Bestens vorbereitet: Mit vertieftem Wissen über FGM/C und Präsentationstechniken geht es schon bald in die Communitys

Ein Teil der CHANGE Mediatoren mit Dr. Zerm und Projektkoordinatorin Sonja Störmer. Foto: © TERRE DES FEMMES

Am 25.07.2020 war es endlich so weit: Die zwölf CHANGE Mediatoren konnten sich zum ersten Mal seit Monaten wieder in der gesamten Gruppe sehen. Im Rahmen einer ganztägigen Schulung im Sharehaus Refugio beschäftigten sie sich noch einmal intensiv mit dem Thema der weiblichen Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/Cutting - FGM/C). Hierbei bekam die Gruppe Unterstützung durch den externen Experten Dr. Christoph Zerm, der dafür extra nach Berlin anreiste. Dr. Zerm hat seit den 1990er Jahren in mehreren Auslandsaufenthalten Organisationen vor Ort bei ihrem Einsatz gegen FGM/C unterstützt und berät als Frauenarzt in seiner Sondersprechstunde betroffene Mädchen und Frauen.

Mythen und Fakten rund um FGM/C – auch das wurde während der lebhaften Vorträge von Dr. Zerm behandelt. © TERRE DES FEMMESMythen und Fakten rund um FGM/C – auch das wurde während der lebhaften Vorträge von Dr. Zerm behandelt. Foto: © TERRE DES FEMMESDr. Zerm sprach mit den CHANGE Mediatoren vor allem über die gesundheitlichen und psychosozialen Folgen von FGM/C, aber stand auch zum Thema Sexualität und zu asylrechtlichen Fragestellungen Rede und Antwort. Am Ende stellten alle gemeinsam fest, wie wichtig es ist, sich hierüber auszutauschen. Da FGM/C ein großes Tabuthema in den betroffenen Communitys ist, leiden viele Mädchen und Frauen im Stillen und können ihren Schmerz nicht ausdrücken. So erleben sie durch ihr Schweigen über das Erlebte oft eine zusätzliche Traumatisierung. Auch ist es hilfreich, bei der Community-Arbeit die konkrete Motivation hinter schädlichen Praktiken wie FGM/C zu hinterfragen, um eine Reflexion hierüber anzustoßen. So betonte der CHANGE Mediator Rafiu Olayinka am Ende der Schulung: „Ich glaube, jeder Workshop über FGM/C verändert das gesamte System. Ich habe heute viele neue Dinge gelernt. Ich denke auch, dass es besonders wichtig ist, nach den Motivationen zu fragen, warum Communitys FGM/C überhaupt praktizieren -und dass sich viele gar nicht bewusst über die Motive sind.“

Nicht nur im übertragenen Sinn setzten sich die CHANGE Mediatoren einen Hut auf...© TERRE DES FEMMESNicht nur im übertragenen Sinn setzten sich die CHANGE Mediatoren einen Hut auf... Foto: © TERRE DES FEMMESIn der siebten Schulung am 29.08.2020 hatten die CHANGE Mediatoren dann Gelegenheit, sich sprichwörtlich den „Hut aufzusetzen“. Die externe Expertin Maria Klupp lud dazu ein, bewusst in die Rolle des Präsentierenden zu schlüpfen und so an den eigenen Kommunikationsstrategien zu arbeiten. Denn für eine erfolgreiche Präsentation ist laut der Psychologin neben einer überzeugenden Struktur vor allem das persönliche Auftreten und die Körpersprache wichtig. In verschiedenen Gruppenübungen konnten die Teilnehmer ihre Präsentationsfähigkeiten unter Beweis stellen und weiter ausbauen. So übten sie zunächst in Zweiergruppen und später vor der ganzen Gruppe ihren „Magic Moment“. An diesem besonderen, einprägsamen Einstieg in Präsentationen wurde dann mithilfe des Feedbacks der anderen Teilnehmer bis zum Ende der Schulung weiter gefeilt.

Mit dem Abschluss dieser beiden Sitzungen rücken die Sensibilisierungsaktivitäten der CHANGE Mediatoren immer näher. Schon bald können sie in ihren Communitys selbst einen Dialog über FGM/C und CEFM anstoßen.

 

Stand: 10/2020