Häusliche Gewalt bestimmt den Alltag vieler Frauen in Deutschland

Am 20. November 2018 stellte die Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey die „Kriminalstatistische Auswertung 2017 zu Partnerschaftsgewalt“ des Bundeskriminalamtes in Deutschland vor. In der Auswertung werden Straftatengruppen von leichter Körperverletzung, Bedrohung, Stalking, Sexueller Nötigung, Vergewaltigung bis hin zu Mord und Totschlag in Beziehung zum Opfer-Täter-Verhältnis erfasst. Insgesamt 138.893 Betroffene wurden demnach von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt für das Jahr 2017 polizeilich erfasst. In 82 Prozent der Fälle handelt es sich bei den Betroffenen um Frauen. Bei Delikten der Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Betroffenen fast zu 100 Prozent (98,29 Prozent) weiblich. Besonders alarmierend ist weiterhin die Anzahl der Tötungsdelikte an Frauen durch ihren (Ex-) Partner. 147 derartiger Tötungsdelikte wurden 2017 registriert. Das bedeutet: Jeden zweiten bis dritten Tag stirbt eine Frau in Deutschland durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners.

Das eigene Zuhause bleibt für viele Frauen der gefährlichste Ort. Zwischen 2013 und 2016 stieg die Zahl registrierter Betroffener von häuslicher Gewalt auf gut 133.000 Betroffene an. Ein Vergleich der Zahlen aus den Vorjahren ist nur eingeschränkt möglich, da in der Kriminalstatistik 2017 Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution und Zuhälterei als neue Deliktkategorien aufgenommen wurden. Fest steht allerdings, dass das Ausmaß häuslicher Gewalt nicht signifikant abnimmt. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Kriminalstatistik lediglich das polizeiliche Hellfeld abbildet. 80% der Gewalttaten gegen Frauen bleiben im Dunkeln. Des Weiteren belegt die neue Kriminalstatistik erneut, dass häusliche Gewalt in allen sozialen Schichten und kulturübergreifend stattfindet. 78,7 Prozent der männlichen Tatverdächtigen sind Deutsche.

Deutschland muss seinen menschenrechtlichen Verpflichtungen nachkommen und Frauen vor Gewalt schützen. Mehr Präventions- und Aufklärungskampagnen, aber auch eine deutlich bessere Ausstattung des Hilfesystems sind dringend notwendig. In vielen Bundesländern fehlt es an einem ausreichenden Angebot von Hilfeeinrichtungen. Gemäß dem Schlüssel der Istanbul-Konvention fehlen bundesweit 14.600 Schutzplätze für Frauen.

TERRE DES FEMMES begrüßt die Arbeitsaufnahme des Runden Tisches zur Weiterentwicklung von Unterstützungsangeboten von Bund, Ländern und Spitzenverbände am 18. September 2018 und hofft, dass der seit vielen Jahren geforderte Rechtsanspruch auf Hilfe bei Gewalt bald umgesetzt wird. Darüber hinaus fordert TERRE DES FEMMES die Ratifizierung der Istanbul-Konvention ohne Vorbehalte und ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen, das mit konkreten Maßnahmen und mit einem umfassenden Budget ausgestattet ist.

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Stand: 12/2018

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