Veranstaltungsreihe zu sexualisierter Gewalt in Deutschland, Mali und Burkina Faso erfolgreich eröffnet!
Der erste Workshop der bildungspolitischen Veranstaltungsreihe zu sexualisierter Gewalt des Referats Internationale Zusammenarbeit ist mit 40 SchülerInnen aus Leipzig vielversprechend gestartet! Zwei zehnte Klassen des Musikalisch-Sportlichen Gymnasiums Leipzig setzten sich gemeinsam mit ihren Lehrkräften und dem Team von TDF unter anderem mit den verschiedenen Formen, dem gesellschaftlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt sowie mit Handlungsmöglichkeiten für Betroffene auseinander. Dabei zeigten die SchülerInnen großes Engagement, Interesse und Reflexionsvermögen.
Inhalte des Workshops
Von konkreten Fallbeispielen und den Unterschieden zwischen den Situationen in Deutschland und der Sahelzone, über das Problem der „Rape Culture“ bis hin zu gesetzlichen Grundlagen – das Programm war vielfältig gestaltet und zeigte neben grundlegendem Wissen auch individuelle, reale Erfahrungen betroffener Mädchen und Frauen.
In einem Betroffenheitsparcours bestehend aus verschiedenen informativen Stationen, ging es um diverse Formen von sexualisierter Gewalt in Deutschland und weltweit. Dabei zeigten sich die SchülerInnen besonders betroffen bei der Station zu sexualisierter Gewalt im Kontext des Krieges in der Ukraine. Trotz der hohen medialen Aufmerksamkeit des russischen Angriffskriegs waren die Verbrechen und die Gewalt an den ukrainischen Frauen den meisten SchülerInnen bislang nicht bekannt. In einer anderen Station des Parcours ging es um den Vergewaltigungs- und Mordfall der indischen Studentin Jyoti Singh aus 2012 und inwiefern dieser Auswirkungen auf die heutige Situation für Frauen in Indien hat. Die ZehntklässlerInnen setzten sich jedoch auch mit sexualisierter Gewalt in Deutschland und ihrem eigenen Alltag, z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Social Media, auseinander.
Auch nationale und internationale Gesetze zu Vergewaltigung und anderen Formen von sexualisierter Gewalt stießen in den Klassen auf große Anteilnahme. In einer Gruppenarbeit ordneten die Jugendlichen Ausschnitte aus verschiedenen Gesetzen den entsprechenden internationalen Abkommen und nationalen Gesetzeswerken zu, die in Form eines großen juristischen Bücherregals dargestellt waren.
Austausch, Reflexion und kritische Diskussion
Um eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Thematik zu ermöglichen, gab es neben mehreren Kurzvorträgen durch die TDF-Referentinnen auch zahlreiche interaktive Aufgaben. So kam zusätzlich zu dem juristischen Bücherregal auch ein Gallery Walk zum Einsatz, bei dem die Jugendlichen, ohne miteinander zu sprechen, ihre Gedanken, Gefühle und Meinungen zu bewusst provokant formulierten Aussagen aufschrieben und gemeinsam sammelten. Viele der ZehntklässlerInnen zeigten einen sehr reflektierten Umgang mit dem Thema und hinterfragten die vorgegebenen Aussagen kritisch. Besonders intensive Diskussionen löste folgende Aussage aus:
„Viele Frauen machen Falschbeschuldigungen, um sich an ihrem Ex-Partner zu rächen, z.B. weil dieser sie betrogen hat.“
Diese und weitere Aussagen für den Gallery Walk spielten auf Vergewaltigungsmythen an, die im Verlauf des Workshops analysiert und aufgeklärt wurden. In dem Fall des oben genannten Beispiels erfuhren die SchülerInnen, dass laut Studien tatsächlich nur etwa drei Prozent aller Anklagen nachweislich Falschbeschuldigungen sind. Trotz der meist sensiblen und umsichtigen Auseinandersetzung verdeutlichte besonders diese Aufgabe, dass noch viel Unsicherheit zu dem Thema sexualisierte Gewalt bestand und der Rede- und Diskussionsbedarf groß ist.
Die Live-Zuschaltung aus Burkina Faso
Besonders gefallen und in Erinnerung geblieben ist den Jugendlichen ein Live-Videocall mit Rakieta Poyga. Raki, wie sie sich den SchülerInnen vorstellte, ist Gründerin und langjährige Leiterin der Association Bangr Nooma (ABN), einer Frauenrechtsorganisation in Burkina Faso, mit der TDF bereits seit 1998 zusammenarbeitet. Die ABN bekämpft unermüdlich sexualisierte Gewalt, weibliche Genitalverstümmelung und andere Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt in der Sahelzone. Da Raki in ihrer Jugend in der ehemaligen DDR studiert und gelebt hat, konnte sie sich mit den SchülerInnen problemlos auf Deutsch unterhalten. Die direkten Einblicke in die Lage vor Ort in Burkina Faso sowie Rakis eigene Geschichte und der Ursprung ihrer frauenrechtlichen Arbeit haben die ZehntklässlerInnen sichtlich berührt. Raki erzählte auch, wie sie mit der ABN betroffene Mädchen und Frauen mit psychologischer und juristischer Beratung unterstützt und wie wichtig dies in der patriarchal geprägten Gesellschaft Burkina Fasos sei. Mit ihrer authentischen, offenen und herzlichen Art konnte Raki auch bei dieser schweren Thematik einen sicheren Raum für Austausch schaffen und den Jugendlichen für ihre vielen Fragen zur Verfügung stehen.
Positive Rückmeldungen und Ermutigungen
Die Rückmeldungen der SchülerInnen fielen insgesamt sehr positiv aus. Mehrere Jugendliche bedankten sich am Ende der Veranstaltung nochmals für den Workshop und betonten in ihrem Feedback, wie wichtig die Frauenrechtsarbeit sei. Für das Team von TDF besonders schön zu sehen war es, dass der weltweite Einsatz für Frauen und Mädchen so viel Beachtung erfuhr und der Workshop bei den Jugendlichen eine solch tiefgreifende Wirkung zu zeigen schien.
Ausblick
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe folgen Workshops in drei weiteren Schulen. Für die Leipziger SchülerInnen geht es jedoch schon jetzt in die nächste Runde: Sie erstellen nun selbst Kunstwerke, die durch die vielfältigen Impulse des Workshops inspiriert sind. Diese werden anschließend zusammen mit den Werken der anderen Schulen sowie Foto- und Videomaterial aus Mali und Burkina Faso zunächst im Herbst 2026 bei einer Vernissage in Berlin und im Nachhinein als bundesweit ausleihbare Wanderausstellung präsentiert.
Wir sind gespannt, wie die SchülerInnen den Input des Workshops in ihre Kunstwerke einfließen lassen!
TDF dankt dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das die Veranstaltungsreihe finanziell unterstützt.
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