Gedenkveranstaltung zum zehnten Todestag von Morsal Obeidi - TERRE DES FEMMES fordert mehr Schutz für Mädchen und Frauen von patriarchaler Gewalt im Namen der Ehre

Berlin, 09.05.2018. Auch zehn Jahre nach dem „Ehren“-Mord an der 16-jährigen Deutsch-Afghanin Morsal Obeidi, ereignen sich nach wie vor gewalttätige Konflikte innerhalb von Familien, wenn sich Mädchen und Frauen nicht den patriarchalen Lebensvorstellungen ihres Umfelds beugen wollen. Jeden Monat wird laut Statistik des Bundeskriminalamtes ein „Ehren“-Mord bekannt. „Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich nicht bemessen“, erklärt Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle von TERRE DES FEMMES. Die Frauenrechtsorganisation fordert deshalb mehr Schutzeinrichtungen für Gefährdete sowie die Sensibilisierung des Umfelds betroffener Mädchen und Frauen, damit sie selbstbestimmt leben können, ohne um ihr Leben zu fürchten.

So wie am 15. Mai 2008 Morsal Obeidi. An diesem Tag ermordete Ahmad Obeidi seine sechzehnjährige Schwester Morsal mit 23 Messerstichen. Das ihr vom Mörder und auch ihren Eltern vorgeworfene Vergehen war: „Sie wollte leben wie eine Deutsche!". Am 13. Februar 2009 wurde der Bruder zu lebenslanger Haft verurteilt. TERRE DES FEMMES-Frauen haben zu Prozessbeginn am 16. Dezember 2008 und -ende am 13. Februar 2009 Gedenkveranstaltungen am Strafgericht Hamburg gestaltet sowie den gesamten Prozess begleitet. Anlässlich des zehnten Todestages der Ermordeten werden Frauen der Städtegruppe Hamburg von TERRE DES FEMMES von 16 bis 18 Uhr am Ort des Geschehens in Hamburg am Übergang der S- und U-Bahnhaltestelle Berliner Tor mit einer Mahnwache an sie erinnern.

Wie notwendig es ist, die Gesellschaft immer wieder für dieses Thema zu sensibilisieren, zeigen auch zwei „Ehren“- Mordversuche der vergangenen Monate: In Laupheim wurde ein 17 Jahre altes Mädchen, das nach Scharia-Recht verheiratet worden war, von ihrem Bruder mit einem Messerstich im Oberkörper lebensgefährlich verletzt, weil sie einen neuen Freund hatte. Er und sein 34 Jahre alter Schwager wurden festgenommen und sind dringend tatverdächtig. In Berlin ereignete sich ein weiterer Fall: Ein 75-jähriger Vater attackierte seine 47-jährige Tochter mit einem Messer an ihrer Arbeitsstelle. Die türkischstämmige Frau musste nach der Messerattacke notoperiert werden. Sie hatte sich zuvor von ihrem Ehemann getrennt, weil er sie geschlagen hatte. Als Motiv geht die Polizei in beiden Fällen von verletzter Ehre aus.

Für Anfragen und Interviews wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Marion Brucker (Pressereferentin), Tel. 030/40504699-25, oder per E-Mail an presse@frauenrechte.de.

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