Saudi-arabische Frauen am Steuer - trotz Fahrverbot

Saudi-Arabien: Frau am Steuer Juni 2011Die 32-jährige allein erziehende Mutter und Informatikerin Manal al-Sharif hat die Kampagne "Women 2 Drive" gegründet. Am 22. Mai wurde sie wegen Autofahrens für neun Tage inhaftiert. Mit der Aktion will sie über Twitter und Facebook Frauen dazu ermutigen gegen das saudi-arabische Fahrverbot zu verstoßen und sich endlich auch selbst hinter das Steuer zu setzen.

Am Freitag, den 17. Juni 2011 riefen Aktivistinnen zu landesweiten Protest-Fahrten in Saudi-Arabien auf. Mit Erfolg: Rund 50 Frauen setzten sich selbst hinter das Steuer.

Was in Deutschland für jede Frau alltäglich ist und aus einem freien und selbstbestimmten Leben nicht mehr wegzudenken, führt in Saudi-Arabien schnell zur Verhaftung: Manal al-Sharif, eine 32-jährige saudi-arabische Informatikerin wurde inhaftiert nachdem sie ein Video von sich beim Autofahren auf Youtube veröffentlichte. Laut Welt Online sahen bereits zwei Tage nach ihrer Inhaftierung über 500.000 Frauen und Männer das Video im Internet. Die allein erziehende Mutter hat die Kampagne "Women 2 Drive" gegründet, mit der sie muslimische Frauen die im Ausland einen gültigen Führerschein erworben haben zum Autofahren ermutigen möchte. Die Kampagne, die man auf Twitter und Facebook unterstützen kann, feierte am 17. Juni 2011 ihren ersten Höhepunkt: Aktivistinnen riefen zum "Tag des Autofahrens" auf und bewegten landesweit zahlreiche Frauen sich selbst hinter das Steuer zu setzen.

Eine von ihnen ist Samar al-Bedawi, deren Bild nach ihrer Fahrt am Freitag zahlreiche saudi-arabische und internationale Zeitungen schmückte. Ihr Mann Walid Abu Alkhair sitzt während der Fahrt durch die Hafenstadt Jidda auf dem Beifahrersitz; er sieht in der Kampagne für die saudi-arabischen Frauen den "ersten Schritt in die Freiheit". Laut dem Menschenrechtler folgten rund 50 Frauen am 17. Juni dem Beispiel von Manal al-Sharif und setzten sich hinter das Steuer eines Autos. Verhaftet wurde dabei niemand: Polizisten und Sittenwächter ließen die Frauen passieren; in Riad erhielt eine Aktivistin sogar als erste Frau in Saudi-Arabien einen Strafzettel.

AktivistInnen und MenschenrechtlerInnen verbuchen die Aktion als Erfolg. Dass die Stimmung im Volk jedoch weiterhin gespalten bleibt, zeigen radikale Gegeninitiativen wie die "Kampagne des Ikal", die von streng gläubigen Männern gegründet wurde. Sie rufen auf der Internet-Plattform Facebook dazu auf, Frauen, die gegen das Fahrverbot verstoßen mit einer schweren Kordel zu verprügeln. Darüber hinaus sprachen sich zahlreiche Islamgelehrte gegen eine Aufhebung des Fahrverbots aus und drohten gegen den "Sittenverfall" notfalls auch mit Gewalt vorzugehen. Dem gegenüber stehen Menschenrechtler wie Alkhair sowie rund 600 weitere Männer und Frauen, die bereits eine Online-Petition für das Recht der Frauen zu fahren unterschrieben haben. Dazu kommen die zahlreichen Gruppen, die auf Facebook gegründet wurden, um sich mit den Frauen zu solidarisieren und mittlerweile von tausenden NutzerInnen unterstützt werden.

Samar al-Bedawi versicherte bereits bei einem Fernsehinterview mit dem Sender al-Dschasira, dass sie auch weiterhin vor hat Auto zu fahren - trotz der Beschimpfungen, die sie deshalb über sich ergehen lassen muss. Auch Alkhair steht fest hinter seiner Frau und der Aufhebung des Fahrverbots und ermutigt hoffentlich in Zukunft viele weitere saudi-arabische Männer seinem Beispiel zu folgen und ihre Frauen auf dem Weg in die Unabhängigkeit zu unterstützen.

Setzen auch Sie sich für die Women 2 Drive-Kampagne auf Twitter oder Facebook ein und machen Sie sich dafür stark, dass die saudi-arabische Frauen weitere Aktionen ins Leben rufen können, um in Zukunft gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei zu leben!