Brückenbenennung nach „Ehren"-Mordopfer Hatun Sürücü beschlossen (19.06.2013)

TERRE DES FEMMES und Lesben- und Schwulenverband begrüßen Abstimmungsergebnis der BVV Tempelhof-Schöneberg

logos-lsvd-tdfAm gestrigen Dienstagabend hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg den Antrag auf Benennung einer Brücke nach Hatun Sürücü angenommen. Bereits am 2. Mai 2013 hatte sich der zuständige Ausschuss für Bildung und Kultur für die Benennung ausgesprochen. Bei der Ausschusssitzung wurden unter anderem die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES und der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) angehört – zugleich überreichten die beiden Organisationen mehr als 250 Unterschriften für eine Hatun-Sürücü-Brücke. „Mit der Benennung soll ein dauerhaftes und sichtbares Zeichen für ein selbstbestimmtes und freies Leben in einer pluralen Gesellschaft gesetzt werden“, so Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg.

Hatun Sürücü war eine starke und mutige Frau, die trotz familiärer Zwänge und patriarchaler Strukturen ein selbstbestimmtes und freies Leben führte – bis zum 7. Februar 2005, an dem sie Opfer eines „Ehren“-Mordes durch ihren eigenen Bruder wurde. TERRE DES FEMMES fordert bereits seit mehreren Jahren die Benennung einer Straße oder Brücke nach Hatun Sürücü. Der Lesben- und Schwulenverband und der Berliner Arbeitskreis Zwangsverheiratung, in dem u. a. Berliner Antigewaltprojekte, Krisen- und Zufluchtseinrichtungen und Frauenhäuser vertreten sind, unterstützen dieses Vorhaben. Hierzu erklärt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES: „Die gestrige Entscheidung der BVV ist auch ein Auftrag an Politik und Gesellschaft: Mutige Frauen wie Hatun Sürücü müssen besser geschützt werden, die Politik muss aber auch aktiv zu einem Bewusstseinswandel in den Familien beitragen.“

Auch andere zivilgesellschaftlich aktive Organisationen, wie z.B. die Mädchen- und Frauenabteilung des Fußballvereins Türkiyemspor, begrüßen das Vorhaben. Nach Auskunft von Daniel Krüger, Bezirksstadtrat für Bauwesen, liegt die abschließende Zuständigkeit für die Benennung einer Brücke aber bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Der Bezirk, in dem sich das Bauwerk befindet, ist dabei anzuhören.

TERRE DES FEMMES und Lesben- und Schwulenverband fordern Politik und Verwaltung auf, die Benennung der geplanten Brücke zwischen Tempelhofer Feld und Oberlandstraße nach Hatun Sürücü konsequent zu verfolgen.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an TERRE DES FEMMES, Monika Michell, Referentin zu Gewalt im Namen der Ehre, Tel. 030/40504699-0 oder per E-Mail an presse@frauenrechte.de oder an den LSVD Berlin-Brandenburg, Jörg Steinert, Geschäftsführer und Pressesprecher, Tel. 0178/3311927 oder per E-Mail an joerg.steinert@lsvd.de.

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TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Mädchen und Frauen, die durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, persönliche Beratung, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen unterstützt. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind Häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung, Frauenhandel, Zwangsprostitution und soziale Rechte für Arbeiterinnen. Der Verein wurde 1981 gegründet, die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin.

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg ist eine gemeinnützige und mildtätige Selbsthilfe- und Wohlfahrtsorganisation und für viele Menschen die erste Anlaufstelle bei Fragen im Zusammenhang mit dem Thema Homosexualität. Der LSVD will erreichen, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender ihre persönlichen Lebensentwürfe selbstbestimmt entwickeln können, frei von rechtlichen und anderen Benachteiligungen, frei von Anfeindungen und Diskriminierungen.

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