16.10.2005: Reaktion zu Monitor-Film am 13.10.05 über Arbeitsbedingungen eines Tchibo-Zulieferers

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Die "Kampagne für 'Saubere' Kleidung“ (Clean Clothes Campaign= CCC), die sich für verbesserte Arbeits- und Sozialstandards in Niedriglohnländern einsetzt, begrüßt die Berichterstattung der ARD. Der Monitor-Bericht am 13. Oktober hat eindrucksvoll die Probleme aufgezeigt, mit denen vornehmlich weibliche Näherinnen täglich konfrontiert werden. VerbraucherInnen in Deutschland konnten sich ein Bild machen, unter welchen Bedingungen günstige Kleidung produziert wird.

Gleichwohl möchten wir auf einige Punkte hinweisen, die in dem Bericht keine Erwähnung fanden, die aber von erheblicher Relevanz sind, damit der Bericht keine kontraproduktiven Auswirkungen zur Folge hat.

1. Der Film hat die aktuelle Situation von TextilarbeiterInnen in Billiglohnländern am Beispiel Bangladesch aufgezeigt. Es wurden aber keine Vorschläge gemacht, wie sich KonsumentInnen in Deutschland verhalten sollten. Daher liegt es nahe, dass VerbraucherInnen künftig Tchibo-Produkte boykottieren. Dies ist aber nicht im Interesse der ArbeiterInnen, für die die Textilindustrie meistens die einzige Möglichkeit ist, ein eigenes Einkommen zu erzielen. Der Boykott könnte zu einem Rückgang der Aufträge führen und den Verlust von Arbeitsplätzen in Bangladesch nach sich ziehen. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert aber: Kein Boykott, da sonst NäherInnen ihre Existenz verlieren. Viel wichtiger ist es, dass VerbraucherInnen in Deutschland über Emails, Briefe oder Protestpostkarten an Tchibo zeigen, dass sie über die Standards, die Tchibo mit seinen Vertragspartnern festgelegt hat, informiert sein möchten. Kein Boykott, sondern Protest!

2. In dem Fernsehbericht wurde erwähnt, dass Tchibo den Fall Basic Apparels sehr ernst nehme und bis zur Klärung keine weiteren Aufträge vergeben werde. Großkonzerne wie Tchibo sollten aber gerade nicht die Zusammenarbeit mit ihren Produzenten aufgeben. Vielmehr sollten langfristige Lieferbeziehungen aufgebaut und die lokalen Firmen bei der Umsetzung von Sozialstandards beraten und unterstützt werden. Beendet Tchibo seine Geschäftsbeziehungen bei aufkommenden Problemen, zeigt das nur, wie verantwortungslos das Unternehmen agiert. Sich einfach zurück zu ziehen, um anderenorts produzieren zu lassen, ist natürlich bequemer als sich der unternehmensethischen Verantwortung zu stellen, für angemessene Standards zu sorgen. Kein cut and run!

3. In der Sendung wurde das Problem der Kontrolle von sogenannten Auditgesellschaften angesprochen. Näherinnen haben gesagt, dass junge, unerfahrene Kolleginnen von der Produktionsleitung ausgewählt werden, um bei Kontrollen vorgegebene Antworten abzuliefern. Dies zeigt, dass die Kontrollen durch von Tchibo beauftragte Auditgesellschaften keine wirklichen Überprüfungen sind. Außerdem werden die Auditfirmen von Tchibo bezahlt, die Berichte sind nicht öffentlich, sie sind also nicht unabhängig. Die CCC fordert deshalb, dass eine Überprüfung durch ein externes, unabhängiges Kontrollsystem, das Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NRO) vor Ort einschließt, stattfinden muss. Die beste Kontrolle erfolgt durch eine unabhängige ArbeiterInnenvertretung in den Betrieben, aber genau das wird verhindert. Sobald die Arbeiterinnen sich organisieren, werden sie entlassen wie der Fall Rina Begum zeigt.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Bundesgeschäftsstelle TERRE DES FEMMES e. V.
Gerrit Bopp
Postfach 2565
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