(Ober-)Bürgermeister unterstützen Resolution gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution

Das Motto der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland lautet: "Die Welt zu Gast bei Freunden". Viele Menschen freuen sich auf das Ereignis und auf zahlreiche Begegnungen und neue Bekanntschaften.

Frauen- und Menschenrechtsorganisationen wie TERRE DES FEMMES und der Deutsche Frauenrat befürchten jedoch eine verstärkte Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen. So wird zur Fußball-WM 2006 in Deutschland ein Anstieg der Aktivitäten der Menschenhändler erwartet, die junge Frauen mit falschen Versprechungen vor allem aus Osteuropa nach Deutschland schleppen.

Nach Angaben der EU sind jährlich 500 000 Frauen von Menschenhandel betroffen. Oft zwingt die wirtschaftliche Lage in den Heimatländern die Frauen, auf dubiose Arbeitsangebote im Ausland einzugehen.

Die betroffenen Frauen werden eingesperrt, erpresst, bedroht und ausgebeutet. Sie müssen am Tag bis zu 20 Freier bedienen und können die Wünsche der Freier nicht ablehnen. Viele Frauen infizieren sich mit HIV oder Hepatitis, weil der Kunde kein Kondom benutzen will.

Die Menschenhändler machen den Frauen die Flucht unmöglich, indem sie ihnen Pass und Handy wegnehmen. Ihr illegaler Aufenthaltstatus erschwert die Einbeziehung der Polizei. Auch die Androhung von Gewalt an Kindern und Eltern im Heimatland und die Angst, dass ihre Tätigkeit im Ausland der Familie bekannt wird, hindern die Frauen an der Flucht aus der Zwangsprostitution.

Wir Oberbürgermeister möchten als Repräsentanten der Kommunen des Landes Baden-Württemberg all jenen die rote Karte zeigen, die die Fußball-Weltmeisterschaft für ihre kriminellen Machenschaften ausnutzen wollen und dieses Ereignis für den Handel mit Mädchen und Frauen aus der ganzen Welt missbrauchen. Der Kampf gegen Zwangsprostitution ist nicht nur die Aufgabe von Nicht-Regierungs-Organisationen, sondern sollte vor allem von staatlichen und kommunalen Einrichtungen geführt werden - nicht nur während der WM.

Wir werden uns in Zukunft stärker gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution einsetzen und die uns zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um diesen schweren Menschenrechtsverletzungen Einhalt zu gebieten und die Würde der Frauen zu schützen.

Wir unterstützen die von TERRE DES FEMMES initiierte Resolution:
Oberbürgermeister:
Dr. Wolfgang Schuster, Stuttgart; Andreas Hesky, Waiblingen; Winfried Kübler, Schorndorf; Dr. Jürgen Zieger, Esslingen;  Klaus Tappeser, Rottenburg; Heinz Fenrich, Karlsruhe; Horst Frank, Konstanz; Dr. Dieter Salomon, Freiburg im Breisgau; Gerhard Widder, Mannheim; Ivo Gönner, Ulm; Jürgen Kessing, Bietigheim-Bissingen; Christel Augenstein, Pforzheim; Karl Hilsenbek, Ellwangen; Martin Gerlach, Aalen; Edith Schreiner, Offenburg; Dieter Gummer, Hockenheim;

Bürgermeister:
Steffen Bühler, Besigheim; Kornelius Bamberger, Bönnigheim; Lutz Schwaigert, Erdmannhausen; Albert Leibold, Erligheim; Rainer Gerhäusser, Großbottwar; Ralf Maier-Geißer, Freiberg; Martin Schwarz, Hessigheim; Volker Godel, Ingersheim; Herbert Pötzsch, Marbach; Holger Haist, Mundelsheim; Manfred Hollenbach, Murr; Ralf Trettner, Pleidelsheim; Jürgen Scholz, Sersheim; Albrecht Dautel, Walheim; Reinhard Rosner, Oberstenfeld; Gerhard Greiner, Neulußheim; Walter Klein, Reilingen;  

Stand: 12. Juli 2006