Neue strafrechtliche Regelungen in Burkina Faso stärken Gewaltschutz für Frauen und den Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung!

Schulungen im Gewaltschutzzentrum CAECF. Foto: © ABNSchulungen im Gewaltschutzzentrum CAECF. Foto: © ABNSeit Mai 2018 gibt es in Burkina Faso enorme Verbesserungen, was die strafrechtliche Verfolgung von Gewalt an Mädchen und Frauen betrifft. So sind nun erstmals die vielfältigen psychischen und moralischen Gewaltformen als Tatbestände im Strafrecht aufgenommen. Ebenso wird jetzt auch bereits die öffentliche Befürwortung der weiblichen Genitalverstümmelung in offiziellen Reden, religiösen Zeremonien oder durch schriftliche Aufrufe stringent unter Strafe gestellt.

Damit die wichtigen strafrechtlichen Neuerungen auch möglichst schnell in der Bevölkerung bekannt werden, hat unsere Partnerorganisation Bangr Nooma dazu Schulungen durchgeführt.

Seit September 2015 gibt es in Burkina Faso ein Gewaltschutzgesetz, aber die strafrechtliche Verankerung des Gesetzes war noch nicht vollständig umgesetzt. Frauenorganisationen und frauenbewegte Juristinnen haben deshalb auf eine Aktualisierung des Strafrechts hingewirkt. Endlich sind nun alle Gewaltformen, unter denen die burkinischen Mädchen und Frauen besonders leiden, strafrechtlich verankert.

Im Gewaltschutzzentrum CAECF unserer Partnerorganisation Bangr Nooma finden monatlich 10-15 Mädchen und Frauen Schutz und Beratung. Sie suchen Hilfe, weil sie von Gewalt betroffen sind und erhalten bedarfsorientierte soziale, psychologische sowie juristische Beratung. In der alltäglichen Arbeit haben die Mitarbeiterinnen im CAECF schon öfter bemerkt, dass manche Probleme nicht im Strafrecht verankert sind und sie den betroffenen Frauen deshalb nur wenig juristische Hilfe anbieten können. Während Vergewaltigung, körperliche Gewalt, die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung, oder die frühe Zwangsverheiratung bereits gesetzlich unter Strafe stehen, haben bislang für die sehr häufig vorkommenden Formen der psychischen und moralischen Gewalt entsprechende Regelungen gefehlt. Dies hat sich nun geändert. Frauen, die von ihrem Partner gezwungen werden, ihre eigenständigen ökonomischen Aktivitäten aufzugeben, können sich durch das neu aufgelegte Strafrecht nun auch juristisch zur Wehr setzen. Oder Frauen, die nach dem fünften Kind von ihrem Partner noch zu einer weiteren Geburt gezwungen werden; Frauen, denen vom Partner untersagt wird Verhütungsmittel anzuwenden; Frauen, die moralisch erniedrigt werden, weil sie keine Kinder bekommen können oder weil sie keinen Sohn geboren haben; Frauen, die verstoßen wurden, weil man sie der „Hexerei“ bezichtigt; die Stigmatisierung als „Hexe“ wird häufig bei verwitweten Frauen praktiziert, weil man ihnen zur Last legt, am Tod ihres Mannes beteiligt gewesen zu sein – all dies sind Beispiele, mit denen das CAECF konkret und alltäglich zu tun hat.

„Wir haben sofort die Bedeutung der neuen strafrechtlichen Regelungen erkannt“, so Rakieta Poyga, Leiterin der TERRE DES FEMMES-Partnerorganisation in Burkina Faso, „und deshalb auch schnell eine Fortbildung dazu angeboten. Das wird den vielen gewaltbetroffenen Mädchen und Frauen zukünftig noch mehr Mut machen, dass sie über ihre Probleme sprechen und Hilfe aufsuchen.“

Auch dass das Propagieren der Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung in der Öffentlichkeit nun unter Strafe steht, begrüßt Poyga: „Erst im letzten Jahr hat ein Imam in der Moschee gepredigt, wie wichtig es sei, an der Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung festzuhalten. Das hat große Empörung bei uns ausgelöst, aber wir konnten nichts dagegen tun. Das wird sich nun ändern!!“

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Stand 09/2018

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