Erfolgreiche zweite Staffel des Theaterprojekts „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ läuft an acht Schulen in Hessen

Theaterszene aus "Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?". Foto: © TERRE DES FEMMESTheaterszene aus "Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?". Foto: © TERRE DES FEMMES„Meiner Meinung nach gibt es keine Religionen, keine Sexualitäten usw. – alles was uns in Schubladen steckt. Es gibt nur den MENSCH!“ So reagierte eine Schülerin auf die Aufführung des Theaterprojekts „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ in der Heinrich-Mann-Gemeinschaftsschule in Dietzenbach. Das Projekt thematisiert Zwänge und eingeschränkte Selbstbestimmtheit, Homophobie und welche Folgen es haben kann, wenn die Ehre einer ganzen Familie vom Verhalten der Frauen und Töchter abhängt. In Kooperation mit der Beratungsstelle Mäander und der mobilen Bühne „Mensch: Theater!“ tourt TERRE DES FEMMES, dank einer Förderung des Hessischen Kultusministeriums, zum zweiten Mal durch Schulen in Hessen und diskutiert die realistischen Szenen mit den SchülerInnen.

„Wie siehst Du nur aus! Mit dem kurzen Rock gehst Du nicht auf die Straße, was sollen die Leute sagen?“ Diese Szene aus dem interaktiven Theaterstück „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ kennen viele der SchülerInnen, bei denen TERRE DES FEMMES zusammen mit der mobilen Bühne „Mensch: Theater!“ und der Darmstädter Beratungsstelle Mäander zur Zeit zu Gast ist. An insgesamt acht Schulen in Hessen wird das Theaterprojekt noch bis Mitte Dezember aufgeführt. TERRE DES FEMMES entwickelte es ursprünglich zusammen mit der Beratungsstelle Yasemin in Stuttgart und „Mensch: Theater!“ mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg. Nun wird es bereits zum zweiten Mal an Schulen in Hessen gezeigt. Finanziert wird diese zweite Staffel 2018 vom Hessischen Kultusministerium – tatkräftig unterstützt vom Netzwerk gegen Gewalt des Hessischen Innenministeriums.

Die obige Szene des interaktiven Theaterstücks „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ zeigt zunächst die scheinbar harmlose Diskussion zweier Geschwister mit ihrer Stiefmutter. Im Verlauf des eskalierenden Streits tritt jedoch die eigentliche Problematik zu Tage. Während der Bruder durchaus Freiheiten genießt, ist seine Schwester für den guten Ruf der Familie verantwortlich. Diese und weitere Szenen zeigen Alltagssituationen von Jugendlichen, die fast alle kennen. Es geht um Selbstbestimmung, um Freiheit über das eigene Leben zu entscheiden, ob und wen man heiraten möchte und welche katastrophalen Folgen es haben kann, wenn die gesamte Familienehre vermeintlich vom Verhalten der weiblichen Familienmitglieder abhängt.

Bereits während des eigentlichen Stücks wird über die einzelnen Szenen zum Teil heftig diskutiert. Im Anschluss werden einzelne Fragen vertieft, in Workshops mit den SchülerInnen reflektiert und besprochen - manche Gruppen spielen die Szenen nach. „Mir hat gefallen, dass wir über Themen geredet haben, über die man sich sonst nicht traut zu sprechen und über die wir auch in der Schule nicht reden“, meinte ein Schüler nach einer Aufführung. „Das Theater war sehr gut und realistisch. Ich habe fast alles, was sie gespielt haben, selbst erlebt“, so eine Schülerin.

„Was wir im Theaterstück gesehen haben, ist hier Alltag“, meint auch eine Lehrerin. Viele Lehrkräfte und SchulsozialarbeiterInnen wünschen sich Unterstützung im Umgang mit patriarchalem Denken im Klassenverband oder restriktiven Familienstrukturen, die SchülerInnen in ihrer Entwicklung hemmen. Sie möchten, dass die Schule ein Ort bleibt, an dem sich SchülerInnen entwickeln und ihre Stärken entdecken können, damit sie diese in einem selbstbestimmten Leben frei entfalten. TERRE DES FEMMES steht deshalb den Lehrkräften und SchulsozialarbeiterInnen parallel zu den Workshops für ein Gespräch zur Verfügung, bei dem auch Infomaterial zu Beratungsstellen und Unterrichtsmaterial für die Nachbereitung des Stücks verteilt wird.

 

 

Stand: 12/2018

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