Rede von Mariam Wahed

Liebe Menschenrechtler & Menschenrechtlerinnen,
und liebe Frauen-Aktivisten,
ich begrüße Euch herzlich und freue mich sehr, heute zu Euch sprechen zu dürfen.

Foto Mariam WahedMariam WahedMein Name ist Mariam Wahed. Ich bin Deutsche mit einem afghanischen Hintergrund. Meine persönlichen Erfahrungen seit 25 Jahren, die Bedrohungen, Erniedrigung und Gewalt umfassen, haben mein Engagement für die
Menschenrechte und die Hilfe für Frauen und Kinder geprägt.

Im Laufe der Jahre habe ich mich in Deutschland in vielen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, TDF, Frauenhilfe Afghanistan e.V. und aktuell im National Kongress Afghanistan in Europa engagiert.

Am 27. September 1996 fängt der dunkelste Teil der Geschichte Afghanistan an. Mit pakistanischer Unterstützung und verdeckter Mitwirkung der Vereinigten Staaten, übernahmen die Taliban die Macht und schafften alle grundlegenden Menschenrechte der Frauen ab und erhoben folgende zutiefst menschen- und frauenfeindlichen Regelungen zum Gesetz:

  • Vollständiges Verbot für Frauen, außerhalb ihrer Häuser zu arbeiten.
  • Verbot für Frauen, Aktivitäten außerhalb ihres Hauses ohne die Begleitung männlicher Verwandter zu machen.
  • Verbot für Frauen, an Schulen, Universitäten oder anderen Einrichtungen zu studieren.
  • Verhüllungspflicht, öffentliches Auspeitschen von Frauen, die ihre Fußgelenke nicht verhüllten
  • Die Fenster der Häuser mussten angestrichen werden, damit man die Frauen von außen nicht sehen konnte.

Diese schreckliche Liste der Frauenrechtsverletzungen ist noch länger.
In dieser Zeit wurde meine verwitwete Schwester von einem Taliban mit Gewalt und Bedrohung zwangsverheiratet. Als die Amerikaner die Taliban besiegten, floh meine Schwester vor dem Taliban nach Kabul, aber der Taliban fand sie an der Bushaltestelle und tötete sie auf der Stelle.

Die Taliban haben auch meine zwei minderjährigen Nichten entführt und vergewaltigt und am Ende verheiratet. So ist die Situation.

Am 15. August 2021 stand die Welt leider wieder unter Schock, weil die Taliban wieder problemlos an die Macht kamen, als ob es geplant war mit organisierter Unterstützung der Amerikaner.
Somit wurde der Krieg gegen Radikalismus verloren.

Die Geschichte Afghanistans hat sich so im schlimmen Sinne wiederholt.
Nun wünsche ich mir, dass die deutsche Regierung, das frauenfeindliche Taliban-Regime, Feinde der Zivilisation, nicht anerkennt. Ansonsten bedeutet das Anerkennung der Täter des gewalttätigen Regimes für uns Menschenrechtlerinnen und die Welt wird zum Mittäter.

Als Pädagogin ist mir immer besonders bewusst, wie wichtig Bildung gerade für Frauen und Mädchen ist, um ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.
Wenn in einem Land Diktatur von Taliban herrscht, haben die Frauen keine Rechte auf Sicherheit, auf Gesundheit, auf Bildung, auf Arbeit, auf Selbstbestimmung, und sogar auf freie Wahl der Ehepartner.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.