Zweiter Frauenkreis und Workshop im
Modellprojekt „Mit Sicherheit Teilhabe: Frauen stärken – Zukunft gestalten“
Zum ersten Mal im neuen Jahr fand der Frauenkreis mit Workshop im Modellprojekt Mit Sicherheit Teilhabe: Frauen stärken – Zukunft gestalten statt. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Ankommen im Frauenkreis: Ein geschützter Raum für Austausch
In einer Berliner Geflüchtetenunterkunft wurde ein geschützter Raum von Frauen für Frauen geschaffen. Durch die Unterstützung erfahrener Sprachmittlerinnen, einen niedrigschwelligen Zugang und die Möglichkeit der Kinderbetreuung konnten geflüchtete Frauen sich informieren, austauschen und gegenseitig stärken. Ziel ist es, Frauen über ihre Rechte und Beratungsangebote aufzuklären und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
Der Frauenkreis bietet Frauen einen sicheren Rahmen, um sich zu begegnen, Erfahrungen zu teilen und Unterstützung zu erfahren. Die wertschätzende Atmosphäre ermöglicht Offenheit und schafft Vertrauen unter den Teilnehmerinnen.
„Einfach losfliegen können“ – Einstieg über Emotionskarten
Zu Beginn der Veranstaltung wählten die Teilnehmerinnen Emotionskarten aus, die persönliche Gefühle, Wünsche oder innere Haltungen symbolisierten. Die Karten dienten als freiwilliger Einstieg in den Austausch – keine Frau musste sprechen, wenn sie dies nicht wollte.
Zwei Beispiele: Das Abbild einer Kerze symbolisierte für eine Teilnehmerin den Wunsch, dass ihr Leben hell erleuchtet bleibt und sie in Deutschland in Sicherheit weiterleben kann. Die Abbildung zweier Leitern verdeutlichte für eine geflüchtete Frau, dass sie selbst in ihrem Leben Schritt für Schritt die Leiter hinaufklettern möchte. Sie sieht sich momentan untenstehend und wäre froh, wenn es ihr irgendwann gelingen würde, zumindest in der Mitte anzukomme
Die ausgewählten Motive machten individuelle Lebensrealitäten sichtbar. Sie standen unter anderem für Freiheit, Hoffnung, innere Ruhe, Sicherheit und den Wunsch nach persönlichem Fortschritt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Frauen belastende Erfahrungen gemacht haben. Zwar erleben sie ihr Leben in Deutschland oft als sicherer und als Chance für einen Neuanfang, dennoch bleiben Zukunftsängste, Dependenzen und Unsicherheiten bestehen.
Selbstwirksamkeit erfahren: mit Kreativität Bleibendes gestalten
Im ersten Frauenkreis und Workshop im November 2025 haben die Teilnehmerinnen Ideen gesammelt und von ihren Hobbies berichtet. Über die Vorschläge wurde basisdemokratisch abgestimmt und gewonnen hat die Herstellung von Filzfiguren. Eine Frau, die aus der Ukraine flüchten musste, unterstützte das Projektteam im Vorfeld bei der Auswahl der Materialien. Vor Ort erklärte sie den Teilnehmerinnen wichtige Grundlagen. Die Einbeziehung der Teilnehmerinnen sowie die Abstimmungen über Projektaktivitäten sind elementare Aspekte des Modellprojekts. Sie erleben sich als aktive Mitgestalterinnen und sind an Entscheidungsprozessen beteiligt. Das stärkt die Demokratieerfahrung und Teilhabe. Die Erstellung der Filzfiguren ermöglicht Kreativität und Selbsterfahrung, die unabhängig von Sprache oder Vorerfahrung funktioniert. Das eigenständige Erschaffen von Textilprojekten fördert das Selbstvertrauen der TeilnehmerInnen.
Im kreativen Prozess erleben die Frauen, dass sie mit ihren eigenen Händen etwas Bleibendes gestalten können. Selbstwirksamkeit ist ein zentraler Aspekt von Empowerment. Entscheidungen über Material, Form und Gestaltung liegen bei den Frauen selbst und unterstützen ihre Autonomie und Ausdruckskraft. Der gemeinsame kreative Raum bietet zudem Gelegenheit für Austausch und gegenseitige Unterstützung. In einer wertschätzenden Atmosphäre entstehen Verbindung, Vertrauen und Gemeinschaft
Gewalt gegen Frauen sichtbar machen – im geschützten Kreis
Gewalt gegen Frauen ist eine weltweite Realität und betrifft Frauen unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Status. Besonders Frauen mit Fluchterfahrungen sind häufig mehrfach vulnerabilisiert – nicht aufgrund persönlicher Eigenschaften, sondern durch strukturelle Bedingungen wie rechtliche Unsicherheit, Abhängigkeiten, fehlenden Zugang zu Bildung oder patriarchale Machtverhältnisse.
Im geschützten Frauenkreis tauschten sich die Teilnehmerinnen über ihre Erfahrungen und Beobachtungen aus. Thematisiert wurden unter anderem geschlechtsspezifische Gewalt, Bildungsverbote, Ausbeutung, ungleiche Bezahlung und die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit. Der Raum ermöglichte es, diese Erfahrungen erstmals offen zu benennen.
Wissen schützt: Aufklärung als Gewaltprävention
Wissen ist ein zentraler Schutzfaktor im Umgang mit Gewalt. Das Projektteam stellte daher das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, Berliner Beratungsstellen mit anonymen und mehrsprachigen Angeboten sowie das Aufgabenfeld der Polizei vor.
Ein Erfahrungsbericht machte deutlich, dass es neben Hilfsangeboten auch eine stärkere Sensibilisierung von Behörden braucht. Eine Teilnehmerin berichtete von Stalking, bei dem sie sich von der Polizei nicht ausreichend unterstützt fühlte. Im Frauenkreis wurden daraufhin weitere Handlungsmöglichkeiten besprochen.
In einer weiteren Gesprächsrunde reflektierten die Frauen ihre Rechte in Deutschland und die Unterschiede zu ihren Herkunftsländern. Besonders hervorgehoben wurden das Recht auf Bildung und das Recht auf Scheidung als zentrale Schritte zu Selbstbestimmung.
Selbstfürsorge im Kreis von Frauen
Zum Abschluss sammelten die Frauen Ideen und stimmten über die nächste Aktivität ab. Zur Auswahl standen das Nähen von Kosmetiktaschen, das Bemalen von Stofftaschen oder die Herstellung von Schmuck.
Eine Teilnehmerin betonte dabei, dass der Schmuck bewusst für die Frauen selbst sein sollten – als Ausdruck von Selbstfürsorge. Dieser Vorschlag fand große Zustimmung. Der Austausch verdeutlichte zudem, wie viel Verantwortung Frauen im Alltag tragen – zwischen Care-Arbeit, Sprachkursen und Integrationsanforderungen.
Ausblick: Frauen stärken und Teilhabe ermöglichen
Das Projekt wird mit weiteren Frauenkreisen und Workshops fortgesetzt. Auch künftig stehen Empowerment, gegenseitige Unterstützung und Sensibilisierung im Mittelpunkt, um Frauen zu stärken, ihre Rechte sichtbar zu machen und Räume für selbstbestimmtes Handeln zu eröffnen.