Nari Adalats: Frauengerichte in Indien

Nari Adalat Sitzungen sind meistens an einem öffentlichen Ort und für Jede und Jeden zugänglich. Foto: © Saurabh Sharma/101reporters.comNari Adalat Sitzungen sind meistens an einem öffentlichen Ort und für Jede und Jeden zugänglich. Foto: © Saurabh Sharma/101reporters.comIndien gilt als gefährlichstes Land für Frauen weltweit – so das Ergebnis einer Thomson Reuters Studie aus dem Jahr 2018. Trotz fortschrittlicher Gesetzesreformen ist Gewalt gegen Frauen in der größten Demokratie der Welt nach wie vor sehr präsent. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass traditionelle Normen in weiten Kreisen einen größeren Stellenwert haben als Gesetze. Zum anderen wird die indische Justiz von Männern dominiert und Urteile fallen häufig zugunsten angeklagter Männer aus. Nicht zuletzt sind Gerichtsverfahren teuer und langwierig - Urteile werden oft erst nach mehreren Jahren gefällt.

Für Frauen, die sich zu einer Strafanzeige durchringen, birgt dies ein hohes Risiko, stellen sie doch soziale Hierarchien in Frage und setzen sich der Gefahr einer öffentlichen Niederlage und Demütigung aus. 2001 rief die indische Regierung im Rahmen eines Bildungsprogramms für Frauen deshalb ein Gegenentwurf ins Leben: Nari Adalats – Frauengerichte im ländlichen Raum. Allein Frauen sind dort für die Rechtsprechung zuständig. Sie agieren auf Dorf- oder Block-Ebene (mehrere Dörfer). Mittlerweile gibt es in 11 indischen Bundesstaaten Frauengerichte, darunter auch in Telangana, wo unsere Partnerorganisation BHUMIKA Women’s Collective aktiv ist.

Die TDF-Partnerorganisation berät gewaltbetroffene Frauen, auf Wunsch auch mit Partner. Foto: © BHUMIKA Women's CollectiveDie TDF-Partnerorganisation berät gewaltbetroffene Frauen, auf Wunsch auch mit Partner. Foto: © BHUMIKA Women's CollectiveNari Adalats beschäftigen sich vor allem mit häuslichen und ehelichen Konflikten. Die Anklage kann dabei sowohl von einer Frau als auch von einem Mann ausgehen. Ziel ist es, Beweise zu sammeln, die die Sachlage klären, um anschließend den Konflikt zu lösen. Mediation spielt eine zentrale Rolle und beide Konfliktparteien werden umfassend in den Lösungsprozess einbezogen. Nach dem Urteil werden alle Fälle weiter betreut, um sicherzustellen, dass sich die Situation wirklich bessert.

Die Richterinnen in den Nari Adalats kommen aus unterschiedlichen Kasten und durchlaufen ein ausführliches Training vor ihrem Einsatz. Ihr Urteil hat Gewicht in den Dörfern und erhöht den sozialen Druck für ein gleichberechtigtes Miteinander und ein respektvolles Verhalten gegenüber Frauen. Obwohl die Gerichtsposten ausschließlich weiblich besetzt sind, wird immer wieder berichtet, dass die Rechtsprechung unvoreingenommen und geschlechtsneutral ausfällt.

 

Das BHUMIKA Women’s Collective schult zum Umgang mit Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt. Foto: © Gina RumsauerDas BHUMIKA Women’s Collective schult zum Umgang mit Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt. Foto: © Gina RumsauerKurz gefasst könnte man sagen, das BHUMIKA Women’s Collective leistet die Vorarbeit für die Nari Adalats.  Bei der indischen TDF-Partnerorganisation können sich gewaltbetroffene Frauen zu ihren Rechten und Handlungsmöglichkeiten beraten lassen und werden auf Wunsch bei der Anzeigeerstattung unterstützt. Ihren Fall können sie schließlich vor einem Nari Adalat verhandeln lassen, was auch viele Frauen machen, da sie sich dort ein faires Urteil erhoffen. Während die Nari Adalats durch Rechtsprechung wirken, stellt das BHUMIKA Women’s Collective durch die Sensibilisierung von PolizistInnen für Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt außerdem sicher, dass diese überhaupt aufgenommen und Betroffene nicht re-traumatisiert werden.

Unterstützen Sie unser Partnerprojekt in Indien, damit noch mehr Frauen aus gewaltvollen Beziehungen aussteigen und ihr Recht einfordern können!

 

Quellen:

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