Erste Verurteilung zu weiblicher Genitalverstümmelung in der Schweiz

Vor sechs Jahren bereits in Kraft getreten, wurde vergangene Woche erstmals das Strafgesetz zur Verurteilung von weiblicher Genitalverstümmelung in der Schweiz umgesetzt.

Vergangene Woche berichteten mehrere Schweizer Medien von einem symbolischen Rechtsurteil in der Schweiz: Demnach wurde zum ersten Mal seit Inkrafttreten des Artikel 124 zum Straftatbestand der weiblichen Genitalverstümmelung, eine Somalierin im Schweizer Kanton Neuenburg zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die in Neuenburg wohnhafte Somalierin hatte zwischen 2013 und 2015 Genitalverstümmelungen an ihren beiden Töchtern durchführen lassen. Besonders bemerkenswert in diesem Fall ist der Geltungsbereich des Schweizer Gerichtsurteils: Obwohl die Beschneidungen beider Mädchen in Somalia bzw. Äthiopien stattfanden, sieht der entsprechende Artikel im Strafgesetzbuch vor, dass im Ausland verübte Straftaten nach Schweizer Recht geahndet werden, wenn sich der/die TäterIn in der Schweiz befindet.

Hinzu kommt, dass der Artikel 124 einen Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren vorsieht. Doch laut Aussage der Neuen Zürcher Zeitung vom 12. Juli 2018, sei das Gericht der Frau mit einem milderen Urteil entgegengekommen, da diese zuvor wegen ihrer nicht beschnittenen Töchter unter großem sozialen Druck stand. Auf diese Weise wolle das Strafgericht Neuenburg Rücksicht nehmen auf die persönliche Situation der Somalierin, ohne jedoch die besondere Schwere der Tat zu vernachlässigen. Dieses Urteil ist ein erster Schritt, Genitalverstümmelung an Mädchen zu beseitigen und noch dazu ein Urteil von enormem symbolischen Charakter.

 

Stand: 07/2018

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