TERRE DES FEMMES fordert zum Tag gegen Prostitution am 5.10.: Keine Normalisierung von Prostitution als «Job wie jeder andere»

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Prostitution am 5. Oktober:
TERRE DES FEMMES fordert: Keine Normalisierung von Prostitution als «Job wie jeder andere»

 

Berlin, den 4. Oktober 2021.TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. fordert zum Internationalen Tag gegen Prostitution einen Richtungswechsel – politisch und gesellschaftlich darf Prostitution in Deutschland nicht länger als ein «Beruf wie jeder andere» behandelt werden.

"Die Gewalt, die die Frauen erleben, passiert hinter verschlossenen Türen, ohne Zeugen. Viele Frauen sind psychisch, sprachlich oder aus anderen Gründen nicht in der Lage, diese Gewalt zur Anzeige zu bringen.“,so Viktoria K., Mitfrau bei TERRE DES FEMMES und ehemalige Prostituierte. „Ich wünsche mir einen systemischen Blick. Prostitution ist nicht etwas, dass sich zwischen einer Prostituierten und einem Freier abspielt. Es ist ein System der Ausbeutung und der Gewalt und ein System braucht einen systemischen Blick und systemische Lösungen.“

 

TDF ist erschüttert, wie die tatsächlichen Verhältnisse in der Prostitution im öffentlichen Diskurs ignoriert oder gar beschönigt werden. Die Ansicht, dass Prostituierte in der Regel diesen „Beruf“ selbstbestimmt gewählt hätten, dominiert in der deutschen Gesellschaft und findet sich enstprechend in der deutschen Gesetzgebung wieder. Diese normalisiert den Umgang mit Prostitution und die Möglichkeit, einen Frauenkörper zu kaufen. Wenn dann andererseits aber jede Partei Ausstiegshilfen – zu Recht – als notwendig erachtet und z.B. ein Mindestalter von 21 Jahren und ein Verbot der Prostitution für Schwangere diskutiert wird, zeigt sich, dass es mit diesem „Job wie jedem anderen“ offenbar doch nicht so einfach ist: denn in welcher anderen Branche sind solche Maßnahmen notwendig?
Das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 sieht zwar bestimmte Schutzmechanismen für Frauen in der Prostitution vor, die jedoch viel zu oft nicht greifen. Lesen Sie hier die Antworten der Parteien auf die TDF-Fragen zum Thema Prostitution (Frage Nr.2). 

 

Viktoria K., die viele Jahre in der Prostitution gelebt hat und nun bei TERRE DES FEMMES und beim Netzwerk Ella aktiv für das Nordische Modell kämpft, sagte TDF: „Man muss dafür sorgen, dass Freier nicht ihr Geld dafür ausgeben können, dass Menschenrechte verletzt werden.“ Das Nordische Modell setzt bei der Nachfrage an und bestraft Sexkäufer, nicht Prostituierte. Es kriminalisiert Sexkäufer als diejenigen, die das Ausbeutungssystem Prostitution am Leben halten und davon profitieren.

Viktoria K. berichtet in dem Interview von ihrer Zeit in der Prostitution, von Gewalt und permanenter Angst, und darüber, wie schwer es für viele Prostituierte ist, vorhandene Hilfsangebote zu nutzen. Sie fordert, dass Sexkäufer in den Fokus rücken. Fast alle Frauen in der Prostitution, die sie über die Jahre kennenlernte, haben von Sexkäufern Gewalt erfahren. Viele der Frauen sind Mütter. Einige von ihnen leben nicht mehr.

Lesen Sie hier das ganze Interview.

Hintergrund und Links:

 

TERRE DES FEMMES setzt sich seit Jahren für die Einführung des Nordischen Modells ein, bei dem ein Sexkaufverbot mit effektiven Ausstiegshilfen für Prostituierte einhergeht. Die Einführung wäre die beste Alternative zur bestehenden Gesetzgebung. Das Nordische Modell, das in vielen Ländern seit Jahren eingeführt ist, kriminalisiert nicht die Prostituierten, sondern die Sexkäufer und die Bordellbetreiber.
TERRE DES FEMMES ist Gründungsmitglied des Bündnis Nordisches Modell und engagiert sich neben verschiedenen Kooperationen auch im Lenkungskreis des Brussel’s Call für die europaweite Einführung des Nordischen Modells.

 


Für denAbdruck des Interviews mit Viktoria K., die Verwendung der Tonaufnahme oder weitere Interviewanfragenmelden Sie sich bitte bei TERRE DES FEMMES, Lisa Kaiser, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 030/40504699-25, oder per E-Mail anpresse@frauenrechte.de