Sieben Mythen der Prostitution

In den Medien und der deutschen Öffentlichkeit kursieren eine Vielzahl von Annahmen und Mythen über Prostitution. Diese Mythen führen zu einem verzerrten Bild der Prostitution in Deutschland, denn sie haben kaum etwas mit der Lebensrealität der Frauen in der Prostitution zu tun. TERRE DES FEMMES entkräftet hier sieben dieser gängigen Mythen.

Mythos 1: Prostitution bedeutet die Verwirklichung der sexuellen Freiheit und der sexuellen Selbstbestimmung der Frau.

TERRE DES FEMMES e.V. setzt sich ausdrücklich für die sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung von Frauen ein. 

Bei Prostitution geht es jedoch nicht darum, ob oder mit wem Frauen Sex haben wollen oder dürfen, sondern ob Männer sexuelle Handlungen mit Frauen kaufen dürfen.[i]

Es geht insoweit um die sexuellen Wünsche der Sexkäufer, nicht um die Prostituierte und deren Sexualität. Durch die Geldzahlung an die Prostituierte[ii] erkauft sich der Sexkäufer Zugang zu ihrem Körper. Was sich dann beim Vollzug des Geschehens abspielt, ist häufig durchsetzt von männlicher Aggression, Demütigungen, Beschämungen, Misshandlungen und Gewalt gegen die prostituierte Frau. Das zeigen Berichte von Betroffenen und Aussteigerinnen[iii] genauso wie die (anonymen) Äußerungen von Sexkäufern in den Freierforen[iv] und wissenschaftliche Studien zur Freierforschung[v].

Frauen in der Prostitution sind in deutlich höherem Maße von Gewalt betroffen als die weibliche Gesamtbevölkerung Deutschlands[vi]. Die negativen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen – körperlich wie seelisch – sind erheblich.[vii]  Um diese Belastungen überhaupt aushalten zu können, nehmen viele Frauen Drogen, Alkohol und Psychopharmaka oder spalten sich mental von dem Geschehen ab (Dissoziation, vgl. auch Mythos 2).[viii] Von freier und selbstbestimmter Sexualität der Prostituierten kann hier nicht gesprochen werden.[ix]

TDF fordert daher einen Perspektivwechsel. Nicht die Regulierung der Prostitution, sondern die Bekämpfung ihrer Ursachen muss im Mittelpunkt des politischen und gesellschaftlichen Handelns stehen. Die Eindämmung der Nachfrage durch Sexkäufer und das Geschäft der Profiteure, d.h. Zuhälterei, Bordellbetrieb und Menschenhandel, müssen Ziel der Gesetze und ihrer Umsetzung sein.[x][xi] Ohne Sexkäufer gäbe es keine Prostitution.

Sexkauf muss verboten werden – bei gleichzeitiger finanzieller, aufenthaltsrechtlicher und psychosozialer Unterstützung der Frauen.

TERRE DES FEMMES 

  • stellt sich klar gegen eine Kriminalisierung der Prostituierten und

  • fordert ein Sexkaufverbot, welches sich direkt an die Nachfrageseite wendet: die Sexkäufer.


[i] Da der überwiegende Großteil Prostituierter weiblich und der Großteil der Sexkäufer, Profiteure und Täter männlich ist, haben wir uns dazu entschieden, diese

Begriffe nicht zu gendern. Das dient der präzisen Beschreibung struktureller Realitäten und spiegelt die geschlechtsspezifischen Dynamiken im Kontext von Prostitution, Menschenhandel und geschlechtsspezifischer Gewalt wider.

[ii] Oder an ihre finanziellen Profiteure (Zuhälter, Bordellbetreiber, Menschenhändler,…)

[iii] Mau, H., Entmenschlicht, S. 95ff; Bayerischer Landtag, Ausschuss für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie, 65. Sitzung, 12. Mai 2022, Anhörung „Situation der Prostituierten in Bayern“; Anlagen 7&15

[iv] https://dieunsichtbarenmaenner.wordpress.com, abgerufen am 08.06.2025; Mau,H.: Entmenschlicht, Beispiele S.130 ff; 

[v] Farley et al.: Männer in Deutschland, die für Sex zahlen, Berlin 2022. https://prostitutionresearch.com/wp-content/uploads/2022/11/Freier-Germany-11-8-22.pdf; Feministisches Bündnis Heidelberg (Hrsg.), Was kostet eine Frau, S.69ff-Claudine Legardinier, Der „Freier“ im Brennpunkt der Kritik.     

[vi] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, März 2013 Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland, Seite 24-27   

[vii] Mack/Rommelfinger (Hrsg.), Sexkauf, Kap.3.4., Med. Folgewirkungen (S.145ff); Honeyball: Bericht über sexuelle Ausbeutung und Prostitution, 2014, S.10.; Farley: Prostitution and the Invisibility of Harm, 2003, S. 19-23.; Paulus,M.: Hure oder Opfer, www.kriminalpolizei.de, Ausg. März 2017, Seite 2;  Rössler, W. et al. (2010): The mental health of female sex workers. Acta Psychiatr Scand 2010: 1–10; Solwodi Deutschland, G. Schönborn: Bundestag, Ausschuss Familie, Senioren, Frauen und Jugend Anhörung zu „Sexkauf bestrafen“ am 23.9.2024, Anlagenkonvolut; https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw39-pa-familie-prostitution-1013786

[viii] Kraus 2022, menschenhandel-und-prostitution-aus-psychotraumatologischer-sicht https://www.trauma-and-prostitution.eu, S. 4.; Mack/Rommelfinger, a.a.O. S.157ff; Dr.Schmidt-Hagemeyer, Bundestag 2024 a.a.O.

[ix] Siehe hierzu auch die Stellungnahmen aus kriminologischer, medizinischer und psychiatrischer Perspektive: Mack, Rommelfanger, a.a.O., S. 127ff; Juraschek, Elise et al.: The Reconsecration of the Self; 2024. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38505932/

[x]; Häggström, Simon: Auf der Seite der Frauen; dtschspr. Ausgabe Neudorf 2025.; Mack/Rommelfanger: a.a.O div. Stellungnahmen S. 127ff 

[xi] Zur Wirksamkeit des „Nordischen Modells“ vgl. Drobnik, Jakob: Nordisches Modell und Menschenhandel, Universität Erfurt. 2025

Mythos 2: Die Prostituierten machen das doch freiwillig

Das öffentliche Bild der Frauen in der Prostitution wird vorwiegend durch die Medien geprägt. Im Diskurs sind nur solche Frauen sichtbar, die die Freiheit und die Ressourcen haben, sich öffentlich zu äußern.

Frauen in der Prostitution wird oft eine freiwillige Tätigkeit unterstellt. Dies ist im überwiegenden Teil nicht der Fall. Es ist bekannt, dass die Mehrzahl der Frauen in der Prostitution sich diese Tätigkeit nicht selbst ausgesucht hat, sondern die Frauen sich in einer ausweglosen Situation befinden. Sie stammen überwiegend aus Ländern und Regionen, die von Armut, struktureller Ungleichheit und begrenzten wirtschaftlichen Perspektiven geprägt sind (z. B. Teile Südosteuropas, Subsahara-Afrikas und Asiens) (1). Armutsprostitution ist keinesfalls freiwillig. Durch viele Studien konnte zudem belegt werden, dass Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalterfahrungen in der Kindheit sowie sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung, Obdachlosigkeit oder Drogen- und Alkoholmissbrauch das Risiko erhöhen, dass Frauen der Prostitution nachgehen. (2) 

Frauen, die als Kind Gewalterfahrungen ausgesetzt waren, haben aus der Not heraus dissoziiert, d.h. es kam zu einer Abspaltung von Gefühlen, um den körperlichen und seelischen Schmerz nicht mehr zu spüren. Ihr Körper wurde benutzt und wie ein Gegenstand behandelt: nicht ihr Wille, sondern der Wille des/der TäterIn zählte. Dadurch wurden sie später ein leichtes Opfer für Zuhälter und Täter jeglicher Art. (3)

So entstehen neue Abhängigkeiten z.B. vom Zuhälter oder Bordellbetreiber. Die Loverboy-Methode ist beispielsweise eine Methode, um Mädchen und junge Frauen durch das Vorspielen einer Liebesbeziehung emotional abhängig zu machen und in die Prostitution zu bringen. Zu diesen Abhängigkeiten kommen häufig noch andere Abhängigkeiten wie z.B. von Drogen, Alkohol und Medikamenten. Von Freiwilligkeit kann hier nicht die Rede sein, denn in der Prostitution geht es um sexuelle Ausbeutung. Die meisten Frauen wollen eine gewisse Zeit in der Prostitution bleiben und wieder aussteigen. (4). Oftmals fehlt es jedoch an Perspektiven für einen Ausstieg und zielgruppenspezifischen Hilfsangeboten. (5) Hinzu kommt, dass Zwang, Kontrolle und Gewalt einen Ausstieg erschweren können.

Die Bundesregierung räumt ein, dass es „eine soziale Realität (ist) dass viele Prostituierte sich in einer sozialen und psychischen Situation befinden, in der es fraglich ist, ob sie sich wirklich frei und autonom für oder gegen diese Tätigkeit entscheiden können“. (6) Trotzdem betrachtet das Prostituiertenschutzgesetz Prostituierte, die aus solchen Gründen in die Prostitution geraten, als freiwillige Prostituierte. (7) In einer Studie, die rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution betreffend, kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass der Gesetzgeber fälschlicherweise immer noch von Freiwilligkeit in der Prostitution ausgehe. Sie stellen nach einer verfassungsrechtlichen Untersuchung fest, dass die autonome Selbstbestimmung vor und während des sexuellen Aktes nicht gegeben sei. (8) Bei Prostitution handelt es sich um Fremdbestimmung, Entwürdigung, Menschenrechtsverletzung, Gewalt und Erniedrigung von Menschen, die durch Dritte verursacht wird. Im System Prostitution geht es um die sexuelle Ausbeutung von besonders vulnerablen Frauen. (9)

 

  1. Statistisches Bundesamt: Pressemitteilungen 240 v.3.7.2025, Anmeldungen nach dem ProstschG.; Honeyball: Bericht, S.18., Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art.3 II GG,2010, S. 10.
  2. BMFSFJ: Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland; 2004. https://www.bmfsfj.de/blob/84328/0c83aab6e685eeddc01712109bcb02b0/langfassung-studie-frauen-teil-eins-data.pdf
  3. Wöller: Traumawiederholung und Reviktimisierung, 2005, S. 84; Peichl: Innere Kritiker, Verfolger und Zerstörer, Klett-Cotta, 2013.
  4. Farley: Prostitution and Trafficking in 9 Countries, 2003, S. 34; Honeyball: Bericht über sexuelle Ausbeutung und Prostitution, 2014, S. 14.
  5. BMFSFJ: Bericht Auswirkungen ProstG, 2007, S.32.; Honeyball: Bericht, 2014, S. 14; Kraus: Karlsruher Apell für eine Gesellschaft ohne Prostitution, Prostitution und Freiwilligkeit, Emma, 2013; Olbricht: Wege aus der Gewalt gegen Frauen. CH Beck 2004.
  6. BMFSFJ. Bericht Auswirkungen ProstG, 2007, S. 10
  7. Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen ProstG und Art. 3 II GG, 2010, S.13.
  8. Mack, Rommelfanger: Sexkauf. Eine rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution, Nomos Verlag, 2023
  9. Bissinger: Körperliche Schäden der Prostitution – Bericht einer Frauenärztin aus der offenen Arbeit. Abolition 2014; Huber: Trauma und Prostitution aus traumatherapeutischer Sicht, 2015; Kreuzer: HEILIGE und HURE – die beiden Seiten weiblicher Sexualität, BoD, 2024; Reem Alsalem: Prostitution und Gewalt gegen Frauen und Mädchen - Bericht der Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen und Mädchen, ihre Ursachen und Folgen. 2024; Nr. A/HRC/56/48; t.co/PKW4FMIDQX (inoffizielle deutsche Übersetzung); Coalition for the Abolition of Prostitution (CAP): Last Girl first! Prostitution at the intersection of sex, race & class-based oppressions; A research conducted by Héma Sibi.2022

Mythos 3: Prostitution ist eine Arbeit wie jede andere

Heutzutage wird in der deutschen Politik und in den Medien vorwiegend von Prostitution als Arbeit gesprochen, zum Teil sogar von einer Arbeit wie jede andere. Der Begriff „Sexarbeit“ bzw. „SexarbeiterInnen“ suggeriert eine Normalität der Prostitution. Er erscheint vordergründig manchen Menschen respektvoller als der Begriff der Prostitution. Man will prostituierte Frauen nicht als Opfer stigmatisieren, sondern ihre Handlungsfähigkeit und einen Anspruch auf Arbeitsrechte unterstreichen.[i]  Aber damit wird die Realität der Prostitution negiert. 

Der Begriff „Sexarbeit“ verharmlost die dem Prostitutionssystem innwohnende Gewalt und blendet die vielfältigen Zwänge aus. Er unterstützt somit die Werbung für die Legalität der Zuhälterei und des Kaufs sexueller Handlungen[ii]. Für die meisten Betroffenen ist Prostitution jedoch weder „Sex“, noch „Arbeit“.

Der Alltag in der Prostitution ist selten selbstbestimmt. Viele Frauen in der Prostitution sind massivem Druck ausgesetzt und leiden unter verstärkten Ängsten: Angst vor Gewalt von Sexkäufern, Zuhältern oder Bordellbetreibern, Angst davor, schwanger oder krank zu werden, Angst vor der Ausweisung oder Abschiebung sowie Angst, nicht genug Geld zu verdienen.[i]. Diese Ängste sind berechtigt. Ein Großteil der prostituierten Frauen ist wiederholt psychischer und physischer Gewalt, Vergewaltigungen und Erniedrigungen seitens der Zuhälter oder Sexkäufer ausgesetzt.

Frauen in der Prostitution sind zudem in deutlich höherem Maße von Gewalt betroffen als die weibliche Gesamtbevölkerung Deutschlands. Eine Studie des BMFSFJ ergab, dass 41 % der befragten Frauen in der Prostitution körperliche und/oder sexuelle Gewalt im Zusammenhang mit der Prostitution erfahren haben. Mehr als 50 % der Befragten wurden bereits Opfer einer Vergewaltigung, 68 % haben Gewalt mit Lebensbedrohung erlitten.  Ein weiteres Ergebnis war, dass Frauen in der Prostitution in besonderem Maße von Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und Jugend betroffen sind. Die meisten Gewalttaten gegen prostituierte Frauen werden durch Sexkäufer begangen, weitere häufige Täter sind Zuhälter, Menschenhändler und (Ex-)Partner. Die negativen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen – körperlich wie seelisch – sind erheblich.[ii] Seit dem Jahr 2000 sind in Deutschland 118 Morde an Prostituierten dokumentiert.[iii]

Prostitution als eine „Arbeit wie jede andere“ oder überhaupt als “Arbeit“ zu bezeichnen, ist angesichts der Realität in der Prostitution nicht angebracht. Denn Arbeitsrechte, die in anderen Bereichen vorgeschrieben sind, können innerhalb des Systems Prostitution gar nicht umgesetzt werden. Gesetzliche Arbeitsrechte wie Sozial- und Rentenversicherung, Tariflöhne, Arbeitszeiten, Arbeitslosenhilfe, Arbeitsbedingungen und Schutzbestimmungen/Arbeitsschutz haben keine Entsprechung in der Realität [iv]. In keiner anderen Arbeit werden Geschlechtskrankheiten, ungewollte Schwangerschaften und tätliche Übergriffe durch „Kunden“ als Berufsrisiko hingenommen. Schutzgesetze vor sexualisierter Gewalt und Diskriminierung greifen in der Prostitution nicht. Im Gegenteil. Sexuelle Übergriffe und demütigende Äußerungen sind Bestandteil des „Geschäfts“. Das System Prostitution ist von Gewalt an Frauen nicht zu trennen.

Prostitution ist menschenverachtend und insbesondere frauenfeindlich. Diese Auffassung stützen auch internationale und europäische Abkommen sowie ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte[v]. Auch der Bericht der UN-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen und Mädchen kommt 2024 zu dem Ergebnis, dass Gewalt dem System der Prostitution immanent ist. Prostitution stellt folglich ein Hindernis für die Gleichstellung der Geschlechter dar.“[vi]


[ii] COALITION FOR THE ABOLITION OF PROSTITUTION (CAP): LAST GIRL FIRST! PROSTITUTION AT THE INTERSECTION OF SEX, RACE & CLASS-BASED OPPRESSIONS; A RESEARCH CONDUCTED BY HÉMA SIBI. 2022. ISBN 978-2-95821188-0-5; Ekman, Kajsa Ekis: Ware Frau  Prostitution, Leihmutterschaft, Menschenhandel, Dt. Übersetzung Berlin 2016; Kienesberger, Anita: Fucking Poor – Was hat “Sexarbeit mit Arbeit zu tun? Eine Begriffsverschiebung und die Auswirkungen auf den Prostitutionsdiskurs, Hamburg 2014

[i] Europäischen Parlaments Erschließung vom 14. September 2023 zur Regulierung der Prostitution in der EU: ihre grenzübergreifenden Auswirkungen und ihr Einfluss auf die Gleichstellung und die Frauenrechte (Noichl Report); https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-9-2023-0240_EN.html;https://www.spiegel.de/panorama/prostitution-scelles-weltreport-prangert-missbrauch-an-a-1096450.html; Heide, Wolfgang: Stellungnahme von Wolfgang Heide, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, zur öffentlichen Anhörung zur „Regulierung des Prostitutionsgewerbes“ im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Gesundheit im Deutschen Bundestag am 06. Juni 2016. http://www.trauma-and-prostitution.eu/2016/06/05/stellungnahme-von-wolfgang-heide-facharzt-fuer-gynaekologie-und-geburtshilfe/#more-639

[ii] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Bericht der Bundesregierung zu den Auswirkungen des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten, 2007, S. 79 ff.; Melanie; Tschöke, Stefan; Gleixner, Judith: Sexarbeit und psychische Gesundheit. Zwischen Selbstbestimmung, Traumafolgen und Reviktimisierung. In: TRAUMA & GEWALT, 15, S. 296–314, 2021.DOI: doi.org/10.21706/tg-15-4-296 ; Deutsche Aidshilfe: Was brauchen Sexarbeiterinnen für ihre Gesundheit? Eine qualitativ-partizipative Studie zu den gesundheitlichen Bedarfen von Sexarbeitenden in Deutschland.* Forschungsbericht der Studie »Sexuelle Gesundheit und HIV/STI-Präventionsstrategien und -bedarfe von Sexarbeitenden«. Berlin, 2024. URL: www.aidshilfe.de/medien/md/was-brauchen-sexarbeiterinnen-fuer-ihre-gesundheit [Abrufdatum: 07.05.2025]

[iii] https://sexindustrykills.de/2025/01/01/overview-germany/

[iv] Arbeit“ impliziert zunächst eine „Anstellung“. In der legalisierten Prostitution in Deutschland sind jedoch kaum Frauen in einem Angestelltenverhältnis. Lt. Evaluation des ProstG des BMFSFJ von 2007 unter 1 %. Betreiber fungieren als „Vermieter“ und nicht als Arbeitgeber, die prost. Frauen als „Selbständige“. Der Bericht stellt fest, dass die Legalisierung der Prostitution weder die Sicherheit noch irgendwelche anderen Arbeitsbedingungen der Prostituierten verbessert habe und dass es nicht gelungen sei, die Zahl der prostitutionsbezogenen Verbrechen zu verringern. Tatsächlich habe die Legalisierung sogar den Ausstieg aus der Prostitution erschwert. https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/84046/f0c60f25ee8cd96f2560be3b070d7b05/bericht-bureg-auswirkungen-prostitutionsgesetz-data.pdf. An dieser Situation gibt es bis heute keine grundlegende Änderung. https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/service/publikationen/evaluation-des-gesetzes-zur-regulierung-des-prostitutionsgewerbes-sowie-zum-schutz-von-in-der-prostitution-taetigen-personen-prostituiertenschutzgesetz-prostschg--266228 

[v] Mack, Elke & Rommelfanger, Ulrich: Sexkauf: Eine rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution. Nomos Verlag, 2023.; UN-Konvention von 1949; CEDAW-Abkommen 1979; Entschließung des Europäischen Parlaments P9_TA (2023)0328 („Noichl-Report“); OSCE – Office for Democratic Institutions and Human Rights: Gutachten zu deutschen Gesetzen zum Thema Prostitution und Menschenhandel, Warschau, 15. Dezember 2022, Gutachten-Nr.: TRAFF-GERM/417/2021.; EGMR: Urteil vom 25.07.2024, Aktenzeichen 63664/19 („M.A. und andere gegen Frankreich“); 

[vi] Alsalem, Reem: Prostitution und Gewalt gegen Frauen und Mädchen – Bericht der Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen und Mädchen, ihre Ursachen und Folgen, 2024, UN-Dok. Nr. A/HRC/56/48

Mythos 4: Prostitution verhindert Vergewaltigungen, Männer brauchen ein Ventil für ihre sexuelle Bedürfnisse

Die Annahme, dass Männer im Vergleich zu Frauen einen stärkeren oder anderen Sexualtrieb haben, trifft nicht zu.[i]

Diese trotzdem weit verbreitete Annahme des starken männlichen Sexualtriebs geht häufig einher mit der Behauptung, dass Männer Zugang zu sexuell verfügbaren Frauen haben müssen, da dadurch Vergewaltigungen verhindert würden. Aus dem angeblich vorhandenen, starken männlichen Sexualtrieb ein Recht auf Prostituierte abzustellen, bedeutet, dass sich bestimmte Frauen zu opfern haben – u. a. ihre eigene Sexualität unterdrücken müssen – damit Männer ihre Lust ausüben können.[ii] Diese nutzen den Körper der Prostituierten, um ihrer eigenen Befriedigung nachzukommen.[iii]

Das Argument der angeblichen Prävention von Vergewaltigung durch das System Prostitution basiert auf der zynischen Behauptung, dass ein besonders verletzlicher Teil der Gesellschaft – Frauen in der Prostitution – für sexuelle Handlungen verfügbar sein müssen, damit andere Frauen nicht vergewaltigt werden. Der Mythos, dass Prostitution Vergewaltigung vorbeuge, suggeriert zudem, dass Prostituierte nicht vergewaltigt werden könnten. Gerade Prostituierte sind jedoch einer extrem hohen Gefahr ausgesetzt, vergewaltigt zu werden – von Zuhältern und Sexkäufern gleichermaßen. 

Studien in mehreren Ländern kommen zu dem Ergebnis, dass ca. 60-75 % der befragten Prostituierten einmal oder mehrmals vergewaltigt worden sind.[i] Die Tätigkeit als Prostituierte weist ein besonderes hohes Risiko auf, Opfer von Gewaltstraftaten zu werden.[ii]

Der Mythos, dass Prostitution Vergewaltigungen verhindere, basiert auf sexistischen und zutiefst problematischen Annahmen. Wir haben alle ein Recht auf unsere Sexualität, aber davon leitet sich kein Recht auf Sex mit anderen ab. Kein noch so starker Sexualtrieb könnte ein Argument sein, um ein ausbeuterisches System zu dulden bzw. zu begünstigen, das in der Realität die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen unterwandert. Der Sexkäufer kauft Sex, aber es geht um Machtausübung gegenüber Frauen. Dies spiegelt sich im frauenverachtenden Frauenbild vieler Sexkäufer wider, wie sogenannte „Freier-Foren“ besonders ungeschminkt zeigen.[iii] Die Aussagen über Prostituierte sind in der Regel nicht nur vulgär, sondern oft auch abwertend und gewaltverharmlosend. Eine Studie gibt sogar Hinweise darauf, dass Männer, die Sex kaufen, mit höherer Wahrscheinlichkeit als Männer, die keinen Sex kaufen, auch außerhalb der Prostitution sexuelle Gewalt ausüben.[iv]

Die legale Prostitution macht diese nicht sicherer. Sie verringert nicht die Gewalt gegen Frauen.


[i] Farley:BadfortheBody,BadfortheHeart,2004,S.1094f

[ii] Mack/Rommelfinger (Hrsg.), Sexkauf, Kap 3.5.2, S. 173 ff; Alder, Stephan, Prostitution macht krank! 2020, In: Brandenburgisches Ärzteblatt 9, 2020. Aufsatz Seite 24.

[iii] https://dieunsichtbarenmaenner.wordpress.com, abgerufen am 08.06.2025

[iv] Heilman, B.; Hebert, L.; and Paul-Gera, N. The Making of Sexual Violence: How Does a Boy Grow Up to Commit Rape? DC: Promundo 2014.https://www.icrw.org/publications/the-making-of-sexual-violence/

 

Mythos 5: Prostituierte verdienen viel Geld

Die meisten Frauen in der Prostitution verdienen nicht viel Geld. Zwischen 10 und 50 Euro pro Sexkäufer sind auf dem Straßenstrich und im Bordell üblich, bei extrem hohen „Mietkosten“ von täglich 120 bis 180 Euro für ein Zimmer im Bordell.[i] Wegen der hohen Konkurrenz sind Prostituierte immer mehr Druck ausgesetzt und können aufgrund des ökonomischen Drucks den Sexkäufern oft keine Grenzen setzen, so dass sie teilweise auch gefährliche und erniedrigende Praktiken in Kauf nehmen müssen.[ii] Einen hohen Teil ihrer Einkünfte müssen Prostituierte an Zuhälter abgeben.[iii] In Deutschland ist Zuhälterei erlaubt, so lange dabei nicht mehr als 50 % des Umsatzes einbehalten werden. Erst dann gilt die Zuhälterei als ausbeuterisch und ist strafbar. Der Nachweis ausbeuterischer Zuhälterei ist für Behörden kaum zu führen.[iv]

Viele prostituierte Frauen werden zudem von Profiteuren wie Zuhältern und Menschenhändlern in einer Art Schuldknechtschaft gehalten. Sie müssen überteuerte „Leistungen“ wie Transportkosten, Zimmermieten und Werbung aufbringen. Aus diesem Kreislauf können sie häufig nicht entkommen und werden nie schuldenfrei.[v]

Selbst wenn Prostituierte viel Geld verdienen würden, wäre es trotzdem zutiefst problematisch, Existenzsicherung um den Preis von Erniedrigung, Missbrauch und Gewalt als Emanzipation oder gar Empowerment anzupreisen. TERRE DES FEMMES sieht Prostitution zur Existenzsicherung als Zwang an. Es ist ein Anzeichen für wirtschaftliche Ungleichheit, eine fehlende Gleichstellung der Geschlechter und ein unzulängliches soziales Netz in Deutschland, dass Frauen sich gezwungen sehen, zur Existenzsicherung in der Prostitution tätig zu sein. Daher fordert TERRE DES FEMMES dringend die flächendeckende und nachhaltig finanzierte Einrichtung von Ausstiegsprogrammen für Prostituierte, ein Sexkaufverbot zur Eindämmung der Nachfrage und das Verbot von Zuhälterei und Bordellbetrieb zum Austrocknen der Profite Dritter.

[i] Kraus: Prostitution, 2016, S. 3.; Heide: Stellungnahme zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes, 2016 sowie mdlche Auskünfte von Beratungsstellen; Schon, Manuela: Ausverkauft. Hamburg 2021.

[ii] Bayerischer Landtag, Ausschuss für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie, 65. Sitzung, 12. Mai 2022, Anhörung „Situation der Prostituierten in Bayern“; Anlagen 1, 2, 7 & 20

[iii] Schulze: Sexuelle Ausbeutung und Prostitution, 2014, S. 6; Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen ProstG und Art. 3 II GG, 2010, S. 61f. l

[iv] Heide: Stellungnahme zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes, 2016.

[v] A Bayerischer Landtag, Ausschuss für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie, 65. Sitzung, 12. Mai 2022, Anhörung „Situation der Prostituierten in Bayern“; Anlagen 7 & 20; Deutscher Bundestag, Ausschuss Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Anhörung zu „Sexkauf bestrafen, 73. Sitzung 2024, Stellungnahme Neustart e.V.

Mythos 6: Sexkäufer können doch auch nette Männer sein

Viele Menschen stellen sich Sexkäufer als sexuell frustrierte, isolierte Männer vor, die in keiner Beziehung sind und keinen Kontakt zu anderen Frauen haben. Oder aber es herrscht das Bild des „netten Sexkäufers“, der den Frauen etwas Gutes tut, sie aus der Armut befreit und Betroffene von Menschenhandel unterstützen kann. Die Realität sieht anders aus. 

Aus einer Befragung von Sexkäufern in Deutschland ist hervorgegangen, dass sie aus allen Schichten der Gesellschaft und Bildung kommen. Das Alterssegment erstreckte sich von 18-89 Jahren und mehr als die Hälfte der Befragten waren in einer Beziehung oder verheiratet.[i] Eine spanische Studie stellt fest, dass immer mehr junge Männer Prostitution als Freizeitgestaltung ansehen und Frauen und Mädchen als Sexspielzeug betrachten.[ii]

Frauen in der Prostitution sind in deutlich höherem Maße von Gewalt betroffen als die weibliche Gesamtbevölkerung Deutschlands. Eine Studie des BMFSFJ ergab, dass 41 % der befragten Frauen in der Prostitution körperliche und/oder sexuelle Gewalt im Zusammenhang mit der Prostitution erfahren haben. Ein weiteres Ergebnis war, dass Frauen in der Prostitution in besonderem Maße von Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und Jugend betroffen sind.[iii] Die meisten Gewalttaten gegen prostituierte Frauen werden durch Sexkäufer begangen, weitere häufige Täter sind Zuhälter, Menschenhändler und (Ex-)Partner. Die negativen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen – körperlich wie seelisch – sind erheblich.[iv]  Seit dem Jahr 2000 sind in Deutschland 118 Morde an Prostituierten dokumentiert.[v]

Vielen Sexkäufer geben beispielsweise in Freierforen an, dass sie möglicherweise Sex mit Frauen gehabt hätten, die unfreiwillig in der Prostitution gewesen seien. Zusätzlich wird das Thema Prostitution von ihnen oftmals verharmlost. Darüber hinaus zeigt ein Blick in die sogenannten Freier-Foren, wie Sexkäufer die Körper von Frauen und deren Verhalten detailliert bewerten.[vi] Dort wird sich über diverse Praktiken und Empfehlungen ausgetauscht und sich häufig frauenfeindlich, rassistisch und gewaltverharmlosend geäußert. Es wird auch geschildert, wie „leicht“ sich Prostituierte zu Sex ohne Kondom „überreden“ lassen, obwohl diese Praktik verboten ist. Diese Foren zeigen eindringlich, in welcher Form viele Prostituierte misshandelt, erniedrigt und physisch wie psychisch verletzt werden – und das, um der männlichen Befriedigung zu dienen.

Außerdem ist es keine Seltenheit, dass bei einem Junggesellenabschied Bordelle besucht werden und diverse Plattformen sogar dafür werben oder Geschäftsabschlüsse im Bordell gefeiert werden. Die Normalisierung von Sexkauf in unserer Gesellschaft fördert ein sexistisches Frauenbild. Prostitution hat nicht nur mit den Frauen in der Prostitution und den Sexkäufern zu tun, sondern mit den Geschlechterverhältnissen in unserer Gesellschaft. Sie verstößt grundsätzlich gegen die Menschenwürde[vii] und ist somit menschenverachtend und insbesondere frauenfeindlich.[viii]

Das geht uns alle etwas an.


[i] Melissa Farley et al. (2022): Männer in Deutschland, die für Sex zahlen und was sie uns über das Scheitern der legalen Prositution beibringen: Ein Bericht über das Sexgewerbe in 6 Ländern aus der Perspektive der gesellschaftlich unsichtbaren Freier. Prositution Research and Education, Berlin.

[ii] CIMTM: El cliente de prostitución (ES), 2008, S. 13/ 17.

[iii] BMFSFJ: Bericht der Bundesregierung zu den Auswirkungen des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten, 2007, S. 79 ff.;

[iv] Büttner, Melanie; Tschöke, Stefan; Gleixner, Judith: Sexarbeit und psychische Gesundheit. Zwischen Selbstbestimmung, Traumafolgen und Reviktimisierung. In: TRAUMA & GEWALT, 15, S. 296–314, 2021. DOI: https://doi.org/10.21706/tg-15-4-296; Deutsche Aidshilfe: Was brauchen Sexarbeiterinnen für ihre Gesundheit? Berlin, 2024.

URL: www.aidshilfe.de/medien/md/was-brauchen-sexarbeiterinnen-fuer-ihre-gesundheit [Abrufdatum: 07.05.2025] 

[v] https://sexindustrykills.de/2025/01/01/overview-germany/

[vi] www.dieunsichtbarenmaenner.wordpress.com

[vii]Mack, Elke & Rommelfanger, Ulrich: Sexkauf: Eine rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution. Nomos Verlag, 2023.

[viii] Alsalem, Reem: Prostitution und Gewalt gegen Frauen und Mädchen – Bericht der Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen und Mädchen, ihre Ursachen und Folgen, 2024, UN-Dok. Nr. A/HRC/56/48.

Mythos 7: Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt und wird es immer geben

Die Hebamme arbeitet im ältesten Gewerbe der Welt – nicht die Prostituierte.[i]

Es gibt zahlreiche Regionen, in denen Prostitution lange unbekannt war.[ii] Dort, wo es kommerzielle Prostitution im Laufe der Geschichte gab, handelte es sich immer um ein zutiefst geschlechtsspezifisches, diskriminierendes Phänomen, das die weibliche Sexualität reglementieren und ausbeuten sollte. Gestützt wurde kommerzielle Prostitution immer durch eine Doppelmoral, die Prostituierte ächtete, während der Sexkäufer als ehrbar galt.[iii]

Selbst wenn es Prostitution „schon immer“ gegeben hätte, so macht dies das System der Prostitution nicht unproblematisch oder notwendig. Über Sklaverei, die Todesstrafe oder Kinderarbeit wurde auch gesagt, dass sie unvermeidbar seien. Auch heute noch gibt es diese Phänomene in verschiedenen Teilen der Welt, doch das bedeutet nicht, dass dies akzeptabel ist. Bei Prostitution sieht es ähnlich aus. Auch wenn Prostitution nicht vollständig verhindert werden kann, bedeutet dies nicht, dass wir uns als Gesellschaft einreden sollten, dass es Prostitution geben muss.

Die Nachfrage nach käuflichem Sex variiert weltweit stark in unterschiedlichen Ländern.[i] Viel ist zu Sexkäufern in Deutschland nicht bekannt. Ca. 8% der Männer in Deutschland haben während der aktuellen Partnerschaft und 27 % mindestens einmal im Leben Sex von Prostituierten gekauft.[ii]

Die Nachfrage nach Sex ist kulturell geprägt und lässt sich somit vorrangig auf bestehende Erziehungsformen und Normen zurückführen.[iii] Dies bestätigten auch die Veränderungen in den Einstellungen der Bevölkerung in Schweden, Norwegen und Frankreich nachdem das Sexkaufverbot in diesen Ländern in den Jahren 1999, 2009 und 2016 eingeführt wurde. Es kam in Folge der Gesetze zu einem klaren Normenwandel in der Gesellschaft, sodass mittlerweile eine große Mehrheit der jeweiligen Bevölkerung Sexkauf ablehnt. Das Sexkaufverbot hat auch eine abschwächende Wirkung auf die Nachfrage nach Prostitution und stärkt die Bekämpfung von Menschenhandel und Zuhälterei.[iv]

TERRE DES FEMMES sieht einen solchen Normenwandel als notwendigen Schritt zur Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland an. Wir fordern daher die Einführung des Sexkaufverbots in Deutschland mit gleichzeitigen Ausstiegsprogrammen für Prostituierte sowie Bildungs- und Informationskampagnen.


[i] Journal of Research in Nursing and Midwifery (JRNM) (ISSN: 2315-568x) Vol. 2(8) pp. 114-121, December, 2013 DOI: http:/dx.doi.org/10.14303/JRNM.2013.064

[ii] Nor: La Prostitution, 2001, S. 13.

[iii] Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen ProstG und Art. 3 II GG, 2010, S. 35.

[i] ProCon: Percentage of Men (by Country) Who Paid for Sex at Least Once: The Johns Chart, 2011; Carae, M. et al.: Clients of sex workers in different regions of the world: hard to count, Sex Tansm Infect 2006;82(Suppl III):iii26–iii33. doi: 10.1136/sti.2006.021196 

[ii] Haversath et al.:Sexualverhalten in Deutschland. 2017,S.548; Deutsches Ärzteblatt / Jg. 119/ Heft 12/ 25.3.2022, Bevölkerungsstudie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“ (GeSiD); 

[iii] Gutiérrez, Enrique Javier Díez: Prostitution and gender-based violence. Social and Behavioral Sciences 161, 2014. 96 – 101 

[iv] Rasmussen Ingeborg et al.: Evaluering av forbudet mot kjøp av seksuelle tjenester 2014. Erstellt im Auftrag des norwegischen Justiz- und Innenministeriums; Mansson, Sven-Axel: The History and rationale of swedish prostitution policies.  Dignity, Vol. 2, Issue 4, September 2017; Konrad-Adenauer-Stiftung: PERSPECTIVES ON THE SWEDISH MODEL TO PREVENT AND COMBAT PROSTITUTION AND TRAFFICKING FOR PURPOSES OF SEXUAL EXPLOITATION; 2020; Inspection Generale des Affaires Sociales No 2019-032 et al: Evaluation. 2019. Drobnik, Jakob: Nordisches Modell und Menschenhandel, Universität Erfurt. 2025, S. 228ff; 

Literatur

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Farley, Melissa et. al: Prostitution and Trafficking in 9 Countries: An Update on Violence and Posttraumatic Stress Disorder. In: Journal of Trauma Practice, The Hawoth Maltreatment & Trauma Press, Vol. 2, No. 3/4, 2003, S. 33-74.

Farley, Melissa: Prostitution and the Invisibility of Harm. In: Women & Therapy, Jg. 26, Heft 3/4, 2003, S. 247-280.

Farley, Melissa: „Bad for the Body, Bad for the Heart“: Prostitution Harms Women Even if Legalized or Decriminalized. In: Violence Against Women, Vol. 10, No. 10, Oktober 2004, S.1087- 1117.

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