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FGM-Prozess in Großbritannien: Vater vor Gericht

In Großbritannien (GB) hat ein strafrechtlicher Prozess große Aufmerksam erregt: Ein Anwalt westafrikanischer Herkunft wurde beschuldigt seine Kinder zu misshandeln und für seine 9-jährige Tochter eine Genitalverstümmelung organisiert zu haben. 

Der Vater, ein britischer Staatsbürger, der im Juli 2017 verhaftet wurde, wurde in drei Fällen wegen Kindesmisshandlung angeklagt und nun in Ermangelung von stichhaltigen Beweisen freigesprochen. Ihm wurde vorgeworfen seine Tochter zwei Mal – in den Jahren 2010 und 2013 –  einer Genitalverstümmelung ausgesetzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft sagte, dies sei nicht aus kulturellen Gründen praktiziert worden, sondern um das Mädchen zu bestrafen. Aufmerksam auf die Tat wurde die Mutter eines Freundes, dem sich das Kind anvertraute und die daraufhin eine Kinder- und Jugendberatungsstelle anrief. 

Nach Schätzungen der City University London leben 137.000 betroffene Mädchen und Frauen mit FGM in Großbritannien, weitere 144.000 Mädchen sind von FGM bedroht. Die Höchststrafe für FGM in GB beträgt 14 Jahre Haft. Das Innenministerium hat Mädchen und Frauen aus einer Reihe ostafrikanischer Communities - darunter Somalia, Kenia und Äthiopien - sowie aus Nigeria, dem Nahen Osten und Indonesien als am stärksten gefährdet eingestuft.

Trotzdem ist es erst der dritte Fall weiblicher Genitalverstümmelung, der in GB zur Anzeige kam, seitdem die Praktik im Jahr 1985 gesetzlich unter Strafe gestellt wurde. Im ersten Anklagefall im Jahr 2015 wurde der Londoner Arzt Dr. Dhanuson Dharmasena, der eine somalische Frau nach der Geburt reinfibuliert haben soll, nach nur 30 Minuten Verhandlung freigesprochen. Im Jahr 2016 wurde ein 29-jähriger Vater angeklagt, seine 6-jährige Tochter einer Genitalverstümmelung ausgesetzt zu haben. Jedoch konnten nach einer ärztlichen Untersuchung keine auffälligen Veränderungen an der Vulva festgestellt werden. Typ I der weiblichen Genitalverstümmelung ist jedoch für ungeschulte Augen oftmals auf den ersten Blick kaum sichtbar, weshalb medizinisches Fachpersonal diesbezüglich unbedingt intensiv geschult werden muss.

TERRE DES FEMMES fordert neben Fortbildungen für Fachpersonal eine effektive Strafverfolgung in Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung sowie auch eine verbesserte Unterstützung bereits betroffener Mädchen und Frauen.

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Stand: 04/2018

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