Pinar Selek: Verurteilung zu lebenslanger Freiheitsstrafe

(Informationsstand April 2015)

Am 19. Dezember 2014 hat der Istanbuler Strafgerichtshof die Frauenrechtlerin Pinar Selek zum 4. Mal frei gesprochen. Leider ist zu früh, um in Jubel auszubrechen: Wenige Tage später legte die Staatsanwaltschaft erneut Einspruch ein. Wie es für Pinar Selek weitergeht, ist bisher nicht bekannt. 

Eine ehrenamtlich Aktive von TERRE DES FEMMES, Ingeborg Kraus, wird den Prozess weiter beobachten. Ihr Aufruf: "Die Mobilisation der AktivistInnen sowie die internationale Solidarität ist essentiell für den weiteren Kampf für Pinar Seleks Freiheit, für die Gerechtigkeit und für die Meinungsfreiheit."

Hintergrund

Pinar Selek. Foto: © Orlanda VerlagPinar Selek.
Foto: © Orlanda Verlag
Am 24.01.2013 verurteilte ein Istanbuler Gericht die türkische Schriftstellerin und Soziologin Pinar Selek zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Ihr wird vorgeworfen im Jahr 1998, im Auftrag der PKK, einen Bombenanschlag auf einem Basar in Istanbul verübt zu haben. Mehrere unabhängige Gutachten kamen seither zu dem Schluss, dass es damals keine Bombe war, sondern eine undichte Gasflasche, die hochgegangen ist. 

Pinar Selek wurde nach dem Vorfall über zweieinhalb Jahre inhaftiert und in dieser Zeit sogar gefoltert. Nach ihrer Freilassung wurde sie 2002, 2006 und 2011 freigesprochen, doch wurden die Urteile immer wieder aufgehoben. Das oberste Gericht in der türkischen Hauptstadt Ankara hat am 11. Juni 2014 der Berufung der Schriftstellerin stattgegeben und ihre Verurteilung Ende Januar 2014 zu lebenslanger Haft wegen Formfehlern aufgehoben. Am 24. Januar 2013 wurde Pinar Selek von der 12. Kammer des Istanbuler Gerichts für schwere Straftaten in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter verschärften Bedingungen verurteilt. Am 30. April 2014 hob das Oberlandesgericht in Ankara dieses Urteil auf und verwies die Akte zurück nach Istanbul an ein neues Gericht, das 15. Landesgericht in Istanbul. Dieses vertagte am 3. Oktober den Prozess auf den 5. Dezember 2014. Da das Gericht dem Oberlandesgericht in Ankara nicht widersprach, sieht es positiv aus.

Der Schriftstellerverband P.E.N.-Zentrum Deutschland verurteilt das Vorgehen der türkischen Justiz als eine „beispiellosen Prozessfarce“. Die Rechte von Pinar Selek werden seit 16 Jahren mit Füßen getreten. Sie kann weder ein normales Leben führen noch ihren Aktivitäten zum Schutz der Menschenrechte in der Türkei nachgehen. Pinar Selek ist eine Intellektuelle und Aktivistin, die sich für die Rechte von Frauen und anderen Benachteiligten einsetzt. Indem sie ständig verfolgt und ins Exil getrieben wurde, versucht man nicht nur, sie zu entmutigen, sondern sie daran zu hindern, ihrer Menschenrechtsarbeit nachzugehen.

Zurzeit befindet sich Pinar Selek im Exil in Frankreich. Im Juni 2013 solidarisierten sich die Teilnehmer eines internationalen Symposiums in Istanbul mit dem Titel „Freiheit in der Akademie/Hochschule, der Wille in der Politik, Gerechtigkeit in der Rechtsprechung“ mit der Aktivistin. Seit Juli 2013 unterstützt TERRE DES FEMMES zudem die Solidaritätskampagne des Pinar Selek International Solidarity Comittee.

Die Türkei forderte Frankreich bereits mehrfach auf, Pinar Selek auszuliefern.

Links:

Protestieren Sie mit P.E.N. und TERRE DES FEMMES für die Freiheit Pinar Seleks


Berichte zum Prozess gegen Pinar Selek von unserer engagierten Mitfrau Dr. phil. Ingeborg Kraus

Für weitere Informationen können Sie sich auch an die internationale Pressesprecherin ’Pinar Selek Support Campaign’ wenden: yaseminsevval@yahoo.com

 

 

 

 

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