Catcalling – wir sagen Belästigung auf der Straße den Kampf an!

Kampagnenpost @calltofight

Catcalling. Hinter diesem vermeintlich harmlosen Begriff, auf Deutsch etwa: „Katzengeschrei“, verbirgt sich eine fast alltägliche, leidvolle Erfahrung für viele Frauen. Catcalling bezeichnet das Phänomen der sexualisierten Belästigung auf der Straße. Durch Pfiffe, anzügliche Bemerkungen, öffentliches Onanieren und ähnliches werden Frauen und Mädchen durch Männer bedrängt. Meistens geschieht dies auf öffentlicher Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch im Dienstleistungssektor und im Umgang mit Kunden. Catcalling ist Ausdruck männlichen Besitzanspruchs und wird von Frauen und Mädchen oft als erniedrigend wahrgenommen.

Was meist „nur“ ein paar Worte sind, tragen Betroffene dennoch oft tage- oder monatelang mit sich herum. Manch eine beängstigende Situation vergessen Betroffene nie. Viele Frauen und Mädchen erleben in ihrem Leben unzählige Catcalls.

Die Folgen

Wie Studien[1] herausfanden, sind die Folgen von Catcalling vielfältig und durchaus gravierend:

Freiheitsbeschränkung und Angst

Aus Angst, (wieder) belästigt werden, schränken sich viele Frauen und Mädchen bewusst oder unbewusst ein, z.B. werden bestimmte Orte um bestimmte Uhrzeiten gemieden. Oft sind es Orte, an denen sie schon einmal negative Erfahrungen mit Belästigung gemacht haben.

Einschränkung der Persönlichkeit

0510 post zensurKampagnenpost @calltofightViele Frauen und Mädchen, die Catcalling erlebt haben, vermeiden es in bestimmten Umständen, viel Make-up oder auffällige Kleidung zu tragen in der Hoffnung, so keine ungewollte männliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Körperscham und Selbstkontrolle

In schweren Fällen kann die (mehrfache) Objektifizierung durch Fremde in der Öffentlichkeit bei Betroffenen zur Kontrolle ihres eigenen Körpers führen. Betroffene überwachen ihr Aussehen akribisch oder schämen sich oft dafür.

Psychische Krankheiten

Einige Betroffene entwickeln sogar psychische Probleme aufgrund (mehrfacher) sexualisierter Belästigung bzw. Catcalling, wie Essstörungen oder Depressionen.


Wir fordern: Das muss aufhören!

Dass Frauen und Mädchen sich verpflichtet fühlen müssen, Maßnahmen zu ihrer eigenen Sicherheit zu ergreifen, wie ihren Kleidungsstil zu ändern, möchten wir nicht länger hinnehmen. Daher unterstützt TERRE DES FEMMES die aktuell laufende Instagram Kampagne @calltofight gegen Catcalling und für einen eigenen Straftatbestand zu sexualisierter Belästigung in der Öffentlichkeit. Denn es sollte nicht die Aufgabe von Frauen und Mädchen sein, mit Catcalling fertig zu werden.

In einigen europäischen Ländern wird Catcalling bereits als Straftat oder Ordnungswidrigkeit angesehen. So zum Beispiel in Frankreich und den Niederlanden. In beiden Fällen hat dies großen Erfolg, wie viele Frauen und Mädchen und Frauenrechtsorganisationen dort berichten.

Die Kampagne „Call to Fight”

0506 post zensurKampagnenpost @calltofightIn einem vierwöchigen digitalen Event auf Instagram zeigt die von TERRE DES FEMMES unterstützte Kampagne @calltofight in anschaulichen und kreativen Posts die Folgen von Catcalling auf. Betroffene, die sich für diese Kampagne gemeldet haben, kommen in Videos zu Wort. Verschiedene ExpertInnen berichten in Interviews aus ihrem Alltag als Beratungsstelle für Mädchen und Frauen, als Psychologin und Sex Coach, als Frauenrechtsaktivistin und als PolitikerIn über verschiedene Sichtweisen auf das Problem Catcalling. #calltofight

Gemeinsam fordern wir: Catcalling muss strafbar werden! 

Dabei unterstützen wir die Petition von Antonia Quell („Es ist 2020. Catcalling muss strafbar sein“), welche aktuell dem Petitionsausschuss des Bundestags vorliegt.

Kreiert wurde die Kampagne „Call to Fight“ von Grafikdesignerin Anna Fröse. Gelauncht wurde die Kampagne in Kooperation mit TERRE DES FEMMES.

1. Juli 2021

 

[1] Fairchild, K./ Rudman, L.: „Everyday Stranger Harassment and Women’s Objectification”, 2008; MacMillan, R./ Nierobisz, A./ Welsh, S.: “Experiencing the Streets: Harassment and Perceptions of Safety among Women”, 2000.