Zusammen gegen FGM: zu Besuch bei der sierra-leonischen Partnerorganisation AIM
Im Dezember 2025 besuchte Susanna Keim, Referentin für Internationale Zusammenarbeit bei TERRE DES FEMMES (TDF), die langjährige TDF-Partnerorganisation Amazonian Initiative Movement (AIM) in Sierra Leone. Mit der finanziellen Unterstützung von TDF betreibt AIM dort ein Schutzhaus, das von weiblicher Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation – FGM), Zwangsverheiratung und anderen Gewaltformen bedrohten Mädchen und jungen Frauen eine sichere Zuflucht bietet.
Besuch im Schutzhaus: Zusammenhalt und neue Perspektiven
Während ihres Besuchs konnte Susanna viel Zeit mit den jungen Schutzhausbewohnerinnen verbringen und miterleben, wie sich die Mädchen gegenseitig unterstützen, mit viel Lebensfreude ihren Alltag bewältigen und sich eine Zukunft aufbauen, obwohl oft traumatische Erlebnisse hinter ihnen liegen: Isatu* (18 Jahre alt, Name geändert) etwa sollte nach ihrer eigenen Genitalverstümmelung selbst zur Beschneiderin ausgebildet werden. Nachdem sie mithilfe von AIM dieser ihr aufgezwungenen Ausbildung entfloh, wurde sie von den älteren Beschneiderinnen bedroht und verflucht und war so verängstigt, dass sie kaum einen Fuß vor die Tür setzen wollte. Erst nach längerer Zeit im Schutzhaus und mit viel Unterstützung der anderen Mädchen und der Sozialarbeiterin Juliet, die mit den Mädchen im Schutzhaus lebt und sie rund um die Uhr betreut, konnte Isatu ihre Angst schließlich überwinden, geht inzwischen wieder zur Schule und träumt davon, später als Krankenpflegerin zu arbeiten.
„16 Days of Activism“: Aufklärung gegen FGM
Susannas Reise nach Sierra Leone fiel zudem in den Zeitraum der „16 Days of Activism“-Kampagne, die AIM rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ausrichtete. Für diese Kampagne besuchten das AIM-Team und zahlreiche Freiwillige unter dem Motto „Girls are born perfect“ (dt. „Mädchen werden perfekt geboren“) eine Vielzahl von Dörfern und Schulen in verschiedenen Distrikten, um über die Gefahren und Folgeschäden der Menschenrechtsverletzung FGM aufzuklären. Susanna hatte die Gelegenheit, an mehreren dieser Aufklärungsveranstaltungen teilzunehmen und zu sehen, wie AIM das Tabu um das Thema FGM aufbricht und längst überfällige Diskussionen anstößt. Viele junge Menschen erfuhren bei ihren Vorträgen zum ersten Mal, was es mit FGM auf sich hat. Die Wirkung war nicht nur bei den Mädchen, sondern auch z.B. bei den männlichen Schülern spürbar, von denen viele nach den Workshops ankündigten, sich ihren Eltern zu widersetzen, wenn diese ihre Schwestern beschneiden lassen wollen. Zum feierlichen Abschluss der „16 Days of Activism“-Kampagne organisierte AIM schließlich eine große Fachveranstaltung, an der u.a. weitere AktivistInnen, traditionelle kommunale Führungspersonen und verbündete Politikerinnen verschiedener Ebenen teilnahmen. Die Teilnehmenden bekräftigten ihr Engagement im Kampf gegen FGM und versicherten, auch zukünftig gemeinsam mit AIM gegen die schädliche Praktik einzutreten.
Nicht zuletzt besuchte Susanna gemeinsam mit AIM-Gründerin und -Leiterin Rugiatu Neneh Turay die Deutsche Botschaft in der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown, um sich dort mit Botschafter Pascal Richter und dem Leiter der Entwicklungszusammenarbeit Johannes Behrens auszutauschen. Themen waren u.a. die Arbeit von AIM und TDF, der herausfordernde Kampf gegen FGM in Sierra Leone und wie die VertreterInnen der deutschen Regierung diesen möglichst wirksam unterstützen können.
AIM arbeitet unermüdlich daran, Mädchen und Frauen in Sierra Leone vor der Menschenrechtsverletzung FGM zu schützen. Mit einer Spende können auch Sie dazu beitragen! – unterstützen Sie AIM noch heute und setzen damit ein Zeichen für eine Welt ohne weibliche Genitalverstümmelung!