Feministisches Leitbild

 

Unsere Vision

Gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei – ein immer noch fernes Ziel für die Mehrheit der Mädchen und Frauen in aller Welt.

TERRE DES FEMMES will – bei uns und anderswo – ein Leben ohne geschlechtsbasierte Diskriminierung, Gewalt und Ausbeutung.

Das bedeutet konkret:

  • Gleichberechtigt: vor dem Gesetz wie in der Arbeitswelt; bei den Bildungs- und Karrierechancen wie bei der Teilung der Familienarbeit
  • Selbstbestimmt: in der Sexualität und in allen Lebensentscheidungen wie PartnerInnenschaft, Heirat, Mutterschaft, Berufswahl und Teilnahme am öffentlichen Leben
  • Frei: von Rollenzwängen und allen Formen von Gewalt

Die gesellschaftliche Wirklichkeit

Menschen weiblichen Geschlechts werden überall auf der Welt – unterschiedlich im Ausmaß, aber immer noch und immer wieder neu – in ihrem Menschsein beschnitten:

  • in ihrer Freiheit durch religiöse und kulturelle Normen, Tabus und Zwangsvorschriften für Verhalten und Kleidung (z.B. Burka);
  • in ihrer Entwicklung durch verweigerte oder minderwertige Bildung, Benachteiligung im Arbeitsleben und chancenlose Armut;
  • in ihrem Geist durch Erziehung zur Unmündigkeit und Selbstentwertung sowie durch die Festlegung auf ein stereotypes Weiblichkeitsbild;
  • in ihrer Würde durch Darstellung in den Medien, der Werbung, der Pornographie;
  • in ihrer körperlichen Integrität durch täglich in großen Teilen der Welt tausendfach vollzogene rituelle Verstümmelung ihrer Geschlechtsorgane.

Menschen weiblichen Geschlechts werden überall auf der Welt täglich Opfer spezifischer Gewalt - im Krieg, in der Familie, im öffentlichen Raum: vergewaltigt, misshandelt, in die Prostitution versklavt, zur Heirat gezwungen, zur Sühne „verletzter Familienehre“ oder wegen mangelnder Mitgift ermordet.

Menschen weiblichen Geschlechts werden schließlich wegen vermeintlicher Minderwertigkeit in weiten Teilen der Welt gar nicht erst geboren, sondern systematisch abgetrieben.

Unser Selbstverständnis

TERRE DES FEMMES hat sich dem Kampf gegen alle Menschenrechtsverletzungen verschrieben, die Mädchen und Frauenweltweit allein deshalb erdulden müssen, weil sie weiblich sind. Grundlage für diesen Einsatz ist unser Selbstverständnis. „Feminismus“ heißt für uns: Die Geschlechter sind einander ebenbürtig – ohne Wenn und Aber. Der Mensch ist durch sein Geschlecht weder in seinem Wert, noch durch seine besonderen Fähigkeiten oder vermeintlichen Defizite auf eine „vorbestimmte“ Position in Familie und Gesellschaft festgelegt. Sexistische Vorurteile treffen im Patriarchat Männer wie Frauen; sie werden gegen Frauen jedoch systematisch als Begründung für Gewalt und als Instrument ihrer Unterdrückung benutzt.

Wir wenden uns deshalb auch gegen jeden Kulturrelativismus: frauenfeindliches Brauchtum ist auch bei Minderheiten in unserer Gesellschaft, die sich dabei auf kulturell-religiöse Gründe berufen, nicht zu tolerieren. Menschenrechte gelten ohne Einschränkung.

Unsere Ziele und unser Vorgehen orientieren sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, dem Übereinkommen der UN zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau von 1979 (CEDAW), der Abschluss-Plattform der Weltfrauenkonferenz von Beijing von 1995 und der

Europaratskonvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt von 2011. Wir sehen uns dabei in der Tradition der internationalen Frauenbewegungen und bemühen uns um eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Solidarität.

Unser Engagement

TERRE DES FEMMES ist politisch unabhängig, strikt säkular und bezieht entschieden Position für die Rechte der Mädchen und Frauen. Wir setzen bei unserer Arbeit auf internationale Vernetzung, umfassende Information, gezielte Aktionen und Kampagnen in der Öffentlichkeit sowie die Unterstützung einzelner Projekte im Ausland. Unsere Schwerpunktthemen sind:

  • weibliche Genitalverstümmelung
  • häusliche und sexualisierte Gewalt
  • Frauenhandel
  • Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsverheiratung
  • Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft

So wurde in Deutschland bereits erreicht:

  • Anerkennung von Vergewaltigung in der Ehe als Straftat (1997)
  • Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes (2002)
  • Anerkennung geschlechtsspezifischer Gründe als Verfolgung (2005)
  • Einführung des Gesetzes zur Bekämpfung der Zwangsheirat und zum besseren Schutz der Opfer von Zwangsheirat (2011)
  • Weibliche Genitalverstümmelung als eigener Straftatbestand (2013)

TERRE DES FEMMES ist ein gemeinnütziger Verein und finanziert sich vorwiegend über Mitgliedsbeiträge und Spenden sowie öffentliche Fördermittel und Zuwendungen aus Stiftungen, mit denen wir verantwortungsvoll und nachhaltig umgehen.

Viel ist erreicht – viel mehr bleibt zu tun.

 

Berlin, Juni 2014

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