Prostitution ist frauenverachtend

Prostitution ist eine der am längsten tradierten Formen sexueller Ausbeutung von Mädchen und Frauen im Patriarchat und ist somit Ausdruck eines grundlegenden Machtungleichgewichts zwischen den Geschlechtern. Prostitution verfestigt Geschlechterhierarchien und suggeriert eine permanente sexuelle Verfügbarkeit der Frau. Prostitution verstößt gegen die Menschenwürde und ist somit menschenverachtend.

Prostitution in Deutschland

Fundierte Daten, die das tatsächliche Ausmaß von Prostitution in Deutschland wider geben, existieren nicht; es liegen lediglich Schätzungen vor. Eine häufig zitierte Schätzung, die auf die Berliner Prostituiertenberatungsstelle Hydra e.V. zurückgeht, geht von bis zu 400.000 Frauen aus, die in Deutschland in der Prostitution tätig sind. Schätzungen zufolge ist die Mehrheit der Prostituierten ausländischer Herkunft (TAMPEP).Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums haben die wenigsten Prostituierten einen Arbeitsvertrag oder sind über diese Tätigkeit sozialversichert.

Die Motive, aus denen Frauen sich veranlasst oder gezwungen sehen, der Prostitution nachzugehen, sind sehr unterschiedlich und oft mehrschichtig. Wirtschaftliche Not und fehlende alternative Verdienstmöglichkeiten stehen häufig im Vordergrund. Auch Bildungsbenachteiligung, prekärer Aufenthaltsstatus, Schulden, Drogenkonsum, emotionale Abhängigkeiten sowie die Absicherung des Lebensunterhalts der (Herkunfts-)Familie können eine wichtige Rolle spielen. Die gleichen Faktoren bedingen in vielen Fällen, dass die Frauen sich kaum gegen ausbeuterische Bedingungen und riskante Praktiken (z.B. ungeschützten Geschlechtsverkehr) wehren können. Viele Prostituierte geraten dabei in einen Teufelskreis, aus dem ein Ausstieg nur schwer gelingt. Nur sehr wenige Frauen üben Prostitution aus freier Entscheidung und wirtschaftlich erfolgreich aus.

Prostituierte sind in deutlich höherem Maße von Gewalt betroffen als die weibliche Gesamtbevölkerung Deutschlands.Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums erleiden Frauen in der Prostitution nicht nur häufiger im Privat- und Arbeitsleben Gewalt, sondern erfahren – gemessen an ihren Verletzungsfolgen – auch bedrohlichere Gewaltformen. 68 % der Befragten in einer Untersuchung des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2004 geben an, Gewalt mit Lebensbedrohung erlebt zu haben. Über die Hälfte der Prostituierten wurde schon vergewaltigt. Neben den (Ex-)Partnern bilden Sexkäufer die größte Tätergruppe der sexualisierten und/oder körperlichen Gewalt.

Der Perspektivenwechsel

TERRE DES FEMMES fordert einen Perspektivenwechsel. Nicht die Regulierung der Prostitution, sondern die Bekämpfung ihrer Ursachen muss im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte und politischen Entscheidungsfindung stehen. Nicht die Prostituierten, sondern die Sexkäufer, die ZuhälterInnen und die BordellbetreiberInnen müssen ins Visier der Gesetzgebung genommen werden. Wir fordern eine gesetzliche Regelung, die den Sexkauf verbietet und zugleich Maßnahmen, die Prostituierte schützen. Jenseits der Forderung nach einem generellen Sexkaufverbot und der Ursachenbekämpfung, sieht sich TDF aufgerufen, auf die soziale Realität von Prostitution zu reagieren und fordert eine Reihe von Sofortmaßnahmen, wie eine strenge Regulierung von Prostitutionsstätten und die Einführung klarer Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen und Sicherheit der Prostituierten, wie z.B. die Aufhebung der Sperrgebietsverordnung.

Um die Gesellschaft über die prekäre Situation von Prostituierten zu informieren und ein entsprechendes Umdenken voranzutreiben hat TERRE DES FEMMES bereits in der Vergangenheit mehrere öffentlichkeitswirksame Aktionen durchgeführt.

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