Patu; Antje Schrupp: Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext

Verlag Münster 2015. 88 Seiten. 9,80 €2015 patu schrupp

Für ihren Streifzug durch den Feminismus hat das Autorinnen-Duo eine eher ungewöhnliche, aber anschauliche und pointierte Darstellungsform ausgesucht: die Graphic Novel.

Mit Eva und Adam steigen sie ein, setzen mit der Antike fort, um am Ende ihrer Reise schließlich beim „Third Wave Feminism“ in der Gegenwart anzukommen. Dabei porträtieren sie mehr oder weniger bekannte Frauen, Protagonistinnen, die unbeirrt ihre Sache verfochten haben.

Ob Philosophin, Künstlerin, Wissenschaftlerin, Ordensfrau oder Aktivistin: Sie alle hatten gegen eine männlich dominierte Gedanken- und Wertewelt anzukämpfen, manche bezahlten für das Einstehen für ihre Vorstellungen mit ihrem Leben: So wurde im 4. Jahrhundert die Mathematikerin Hypathia von christlichen Fanatikern in Alexandria ermordet. Die französische Frauenrechtlerin Marie Gouze, uns bekannter unter dem Künstlernamen Olympe de Gouges, starb für ihre Ideen unter der Guillotine.

Mit der Lehrerin und Philosophin Mary Wollstonecraft treffen wir auf die erste Feministin, die herausstellte, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern von der Gesellschaft hervorgebracht werden und nicht auf „natürliche“ Ursachen zurückführbar sind.
Und natürlich dürfen wir Simone de Beauvoir zuhören, während sie über das „andere“ Geschlecht nachdenkt, oder Angela Davis, der Verfasserin von "Women, Race and Class".

Schön ist, dass auch weniger prominente Persönlichkeiten wie die Wanderpredigerin und ehemalige Sklavin Sojourner Truth (1798-1883) zu Wort kommen. In ihren Reden thematisierte sie die positive Diskriminierung von Frauen und den Rassismus in bürgerlichen Geschlechterrollen.

Mit den vorgestellten Frauen kommt auch die Vielfalt ihrer – sich oft auch widersprechenden - Sichtweisen, ihrer Forderungen zutage, werden die Umrisse wichtiger feministischer Debatten sichtbar, eingebettet im jeweiligen historischen Kontext.
So stritten die deutschen Frauenrechtlerinnen um 1900 über die Stellung der Frau und die Einführung des Frauenwahlrechts.

Dennoch können diese gezielt gesetzten Schlaglichter auf 88 Seiten nicht alle Verästelungen der frauenbewegten Geschichte einfangen. Aber in einer zweiten – vorgesehenen - Auflage sollen diese Leerstellen behoben werden.

Diese Graphic Novel weiß nicht nur durch die Wahl der Porträtierten zu überzeugen, sondern kann, ergänzt durch die klugen, konzentrierten Kommentare, als „Herstory“ für Eilige empfohlen werden.