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TERRE DES FEMMES –
Menschenrechte für die Frau e.V.
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Aktuelle Nachrichten aus unserer Arbeit

05.07.2017: Stellungnahme von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. zu Rechtspopulismus und Extremismus

GLEICHBERECHTIGT, SELBSTBESTIMMT UND FREI! Wofür steht TERRE DES FEMMES? TDF setzt sich ein für Menschenrechte von Mädchen und Frauen – weltweit. Wir machen uns stark gegen alle Menschenrechtsverletzungen, die Mädchen und Frauen weltweit allein deshalb erdulden müssen, weil sie weiblich sind. Wir folgen...

Wir haben es geschafft: Bundestag beschließt Gesetz gegen Frühehen

In der Nacht vom 1. auf den 2. Juni 2017 hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, das Frühehen verhindern bzw. Betroffene besser schützen soll. Kernpunkt ist zum einen die Festlegung des Mindestheiratsalters in Deutschland auf 18 Jahre. Bisher gab es...

Bundestag ratifiziert Istanbul-Konvention

Am 1. Juni 2017 hat die Bundesregierung die Ratifizierung der Istanbul-Konvention beschlossen. Die Ratifizierung ist ein Meilenstein für die Umsetzung von Menschenrechten in Deutschland, insbesondere im Schutz und in der Unterstützung von Mädchen und Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt.

Neue Studie zu „Ehrenmorden“ veröffentlicht - TERRE DES FEMMES sieht sich in ihrer Arbeit bestätigt

Berlin, 03. August 2011. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat vor einigen Jahren eine Studie „Ehrenmorde in Deutschland“ in Auftrag gegeben, die vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht erstellt wurde, und anhand von Prozessakten 78 Fälle aus den Jahren 1996 bis 2005 analysiert. Diese Studie wird noch diese Woche vom BKA veröffentlicht. Erste Ergebnisse sind jedoch schon bekannt gegeben worden und bestätigen die jahrelange Arbeit von TERRE DES FEMMES (TDF) zu diesem Thema.

Trauerzug für Kadriye RamazanTrauerzug für Kadriye RamazanSo stellt die Studie fest, dass in den meisten Fällen (vier von fünf) eine „unerwünschte Liebesbeziehung“ der Grund für die Tat war. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam TDF bereits 2005 in der „Studie: Ehrenmord“, die auf Grundlage der Materialsammlung von Papatya und TDF „Verbrechen im Namen der Ehre“ von 2005 erstellt wurde. Diese Materialsammlung zählte im Zeitraum 1996-2005 49 Fälle von „Ehrenmord“ bzw. versuchtem „Ehrenmord“.1  Bei 32% der Fälle war der Hauptgrund für die Tat eine außereheliche Beziehung.

Enger Zusammenhang zwischen Zwangsverheiratung und „Ehrenmord“

Weitere in der TDF-Studie angeführte Gründe für einen „Ehrenmord“ sind eine Trennung oder eine (verweigerte) Zwangsverheiratung. Sowohl die Weigerung, den von der Familie ausgesuchten Partner zu heiraten, als auch die Flucht aus einer Zwangsehe bergen nach unseren Erkenntnissen die höchste Gefahr, Opfer eines „Ehrenmordes“ zu werden. So war es bei Hatun Sürücü, die 2005 in Berlin von ihrem Bruder ermordet wurde, weil sie aus einer Zwangsehe geflohen war und ein eigenständiges Leben führte, und so war es auch bei Morsal Obeidi, der 16-jährigen Deutsch-Afghanin, die 2008 in Hamburg ermordet wurde.

Zwangsverheiratung kein ausschließliches Problem bildungsferner Schichten – Ehrkonzept in patriarchalischen Gesellschaften

Die von der BKA-Studie herausgearbeitete These, dass die Täter nur in seltenen Fällen aus der zweiten oder dritten Migrantengeneration stammen, wird von den beiden eben erwähnten „Ehrenmorden“ nicht bestätigt. Beide Täter wurden in Deutschland geboren und gingen hier zur Schule. Auch Zwangsverheiratungen kommen nicht nur in schlecht integrierten und bildungsfernen Schichten vor, sondern genauso in vermeintlich gut integrierten und wirtschaftlich abgesicherten Familien. Diese Erkenntnis stützt sich auf die jahrelange Erfahrung der Mitarbeiterinnen in der TDF-Beratungsstelle.

Es geht in Fällen von Zwangsverheiratungen und auch „Ehrenmorden“ hauptsächlich um das Ansehen, die Ehre der Familie, die bewahrt bzw. wiederhergestellt werden muss. Diese Auffassung von TDF wird nun von der BKA-Studie bestätigt. Nach dem Ehrkonzept patriarchalisch strukturierter und traditionell denkender Familiensysteme ist die Frau der Besitz des Mannes und Trägerin seiner Ehre. Durch „falsches“ Verhalten kann sie die Ehre des Mannes und somit der ganzen Familie beschmutzen, indem sie z.B. unerwünschte bzw. außereheliche Beziehungen hat. Um dies zu verhindern und damit die weibliche Sexualität zu kontrollieren, werden Mädchen möglichst früh verheiratet. Sie müssen bis zu ihrer Heirat Jungfrau bleiben, wobei es in den letzten Jahren zu einem richtigen Kult um das Jungfernhäutchen gekommen ist. TDF hat schon mehrfach auf diese besorgniserregende Entwicklung hingewiesen und einen Aufklärungsflyer sowie eine Broschüre „Das Jungfernhäutchen – Falsche Vorstellungen und Fakten“ erstellt.

Zu Recht wird in der BKA-Studie kritisiert, dass von den 122 Tätern nur 23 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Tätern von „Ehrenmorden“ darf auf keinen Fall ihr kultureller Hintergrund strafmildernd zu Gute gehalten werden. „Ehrenmorde“ sind als Morde aus niedrigen Beweggründen zu ahnden, wie es der Bundesgerichtshof bereits seit 1995 vorschreibt. So hat TDF im Mai 2009 scharf protestiert, als der ehemalige Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer dafür plädierte, bei einem in Deutschland begangenen „Ehrenmord“ die Sozialisation des Täters zu berücksichtigen.

TERRE DES FEMMES wird auch weiterhin genau hinsehen und Missstände bei Menschenrechtsverletzungen von Frauen benennen, auch und gerade dann, wenn erste Erkenntnisse noch nicht durch große wissenschaftliche Studien belegt wurden und daher im Zuge einer falsch verstandenen Toleranz in Zweifel gezogen werden.

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1   In einer erweiterten Materialsammlung bis 2009 zählt Papatya insgesamt 88 Fälle von „Ehrenmord“.

 

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