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Neu in unserer Bibliothek

In regelmäßigen Abständen finden Sie an dieser Stelle eine Auswahl unserer Neuanschaffungen.

Viel Spaß beim Schmökern!

Neuanschaffungen 2018

Cover Apples for Sale Rebecca Sampson
Apples for Sale
Text-und Bildband
(Deutsch/Englisch)

„Apples for Sale“ beleuchtet durch die Kombination von Fotografie und Text das Leben indonesischer Hausmädchen, die in Hongkong als Migrantinnen zweiter Klasse unter prekären Umständen systematisch ausgebeutet werden. Eingepfercht in einen zermürbenden Alltag arbeiten sie für 525 € im Monat im Durchschnitt zwölf Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche. Diskriminierung, Geringschätzung und Schutzlosigkeit sind für sie an der Tagesordnung. Die unwürdige Lage der jungen Frauen, die häufig auf schmalen Matratzen neben der Waschmaschine schlafen müssen und sich in ihrer spärlichen Freizeit in ein Parallelleben auf Facebook flüchten, werden von Sampson aus verschiedenen Perspektiven in ihrem Buch untersucht.

Der Fokus der Auseinandersetzung liegt auf dem Gegensatz zwischen dem uniformen Alltagskorsett, in das die Arbeitsmigrantinnen im Haushalt ihrer ArbeitgeberInnen gezwängt werden und dem Wunsch der jungen Frauen nach Sinn, Bestätigung und der Möglichkeit einer gelebten Individualität. In einem ausschließlich weiblichen sozialen Umfeld beginnen sie eine Art Rollenspiel. Die männlichen Rollen werden von Tomboys übernommen – Frauen, die sich maskulin kleiden und geben. Liebevoll zurechtgemachte Puppen ersetzen die fehlenden Kinder. Da die Hausangestellten sich nur an einem Tag in der Woche frei bewegen können, verschiebt sich ihr sozialer und kultureller Raum immer mehr in die virtuelle Welt von Facebook. Dort sind dem individuellen Ausleben ihrer Persönlichkeit keine Grenzen gesetzt.

Ein Video des Buchs kann hier angesehen werden, der fotografische Teil der Arbeit unter diesem Link. Bis zum 21. Mai 2018 ist „Apples for Sale“ in den Deichtorhallen/Haus für Photographie Hamburg in einer Gruppenausstelung zu sehen.

„Apples for Sale“ kann bis Mai 2018 für 30,00 Euro vorbestellt werden. Die Lieferung erfolgt voraussichtlich im Juni 2018. Eine ausreichende Zahl an Vorbestellungen der Publikation „Apples for Sale“ von Rebecca Sampson ermöglicht die Veröffentlichung des Buches in einem Verlag. Zur Veröffentlichung fehlen noch 80 Vorbestellungen, bestellt werden kann per E-Mail an mail@rebeccasampson.com oder online.

Zusätzlich fördert das Goethe-Institut Hongkong die von Rebecca Sampson geplante Publikation mit einem Publikationskostenzuschuss.

Berlin 2018. 144 Seiten. 30,00 €

 

Mira Siegel, Manuela Schon, Arian Panther, Caroline Werner, Huschke Mau (Hrsg.)
Störenfriedas. Feminismus radikal gedacht.2018 Storenfriedas

Bisher sind die „Störenfriedas“ dem Patriarchat mit ihren Beiträgen im gemeinsamen „radikal-feministischen“ Blog in die Quere gekommen. Mit ihm wollen sie „stören, aufrütteln und manches Mal auch verstören und vielleicht mit jedem Mal die Welt ein kleines bisschen besser machen“. Mit ihrem neuen, analogen Medium, dem vorliegenden Buch, dürften sie Ähnliches erreichen.

Sie bescheinigen der Gesellschaft eine fest verankerte sexistische Grundhaltung. Diese manifestiert sich – oft kaum als solche wahrgenommen - in ungleichen Redeanteilen von Frauen und Männern in Fernsehsendungen; zeigt die Frau offen als Sexualobjekt auf Werbeplakaten, nimmt von ihr Besitz in der Prostitution.

Schon die ersten Kapitel des Buches demaskieren das Patriarchat, werfen einen Blick auf die Anfänge der Frauenbewegung während der Französischen Revolution, führen durch die unterschiedlichen Strömungen des Feminismus, wie etwa dem „Postfeminismus“ oder „sex-positiven Feminismus“.

Wie haben sich die Frauenrechte im Laufe der Geschichte gewandelt? Wie hat sich die Situation der Frauen verändert? Auch dazu liefern die Autorinnen klärende Beiträge. So werden etwa die gesellschaftlichen Bedingungen für die Frauen während des Ersten und Zweiten Weltkrieges thematisiert. Welche Rolle spielten die Frauen für den Wiederaufbau nach Kriegsende?

Ein Hauptaugenmerk liegt vor allem auf den unterschiedlichen Aspekten von sexualisierter und kommerzialisierter Gewalt in der Sexindustrie. Dabei werden Zusammenhänge von patriarchaler Gewalt und Kapitalismus aufgedeckt, aber auch wie Rassismus und Sexismus fester Bestandteil dieses Systems sind.

Radikalfeministisch wird auch über den Frauenkörper, über Mutterschaft reflektiert.

„Wie könnte eine Gesellschaft jenseits von geschlechtlicher Unterdrückung aussehen?“ Diese visionäre Frage schwebte den Verfasserinnen wohl als Leitmotiv vor; immer wieder schimmert sie in aufgezeigten Lösungsansätzen und Alternativen in den Beiträgen durch.

Manche Texte beruhen auf persönlichen Erfahrungen, was die „Störenfriedas“ zu einem sehr persönlichen Buch macht.

Books on Demand, 2018. 556 Seiten. 24,90 €

 

Maria Braig
Das heimliche Mädchen und der Dancing BoyDancing Boy Cover

Nachdem ihr Vater beim Minensuchen in Afghanistan tödlich verunglückt ist, muss sich die 13-jährige Shirin alleine um ihre Geschwister und die Mutter kümmern. Denn für Frauen ist im ländlichen Afghanistan meistens der Haushalt vorbehalten und ohne männliche Begleitung können sie sich kaum in der Öffentlichkeit bewegen. Die Mutter sieht deshalb nur eine einzige Möglichkeit, um die Existenz der Familie zu sichern - Shirin muss sich als Junge verkleiden, um einer Arbeit nachgehen zu können und sich so auch vor sexuellen Übergriffen zu schützen.

Die Rolle des Jungen muss sie sich aber erst aneignen. So muss Shirin zum Beispiel erst lernen, laut zu sprechen und selbstbewusst zu laufen, was bei Mädchen unerwünscht ist. Mit ihren Cousins und ihrem Onkel spielt sie dafür verschiedene Situationen im Alltag durch, in denen sie sich als Junge anders verhalten muss.

Für Shirin beginnt damit eine schwere Zeit. Das junge Mädchen übernimmt die gesamte Verantwortung für die Familie, aufgrund ihrer Arbeit kann sie nicht mehr in die Schule gehen. Dank ihrer Willensstärke und ihres Mutes schafft sie es dennoch, sich in ihr neues Leben einzufinden.
Die Autorin nutzt den „Geschlechtertausch“, um über die männlichen und weiblichen Rollenbilder im patriarchalen Afghanistan nachzudenken.

Als Shirin schließlich einen Job als Teejunge auf einem Basar beginnt, lernt sie Faruk kennen. Mit ihm freundet sie sich an und erfährt von seiner Geschichte, die von Gewalt und sexuellem Missbrauch geprägt ist - denn er ist ein sogenannter Dancing Boy: einer der Jungen, die in der Kinderprostitution gefangen sind und meistens einem bestimmten Mann vollständig „gehören“.

Im Laufe der Zeit spitzt sich die Situation von Shirin und Faruk soweit zu, dass sie eine Entscheidung treffen müssen, die viel Mut abverlangt.

Maria Braig hat vor allem einen Roman über Emanzipation und Freundschaft geschrieben und spiegelt dabei immer auch die aktuellen Entwicklungen in Afghanistan wieder. Mit Shirin und Faruk erleben wir den Alltag in einer Gesellschaft, in der Familien auf den Schutz eines männlichen Oberhauptes angewiesen und Frauen kaum in der Lage sind, für den Unterhalt ihrer Familien zu sorgen. Sie zeichnet das Bild einer Gemeinschaft, in der eine Selbstverwirklichung von Frauen nicht vorgesehen ist. Die beiden Protagonisten bleiben trotz allem optimistisch, hoffnungsvoll und lebendig und stellen sich den Aufgaben. Dieser Roman sei jedem Jugendlichen ans Herz gelegt!

Selbstverlag, Osnabrück 2017. 300 Seiten. 13 €