Lesetipps zum Thema häusliche und sexualisierte Gewalt

Rita Segato: Femizid

Der Frauenkörper als Territorium des Krieges

Unrast Verlag, Münster, 2022, 285 Seiten, 19,80 €2022 Segato Femizid

Die brasilianisch-argentinische Anthropologin, Schriftstellerin und Feministin Rita Laura Segato hat mit ihrem neuen Werk eine Schrift veröffentlicht, die mit der Untersuchung von Femiziden auf eine neue systematische Form von Gewalt gegen Frauen aufmerksam macht. Der von ihr als „globaler Krieg gegen Frauen“ beschriebene Zustand äußert sich als eine Form der Gewalt des Patriarchats, das somit seine Macht und Souveränität über den Frauenkörper ausdrückt.
Segato nennt den weiblichen Körper die erste Kolonie der Geschichte und die somit am längsten bestehende politische Struktur der Menschheit. Ihre Ethnografie analysiert die unvergleichlich hohe Femizidrate in der mexikanischen Stadt Ciudad Juaréz als Höhepunkt der weltweiten Morde an Frauen, die häufig nicht aufgeklärt, verfolgt oder als strukturelles Problem gesehen werden. Dagegen müssen wir ankämpfen - durch die die Lenkung der Taten weg vom Privaten hin zur politischen Öffentlichkeit.

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Antje Joel: Prügel

Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt

Rowohlt Hamburg, 2020. 336 Seiten.2020 Joel Prugel

„Wenn du dir so was auch bieten lässt“, muss sich die 16-Jährige von ihrer Mutter vorhalten lassen. Damit kommentiert diese lapidar die Schläge, die ihre Tochter von ihrem 10 Jahre älteren Partner regelmäßig bezieht. Selber schuld also. Mit dieser Einstellung, steht die Mutter nicht allein da. Die Gesellschaft sieht in erster Linie das Opfer in der Pflicht für die erlittenen Schmerzen, der Täter* wird aus der Verantwortung entlassen.

Antje Joel hat zwei gewalttätige Beziehungen hinter sich. Dennoch will sie mit „Prügel“ kein „Opferbuch“ schreiben. Ihr Buch ist auch nicht die einmalige Geschichte einer von häuslicher Gewalt geprägten Biografie. Es ist die ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt, die sich ähnlich unendlich oft überall auf der Welt abgespielt haben könnte.

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Doris Wind: Eine unfassbare Sehnsucht

Autobiographische Erzählung

Christel Göttert Verlag Rüsselsheim, 2021. 221 Seiten, 17,- €2021 DorisWind Unfassbare Sehnsucht

„Die böse Hexe meiner Kindheit hieß ‚mein Großvater‘ und lag nicht unter meinem Bett, sondern ich in seinem.“

Damit ist alles gesagt, was die Lebensqualität einer Frau zerstört – wenn sie nicht die Kraft und die Hilfe findet, sich von ihrem Trauma zu erlösen.

Während ich das Buch von Doris Wind lese, erfahre ich, dass ich kaum etwas über die Qualität eines Traumas weiß. Wie fühlt es sich an, wenn ein Kind völlig gelähmt in Gedanken und Bewegungen, darüber hinaus von der Mutter geschlagen, unfähig zur Gegenwehr zum Spielball erwachsener Libidinisten wird, wenn die zaghaften Versuche sich im Kindergarten der Abholung durch den Großvater zu entziehen als ungezogen getadelt oder in späteren Jahren von der Ungeheuerlichkeit dieser Untaten zu sprechen als bösartige Unterstellung - so unisono die Mutter und die Schwester - auf sie zurückprallt und sie nochmals schändet.

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Laura Backes und Margherita Bettoni: Alle drei Tage

Warum Männer Frauen töten und was wir dagegen tun können

Deutsche Verlags-Anstalt, München 2021, 208 Seiten2021 Backes Bettoni AlleDreiTage

Der Titel des Buches der Journalistinnen Laura Backes und Margherita Bettoni ist nicht zufällig gewählt: Denn alle drei Tage wird laut staatlicher Statistik in Deutschland eine Frau von einem Partner oder Ex-Partner getötet, weil sie eine Frau ist. Diesen Tötungen liegen patriarchale Macht- und Gedankenmuster zugrunde, die sich durch alle gesellschaftlichen Schichten ziehen, legen Backes und Bettoni in ihrem Buch dar.

In sieben Kapiteln zeigen die Autorinnen verschiedene Aspekte auf, die im Zusammenhang mit Femiziden stehen. Unter anderem geht es hier um Besitzansprüche, die Rechtslage zur gezielten Tötung von Frauen, Präventionsarbeit und gängige Muster bei Femiziden. Zwischen den theoretischen Analysen finden sich im Buch verteilt Erfahrungsberichte von den Tätern selbst und von Frauen, die einen Tötungsversuch überlebt haben. Diese eindrücklichen Berichte vergegenwärtigen den Lesenden immer wieder, dass hinter den Zahlen und Analysen menschliche Schicksale stehen.

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Simone Schmollack: Und er wird es wieder tun

Gewalt in der Partnerschaft

Westend Verlag GmbH, Frankfurt/ Main 2017. 239 Seiten. 18,00 €.2017 Schmollack

„Mir passiert so etwas nicht.“ Jede vierte Frau erlebt häusliche Gewalt oder Partnerschaftsgewalt, darüber geredet wird jedoch kaum. Mit ihrem Buch versucht Simone Schmollack dieses Schweigen zu brechen und mögliche Auswege aus der Gewaltspirale aufzuzeigen.

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