TERRE DES FEMMES Podiumsdiskussion - Geflüchtete Mädchen und Frauen: Bedürfnisse, Schutz und Integration

Die Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Prof. Dr. Barbara Schaeffer-Hegel, Dr. Ralf Kleindiek, Dr. Necla Kelek, Conny Czymoch, Kazim Erdogan, Fadhumo Musa und ihre Flüsterübersetzerin. Foto: © Marina FischerDie Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Prof. Dr. Barbara Schaeffer-Hegel, Dr. Ralf Kleindiek, Dr. Necla Kelek, Conny Czymoch, Kazim Erdogan, Fadhumo Musa und ihre Flüsterübersetzerin.
Foto: © Marina Fischer
Geflüchtete Mädchen und Frauen, die in Deutschland ankommen, stehen oft vor besonders großen Herausforderungen. Sie müssen häufig zusätzliche geschlechtsspezifische Integrationshindernisse überwinden und brauchen daher besondere Unterstützung. Am 27. Mai lud TERRE DES FEMMES in Kooperation mit dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf VertreterInnen aus Politik und Zivilgesellschaft zu einer Podiumsdiskussion im Rathaus Charlottenburg in Berlin ein, um sich der spezifischen Situation weiblicher Geflüchteter zu widmen.

Nach der Begrüßung der rund 260 Gäste durch die TERRE DES FEMMES-Vorstandsvorsitzende Irma Bergknecht und die Stadträtin Dagmar König eröffnete die Autorin Maria von Welser den inhaltlichen Teil des Abends. Mit ihrem Vortrag zum Thema "Kein Schutz - nirgends. Besuche bei den Frauen und Kindern in den Flüchtlingslagern in der Türkei, im Libanon, in Jordanien und auf Lesbos" informierte sie über ihre Reise in die jeweiligen Länder und über die dort herrschenden prekären Lebensverhältnisse für Frauen und Kinder in den Flüchtlingslagern.

TDF-Referentinnen Charlotte Weil und Idah Nabateregga im Gespräch mit Podiumsteilnehmerin Fadhumo Musa und Gästen. Foto: © Marina FischerTDF-Referentinnen Charlotte Weil und Idah Nabateregga im Gespräch mit Podiumsteilnehmerin Fadhumo Musa und Gästen. Foto: © Marina FischerÜber das was getan werden muss, wenn die geflüchteten Frauen in Deutschland ankommen, diskutierten im Anschluss Kazim Erdogan, Integrationsexperte und Vorsitzender von Aufbruch Neukölln e.V., Dr. Necla Kelek, Vorstandsfrau von TERRE DES FEMMES, Dr. Ralf Kleindiek, parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Prof. Dr. Barbara Schaeffer-Hegel, Sozialwissenschaftlerin und Gründerin des Vereins Lieber Lesen e.V sowie Fadhumo Musa, Sozialarbeiterin und Aktivistin aus Somalia. Moderiert wurde die Diskussion von Conny Czymoch.

Bereits in den Eingangsstatements der PodiumsteilnehmerInnen wurde der dringende Handlungsbedarf in Bezug auf die derzeitige Situation für geflüchtete Frauen in den Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften in Deutschland deutlich. Auch waren sich die PodiumsteilnehmerInnen in Bezug auf die Notwendigkeit einer besonderen Unterstützung geflüchteter Frauen bei ihrer gesamtgesellschaftlichen Teilnahme einig.

Der parlamentarische Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek betonte, dass sich sein Ministerium für die spezifischen Bedürfnisse von geflüchteten Frauen in der Bundesregierung stark macht, insbesondere für Frauenintegrationskurse, Kinderbetreuung während der Kurszeiten und eine bessere Arbeitsmarktintegration.

Prof. Dr. Barbara Schaeffer-Hegel bestätigte, dass Frauen spezielle Integrationskurse benötigten und stellte ihren Verein Lieber Lesen e.V. vor, der geflüchtete Mädchen u.a. darin unterstützt, Deutsch zu lernen.

Kazim Erdogan brachte ein, dass ein vertiefter Fokus auf die Kommunikation mit den Geflüchteten und MigrantInnen zu legen sei. Nur so könnte Integration im Sinne von echter Partizipation und Teilhabe gelingen.

Fragen aus dem Publikum. Foto: © Marina FischerFragen aus dem Publikum. Foto: © Marina FischerFadhumo Masa, selbst Geflüchtete, berichtete von ihren Erfahrungen auf der Flucht und der Ankunft in Deutschland und konnte die Notwendigkeit, sich der Frauen anzunehmen, nur bestätigen. Eine der größten Integrationshürden sei der besonders erschwerte Zugang zum Arbeitsmarkt.

TERRE DES FEMMES-Vorstandsfrau Necla Kelek stellt zwei TERRE DES FEMMES-Projekte vor, die beide von Aktion Mensch gefördert und im Juni 2016 starten. Während das Patinnenprojekt CONNECT vornehmlich das Ziel verfolgt, geflüchtete Frauen bei ihrem Ankommen in Deutschland und ihrer gesamtgesellschaftlichen Teilnahme zu unterstützen, konzentriert sich das zweite Projekt darauf, präventiv bestimmte geschlechtsspezifische Gewaltformen bei geflüchteten Mädchen und Frauen zu bekämpfen.

Nach der Diskussion der ExpertInnen wurde die Fragerunde für das Publikum eröffnet.

 

Stand 05/2016