Haja Bilkisu Conteh

Haja Bilkisu Contehs Lebenslauf

Mein Name ist Haja Bilkisu Conteh ich bin 32 Jahre alt und komme ursprünglich aus Sierra Leone, Westafrika. Mit fünf Jahren bin ich nach Deutschland gekommen und hier aufgewachsen. Während eines Sommeraufenthalts in Sierra Leone im Jahr 2002 habe ich mit acht Jahren eine Genitalbeschneidung erlitten – die sogenannte Beschneidungsart Typ zwei, die in Sierra Leone sehr verbreitet ist.

Als Kind verstand ich lange Zeit nicht, was mir widerfahren war, da über das Thema geschwiegen wurde. Meine Eltern untersagten mir zudem, darüber zu sprechen. So wuchs ich mit vielen Fragen auf und dem tiefen Wissen, dass etwas nicht stimmte. Durch eigene Recherchen erfuhr ich schließlich, was geschehen war, und schon mit 17 Jahren wusste ich: Ich werde eines Tages dagegen ankämpfen. In diesem Alter begriff ich nicht nur die Tragweite dessen, was mir widerfahren war, sondern erkannte auch, dass ich Hilfe durch operative Eingriffe erhalten könnte. Ende 20 ließ ich drei rekonstruktive Operationen durchführen und begann parallel mit therapeutischer Begleitung. Mit 30 Jahren fing ich an, meine Geschichte aufzuschreiben, und veröffentlichte mein Buch Strength is Her BeautY – A Story on Overcoming Female Genital Mutilation/Cutting, das seit Februar auf Amazon erhältlich ist. Im September folgte eine Dokumentation über meinen Weg.

Heute kann ich frei und offen über meine Erfahrungen sprechen. Mein Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich aufzuklären und betroffenen Mädchen und Frauen sowohl in Sierra Leone als auch in Deutschland Unterstützung zu bieten. Gleichzeitig möchte ich präventiv wirken und dazu beitragen, dass andere Mädchen und junge Frauen vor diesem Schicksal bewahrt werden.

Ich bringe Leidenschaft in dieses Projekt ein, um dazuzulernen und später vor Gruppen, Schulen und medizinischen Fachkräften aufklären zu können. Mein Wunsch ist eine Welt ohne Genitalverstümmelung, in der sich gesellschaftliche Einstellungen gegenüber Frauen ändern und traumatische Erfahrungen Heilung finden. Heilung ist ein lebenslanger Prozess, und ich bin stolz darauf, wie weit ich auf diesem Weg schon gekommen bin. Ich freue mich darauf, anderen zu helfen und gleichzeitig zu zeigen, dass die erlittene Beschneidung mich nicht definiert – ebenso wenig wie meine Weiblichkeit oder meine Sexualität.

nach oben
Jetzt spenden