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Was ist weibliche Genitalverstümmelung?

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane teilweise oder ganz entfernt. Die Praxis wird traditionellerweise von Beschneiderinnen mit Messern, Rasierklingen oder anderen scharfen Gegenständen vorgenommen. Die betroffenen Mädchen und Frauen müssen die Verstümmelung meist ohne Narkose und unter unhygienischen Bedingungen ertragen.

Neben der Amputation der Klitoris (Klitoridektomie) werden häufig die inneren Schamlippen ganz oder teilweise abgetrennt (Exzision). Bei der so genannten "pharaonischen Beschneidung" werden zusätzlich die äußeren Schamlippen entfernt und die Vagina bis auf eine winzige Öffnung zugenäht (Infibulation). Etwa 15 % aller Betroffenen sind infibuliert. Zum Geschlechtsverkehr und zur Entbindung ist es notwendig, die Vagina zu öffnen (Defibulation).

Diese Unterscheidungen sind lediglich als Orientierung gedacht, da in Wirklichkeit weitaus mehr Zwischenformen existieren.

Die weibliche Genitalverstümmelung kommt traditionellerweise in 28 Ländern Afrikas, vereinzelt auch im Süden der Arabischen Halbinsel und in einigen Ländern Asiens (wie in Teilen Indiens, Indonesiens, Malaysias oder Sri Lankas) vor. Auf dem afrikanischen Kontinent ist die Praktik der Genitalverstümmelung am häufigsten verbreitet. Demnach zeigt die folgende Karte auch die Verbreitungsgebiete in Afrika an. Da über die Verbreitung in afrikanischen Ländern die gesichertsten Daten vorliegen, zeigt die Karte nur den afrikanischen  Kontinent und Länder des Nahen Ostens.

(Für eine Vergrößerung der Karte klicken Sie bitte auf die Karte)

Auch in Deutschland leben nach unserern Berechnungen circa 30.000 Frauen und Mädchen, die von FGM betroffen oder bedroht sind. Davon sind circa 24.000 Frauen bereits von FGM betroffen und mindestens 6.000 Mädchen gefährdet. Hier unsere aktuelle Statistik 2012 (PDF-Datei).

Die Verstümmelungen verursachen bei den Frauen körperliche und seelische Schäden, die zu drastischen Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen. Gesundheitliche Folgen können sein: hoher Blutverlust, andauernde Schmerzen, (chronische) Infekte (einschließlich HIV-Übertragung), Inkontinenz oder Unfruchtbarkeit. Die Infibulation kann zu immensen Beschwerden bei Wasserlassen, Menstruation und Sexualverkehr führen und stellt ein erhebliches Geburtsrisiko für Mutter und Kind dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass bis zu 25 % der Betroffenen an den unmittelbaren und langfristigen Folgen sterben.

Für die meisten Mädchen und Frauen bedeutet Genitalverstümmelung eine seelische Verletzung. Es können Angstreaktionen, Konzentrationsschwäche, gestörtes Essverhalten oder Depressionen auftreten. Eine Verarbeitung der erlittenen Verletzung ist oft dadurch erschwert, dass Genitalverstümmelung ein gesellschaftliches Tabu darstellt.

Die Begründungen für Genitalverstümmelung unterscheiden sich je nach Region. Die Verstümmelungen werden oft als religiöse und gesellschaftliche Pflicht angesehen. Allerdings verlangen keine heiligen Schriften wie der Koran oder die Bibel den Eingriff. Die Rechtfertigungen beruhen oftmals auf Unkenntnis der weiblichen Anatomie und auf patriarchalen Strukturen. Der verbreitete Glaube, dass die Praktik die Fruchtbarkeit erhöhe, ist ebenso wenig zutreffend wie die Vorstellung, dass durch den Eingriff die Jungfräulichkeit vor der Ehe und die sexuelle Treue sichergestellt werden. Solange Genitalverstümmelung als Voraussetzung für die Heirat gilt, lassen viele Eltern ihre Töchter weiterhin verstümmeln.

MenschenrechtsaktivistInnen weltweit bezeichnen die Praktik nicht als "Beschneidung", sondern als weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation; kurz FGM). Dieser Begriff hat sich inzwischen international durchgesetzt. Damit soll deutlich gemacht werden, dass FGM wesentlich schwerwiegendere Folgen hat als die Vorhautbeschneidung bei Jungen. Im direkten Gespräch mit Betroffenen ist es jedoch angemessener, von "Beschneidung" zu sprechen. Viele Betroffene möchten nicht als verstümmelt bezeichnet werden.

Genitalverstümmelungen sind Menschenrechtsverletzungen! TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, diese Form der Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden. Gemeinsam können wir gegen Genitalverstümmelungen aktiv werden. Ihre Unterstützung zählt!

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