• 24.07.2026

Warum sind die Schulworkshops der "Weißen Woche" zum Thema Zwangsheirat so wichtig? Vier Fragen an Myria Böhmecke, Leiterin des Referats zu Gewalt im Namen der Ehre bei TERRE DES FEMMES

Myria Böhmecke (TDF)

In ganz Deutschland beginnen in diesen Wochen die Sommerferien. Für viele Mädchen ist der letzte Schultag auch tatsächlich der letzte: Sie werden im Ausland gegen ihren Willen verheiratet – das Ende von Freiheit, von Ausbildung, von Selbstbestimmung.

Die „Weiße Woche“, Schulworkshops, die TERRE DES FEMMES mit der Berliner Polizei zur Prävention von Zwangsheirat durchführt, zeigt jedes Jahr wieder, wie dringend notwendig Aufklärung und Sensibilisierung zu dem Thema sind – denn „in jeder Klasse sitzt mindestens eine Betroffene oder ein Betroffener“, so die Einschätzung von Myria Böhmecke nach den 40 Workshops im Juni 2026. TERRE DES FEMMES führt die Workshops inzwischen im fünften Jahr durch, die Nachfrage ist groß.

Myria Böhmecke, Referatsleiterin zu Gewalt im Namen der Ehre bei TERRE DES FEMMES: 

Was antworten die Jugendlichen auf die Frage, warum viele Betroffene sich keine Hilfe holen?

„In den Workshops werden uns immer wieder diese drei Gründe genannt: Angst vor der FamilieAngst, die Familie zu verlierenAngst, dass ihnen nicht geglaubt wird und dann alles noch schlimmer wird.“

Ist Zwangsheirat wirklich so ein zentrales Thema für die Jugendlichen?

„Das Thema ist immer schon bekannt, oft aus der eigenen Familie, etwa durch die Mutter. Das Thema ist bei den jungen Menschen sehr präsent, aber häufig gibt es nicht genug Wissen: zu Hilfsmöglichkeiten und zur Rechtslage.“

Sind Mädchen und Jungen betroffen – gibt es Unterschiede?

„Wir sehen auch, dass nicht nur Mädchen und junge Frauen, sondern auch Jungen betroffen sind, auch sie können dann nicht frei entscheiden, ob, wann und wen sie heiraten. Die Unterschiede liegen dabei eher in den Folgen für das zukünftige Leben. Frauen haben auch nach der Hochzeit viel weniger Freiheiten als Männer, und sie erfahren viel häufiger Gewalt.“

Warum ist mehr Aufklärung und ein sensibles Umfeld so wichtig?

Über die Situation der Betroffenen im Vorfeld einer Verheiratung, etwa vor den Sommerferien, sagt Myria Böhmecke: “Viele Mädchen haben schon eine Ahnung, möchten das Risiko aber nicht wahrhaben. Eine solche Situation ist eine enorme Belastung, und es ist wichtig, dass die Jugendlichen besser über ihre Rechte und mögliche Anlaufstellen informiert sind. Aber auch für die Erwachsenen im Umfeld gilt: Um sensibel zu reagieren und das Richtige tun zu können, braucht es Wissen und Verständnis. Denn nicht wenige SchülerInnen haben sich schon einmal an eine erwachsene Person gewandt und wurden nicht ernst genommen. Umso wichtiger sind Schulungen und Sensibilisierungen von Fachpersonen, die mit potenziell Betroffenen in Berührung kommen, wie MitarbeiterInnen des Jugendamtes, Polizei und Schule."

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