K. lebt im Mädchenschutzhaus unserer Partnerorganisation AIM in Sierra Leone

Die ehrenamtliche Projektkoordinatorin von TDF Veronika Kirschner mit Mädchen im Schutzhaus. Foto: © Veronika KirschnerDie ehrenamtliche Projektkoordinatorin von TDF Veronika Kirschner mit Mädchen im Schutzhaus.
Foto: © Veronika Kirschner
Das nachfolgende Fallbeispiel zeigt deutlich, inwieweit weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, FGM) und die frühe Zwangsverheiratung Minderjähriger zusammenhängen.

K. war 14 Jahre alt, lebte mit ihrer Familie im Port Loko District und besuchte die Sekundar-Schule, als ihr Stiefbruder sie mit einem Minenarbeiter (zwangs-)verheiraten wollte. Aber K. hat sich mutig geweigert: Ihr ist die Schule wichtiger und außerdem fand sie sich für eine Heirat noch viel zu jung!

Doch ihr Stiefbruder ließ nicht locker. Er übte Druck auf K.s Mutter aus und zog sogar einen älteren Dorf-Vertreter hinzu. Zuerst stellte sich die Mutter hinter ihre Tochter, aber als der Druck zunahm, ließ sie sich schließlich doch von der Idee überzeugen. Durch die Heirat mit einem Minenarbeiter wäre eine gute Versorgung der Familie sichergestellt und auch als verheiratete Hausfrau könnte ihre Tochter weiter in die Schule gehen – dachte sie.

K. sah sich gezwungen, sich gegen ihre eigene Familie zu stellen, um sich gegen die geplante (Zwangs-)Verheiratung zu wehren.

Dennoch setzten ihre Eltern die Vorbereitungen für die (Zwangs-)Verheiratung fort. Dazu gehört auch, dass der zukünftige Mann Geld und Reis an die Familie gibt. Damit wird das Initiationsritual im Bondo-Busch eingeleitet. K. wusste, dass sie dort an ihren Genitalien verstümmelt werden sollte. Genau an dem Tag, an dem sie in den Bondo-Busch gebracht werden sollte, ergriff K. die Flucht. Damit hat sie großen Mut bewiesen! Aber diese Flucht hatte auch weitreichende Konsequenzen: Auf dem Schulweg und an ihrer Schule wurde sie attackiert, denn sie hat Schande über den Mann und ihre Familie gebracht. Man schlug ihr vor, sich bei der Schulleitung und dem Schulrat zu den Vorfällen zu äußern. Glücklicherweise gibt es im Port Loko District bereits einige LehrerInnen, die von TERRE DES FEMMES’ Partnerorganisation Amazonian Initiative Movement (AIM) und ihrer Aufklärungsarbeit gegen FGM wissen. Man riet K., Zuflucht im Mädchen-Schutzhaus von AIM zu suchen. Das Schutzhaus bietet Mädchen, die vor FGM und anderen Formen der Gewalt geflohen sind, einen sicheren Wohnraum. Dort lebt sie nun seit Mitte Februar 2013.

Die Mitarbeiterinnen von AIM haben Briefe an alle Beteiligten geschrieben, unter anderem an die Eltern von K.. Sie wollen sie einladen und weiter mit ihnen im Gespräch bleiben, um auch sie davon zu überzeugen, dass man sich gegen die traditionelle Praktik von FGM stellen kann.

Erstmal ist K. in Sicherheit im Mädchen-Schutzhaus von AIM und kann mit der Unterstützung der Mitarbeiterinnen wieder Selbstvertrauen gewinnen.

TERRE DES FEMMES hat mit Spenden aus Deutschland den Bau des Mädchenschutzhauses in 2010/2011 umsetzen können. Seitdem unterstützen wir weiterhin die laufenden Unterhaltskosten für das Haus und die Mädchen. Unsere Arbeit kann nur langfristig gelingen.

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