Aktuelles zum Thema Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsverheiratung

Premiere des Schultheaterprojektes: „Mein Herz gehört mir“

TERRE DES FEMMES startet Sensibilisierungskampagne gegen Zwangsverheiratung an Berliner Schulen

20220119 091623TERRE DES FEMMES geht im Rahmen des Projektes „Mein Herz gehört mir“ mit einem Theaterstück an 20 Berliner Schulen und klärt zu Zwangsverheiratung und Frühehen auf. In einer Tempelhofer Schule fand am 19.01. die Premiere des Forumtheaterstückes mit anschließenden Workshops statt. Die 60 SchülerInnen der 8. Klassen gestalteten die einzelnen Szenen aktiv auf der Bühne mit und probierten spielerisch neue Denk- und Handlungswege jenseits patriarchaler Strukturen aus. In anschließenden Workshops wurde das Erlebte weiter vertieft und Themen wie Zwangsverheiratung, freie Lebensgestaltung und Homosexualität intensiv diskutiert. „Mädchen dürfen abends nicht alleine raus gehen, denn wenn es zu sexuellen Übergriffen kommt, ist die Ehre der gesamten Familie in Gefahr“ äußerte sich ein Schüler im Workshop. Parallel zu den Workshops wurden Lehrkräfte geschult. Die begleitende Beraterin stand für Gesprächsanfragen von Seiten der SchülerInnen zur Verfügung.

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Im Gedenken an Hatun Sürücü: Gewalt im Namen der Ehre nach wie vor unvermindert hoch

Jedes Jahr veröffentlicht TERRE DES FEMMES anlässlich des Todestages von Hatun Sürücü am 07. Februar sogenannte Ehrenmordfälle, um an weitere Opfer dieser Verbrechen zu erinnern. Hatun Sürücü wurde am 07.02.2005 von ihren Brüdern in Berlin ermordet, weil sie frei und selbstbestimmt leben wollte und damit in den Augen der Brüder gegen die Familienehre verstieß.

 

0ffc0b1e 92ab 48f7 b983 fff30025ffd1Gedenkveranstaltung zum Todestag von Hatun Sürücü am 7.2.2022 (Bildrechte: TDF)Für die Jahre 2021 und 2020 wurden 25 Fälle versuchter oder vollzogener tödlicher Ehrverbrechen identifiziert: 

„14 Frauen, 11 Männer fielen einer vermeintlichen Ehrvorstellung des Täters zum Opfer – dabei starben 5 Männer und 6 Frauen, bei den anderen Personen blieb es beim Mordversuch. Auffallend hierbei ist, dass auch viele Männer bei „Ehren“-Morden ums Leben kamen. Diese waren in der Mehrheit der Fälle die (vermeintlich) neuen Partner der Ehefrau oder deren Brüder. Dies verdeutlicht, dass „Ehren“-Morde nicht per se mit Femiziden gleichzusetzen sind – diese Begriffsdebatte wurde vergangenes Jahr verstärkt durch den Mord an Maryam H. durch ihre Brüder diskutiert. Gleichzeitig zeigt dies, dass Gewalt im Namen der Ehre viele Menschen (be)trifft und sowohl an Frauen aber auch an Männern feste Erwartungsbilder (von früh an) geknüpft werden. So wurde in einem Fall der Bruder der Ex-Frau des Täters von diesem umgebracht, weil er nichts gegen die Trennung seiner Schwester von ihrem Ehemann unternommen hätte (1. Fall in der unten aufgeführten Übersicht).

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Prävention von Zwangsverheiratung/Frühehen und weiblicher Genitalverstümmelung: am 9.11. war das 2. Netzwerktreffen für Lehrkräfte

 

Unter dem Thema „Prävention von Zwangsverheiratung/Frühehen und weiblicher Genitalverstümmelung: Austausch und Best Practice“ fand am 09. November 2021 zum zweiten Mal eine bundesweite Vernetzungsveranstaltung für Lehrkräfte statt. Der Fokus lag diesmal auf Präventionsmöglichkeiten von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) und Früh- und Zwangsverheiratung. Viele Lehrkräfte hatten sich beim ersten Netzwerktreffen dieses Thema gewünscht, da sie sich zumeist als unmittelbare Kontakt- und Vertrauenspersonen von bedrohten oder betroffenen Mädchen wiederfinden. Der Austausch in Kleingruppen stand daher im Mittelpunkt der Veranstaltung. 21 Lehrkräfte aus 7 Bundesländern nahmen teil.

Lahai Turay, Community Trainer des von der EU geförderten Projekts CHAIN, hielt den thematischen Inputvortrag, in dem er Einblicke in seine Arbeit und seine ganz persönliche Motivation lieferte. So berichtete er, dass er sich trotz Ablehnung oder Unverständnis, das ihm bisweilen vor allem auch von älteren Männern entgegenschlägt, weiterhin für die Sensibilisierung und Beendigung von FGM einsetzt. Während der Corona-Pandemie gründete er hierfür auch einen eigenen TikTok-Kanal (onespote), um trotz Kontaktbeschränkungen weiterhin niedrigschwellig über FGM aufzuklären.

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„Ehren“-Mord oder Femizid?

Der Kampf um Begrifflichkeiten hilft den Mädchen und Frau wenig

Berlin, 17.08.2021. Der Mord an der Afghanin Maryam, der vermutlich von ihren beiden Brüdern am 17. Juli in Berlin begangen worden ist, hat eine Diskussion um die Begriffe „Ehren“-Mord und Femizid hervorgerufen. Dabei sind in der Diskussion verschiedenste Tendenzen zu erkennen, die den einen Begriff „weniger stigmatisierend“, den anderen gar „abwertend“ und „islamfeindlich“ bezeichnen.
Aber worum geht es hier eigentlich? Geht es hier um eine Wertung, welcher Begriff „besser“ ist oder welcher zu sehr „stigmatisiert“? Oder welche Form häufiger vorkommt als eine andere? Sollte es in der Diskussion nicht vielmehr darum gehen, diese furchtbare Tat als Anlass zu nehmen, noch einmal genauer hinzuschauen, welches Phänomen sich dahinter verbirgt und welche Hilfen für Bedrohte im Vorfeld wichtig sind? Wie hätte dieser Mord verhindert werden können und welche Präventionsmaßnahmen sind notwendig, um Mädchen und Frauen, aber auch jungen und Männern, die ebenfalls Opfer von dieser Form der Gewalt werden können, zu helfen?

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"Ehren"-Mord in Berlin - Unsere Arbeit zu Gewalt im Namen der Ehre ist wichtiger denn je.

Ehrverbrechen

Aus traurigem Anlass:

Am 13. Juli diesen Jahres sollen zwei Brüder ihre 34-jährige Schwester Maryam im Namen der Ehre in Berlin ermordet haben. Die beiden 22- und 25- Jahre alten Männer wollten den „westlichen“ Lebensstil der zweifachen Mutter nicht akzeptieren, die nach einer Scheidung mit ihren beiden Kindern allein lebte.

Es ist ein weiterer erschütternder Fall von "Ehren"-Mord in Deutschland. Er hat eine öffentliche Diskussion über den Begriff des „Ehren“-Mordes in Abgrenzung zum „Femizid“ hervorgerufen.

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