„Was bist du denn für ein Mann?“ – Rollentausch beim 3. CONNECT-Gruppentreffen 2019

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Am Dienstag, den 17. September 2019, haben CONNECT-Projektreferentin Désirée Birri und Gesa Birkmann, TERRE DES FEMMES-Bereichsleitung, die Patinnen aller sechs CONNECT-Zyklen zu einem offenen Austausch in entspannter Atmosphäre in die TERRE DES FEMMES-Geschäftsstelle eingeladen. Im Zentrum des Abends standen die Erfahrungen und schönen Momente der Patenschaften, aber auch die Hürden und Sorgen.

Während Renate, Patin der ersten Stunde, auf eine Patenschaft von 2,5 Jahren zurückblickte, berichtete Saskia, die im Juli eine Patenschaft übernommen hat, noch von den Anfängen. Im Moment spiele die Kitaplatzsuche eine große Rolle, außerdem möchte Saskias Tandempartnerin gerne eine Ausbildung machen. Die Kommunikation finde zurzeit noch auf Französisch statt. Das sei nicht immer einfach, sorge aber immer wieder für Lacher.

„Herzchen geschickt über WhatsApp“

Renates und Ziagols Tandem ist zwar „lückenhaft, ist und bleibt aber herzlich“. Eine Weile haben die beiden Frauen keinen Kontakt gehabt, dann schickte Ziagol Herzchen über WhatsApp und das Tandem nahm wieder an Fahrt auf. Renate beschreibt Zigaol als durchaus emanzipiert – in ihrer Heimat war sie als Schulleiterin tätig. Privat sehe das trotzdem anders aus: Der Mann ist die Hauptperson. Als Ziagol schneller Deutsch gelernt hat als ihr Mann und letzterer frustriert war, brachte Renate kurzerhand ihren Ehemann zum nächsten Treffen mit. So konnten sich sowohl die Männer als auch die Frauen austauschen.

Renates Mann kocht gerne. So kochte er auch an jenem Tag, an dem Renate ihre Tandempartnerin und deren Ehemann und Kinder zu sich nach Hause zum Essen einlud. Renates Ehemann deckte zudem den Tisch. Ziagol, vor allem aber ihr Ehemann, schauten verwundert, woraufhin Renates Mann neckisch fragte: „Was bist du denn für ein Mann?“. Ziagols Mann musste erst einmal schlucken, Ziagol kicherte dagegen sichtlich erfreut. Der Rollentausch zeigte dem afghanischen Paar wie die Dinge auch sein können. Renate ist der einzige nicht-afghanische Kontakt der Familie in Berlin. Deshalb ist ihr der Kontakt umso wichtiger.

Grenzen erkennen und das Beste daraus machen

Carlas Tandempartnerin Sunnena ist Analphabetin und besitzt kein eigenes Handy. Stattdessen muss Carla für gemeinsame Treffen dem Ehemann schreiben bzw. ihn anrufen. Damit Sunnena die Zahlen und das ABC eigenständig lernen kann, sucht Carla mit ihr nun nach einem Alphabetisierungskurs.

Bei Lea und ihrer Tandempartnerin stehen häufig bürokratische Angelegenheiten wie Versicherungen und Anträge auf der Tagesordnung. Das deutsch-afghanische Tandem nimmt sich aber auch mal Zeit für einen Zoobesuch mit den Kindern. Dennoch sagt Lea: „Mehr Zeit wäre gut.“

Die Wohnungssuche ist und bleibt in Berlin fast unmöglich. Die Patinnen sind sich an diesem Dienstagabend einig: Wenn die Situation nicht verändert werden kann, hilft es, die aktuelle Wohnsituation zu akzeptieren, das Beste daraus zu machen und das Positive hervorzuheben. Damit sich Haifa in ihrem Zimmer wohler fühlt, überlegt Carla E.: „Vielleicht schenke ich meiner Tandempartnerin eine Lichterkette oder ein paar Kissen.“

Arbeiten trotz Duldung?

Die Patinnen merken, dass ihre Tandempartnerinnen Höhen und Tiefen haben, vor allem wenn nicht viel zu tun ist, beispielsweise in den Schulferien. Beschäftigung tut den geflüchteten Frauen gut. In diesem Zusammenhang kam auch die Frage auf, wo die Frauen eine Arbeitsgenehmigung erhalten. Dürfen Geflüchtete mit einer Bescheinigung für die Aussetzung einer Abschiebung, einer sogenannten Duldung, überhaupt arbeiten? Bevor Personen mit einer Duldung eine Arbeit aufnehmen können, müssen sie die Genehmigung zur Ausübung einer Beschäftigung bei der zuständigen Ausländerbehörde einholen. Dabei entscheidet die Ausländerbehörde im jeweiligen Einzelfall, ob eine Genehmigung erteilt wird.

Auch an diesem Abend hat das CONNECT-Team von vielen herzlichen Patenschaften und neuen Freundschaften gehört. Carla E. wird von Haifa ihre „kleine/große Schwester“ genannt – klein, weil Carla E. jünger ist als Haifa, groß, da sie sie zum Beispiel bei Behördengängen unterstützt und sie anleitet. TERRE DES FEMMES bedankt sich ganz herzlich bei allen Patinnen für das unermüdliche Engagement!

 

Stand: 09/2019

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