Drabo, Clément

Drabo, Clément
© TERRE DES FEMMES

Ich heiße Clément Drabo und stamme aus Burkina Faso. Burkina Faso ist ein inzwischen sehr muslimisch geprägtes Land, in dem immer noch große Teile der Bevölkerung – gerade auf dem Land – einerseits einen sehr niedrigen Bildungsstand haben und sich zum anderen noch sehr den althergebrachten Traditionen verpflichtet fühlen. Darin liegt sicher eine der Ursachen dafür, dass geschlechtsspezifische Gewalt, wie z.B. in Form von Kinder-, Früh- und Zwangsverheiratung (Child, Early and Forced Marriage - CEFM) und weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/ Cutting - FGM/C) immer noch sehr verbreitet ist; obwohl es inzwischen klare Verbote gibt.

Ich lebe seit 1992 in Deutschland und arbeite als technischer Assistent im Bereich Biotechnologie. Daneben engagiere ich mich seit vielen Jahren beim „Burkina Faso Kultur Verein e.V.“, dessen Vorsitzender ich bin. Unser Ziel ist die Völkerverständigung zwischen Burkinabe und Deutschen. Außerdem unterstützt unser Verein verschiedene soziale Projekte in Burkina Faso. Auch habe ich ein Buch mit Geschichten der Samo und Mandé aus Burkina Faso veröffentlicht. Für mein kulturelles Engagement wurde mir 2014 der Verdienstorden von Burkina Faso verliehen.

Leider musste ich auch in meiner eigenen Familie miterleben, wie meine Schwestern zu Opfern von FGM/C wurden und welche Schmerzen und Traumata damit verbunden waren. Dies hat mich als Kind bzw. später als Jugendlicher sehr schockiert. Und auch mit CEFM und dem damit für die Frauen verbundenen Leid habe ich in Burkina Faso häufig Berührung gehabt. Ende der 80er unter der Regierung von Thomas Sankara, der den Kampf gegen FGM/C und CEFM auf die politische Agenda gesetzt hatte, habe ich mich ebenfalls für die Rechte der burkinischen Frauen eingesetzt. Ich habe damals mit anderen Aktivisten Aufklärungen über die schreckliche Praxis von FGM/C in den Dörfern gemacht und z.B. die Beschneiderinnen über die schlimmen Folgen aufgeklärt.

Mir ist es sehr wichtig, mich für Frauenrechte und gegen jede Form der Gewalt gegen Frauen einzusetzen. Allerdings musste ich auch die Erfahrung machen, dass es oft nicht einfach ist, die Menschen zu überzeugen, althergebrachte Traditionen und Rollenbilder aufzugeben. Gerade deshalb finde ich die Ausbildung zum CHANGE-Mediator so spannend, da ich mir davon neue Erkenntnisse und Ansätze für eine gelungene Aufklärungsarbeit und die richtige Art der Kommunikation zu schwierigen Themen verspreche.

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass es in Burkina Faso und allen Ländern der Welt endlich gleiche Rechte für Frauen gibt und keine Frau mehr Opfer von FGM/C und CEFM werden muss. Und ich hoffe, dass ich dazu einen Beitrag leisten kann.