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Arbeit gegen Genitalverstümmelung in Burkina Faso - Bangr Nooma Drucken
Rakieta Sawadogo-Poyga, Gründerin und Leiterin von Bangr-Nooma

„Frauen müssen in jeder Hinsicht und besonders gegen traditionelle schädliche Praktiken gestärkt werden, damit sie mehr Selbstbewusstsein erlangen und eigenständig entscheiden können.
Nur so werden wir auch die weibliche Genitalverstümmelung eines Tages besiegen.
Dafür machen wir uns stark.“

Rakieta Poyga,
Gründerin und Leiterin von Bangr Nooma,
Foto ©: Almut Sülzle

Bangr Nooma - "Es gibt nichts Besseres als Wissen"

Burkina Faso gehört mit zu den ärmsten Ländern der Welt. Weniger als ein Fünftel der Mädchen und Frauen kann lesen und schreiben. Nach Angaben von Unicef aus dem Jahr 2011 sind über 70% der Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Trotz eines gesetzlichen Verbots seit 1996 wird Genitalverstümmelung weiter praktiziert – mit ein Grund für die hohe Müttersterblichkeit in dem westafrikanischen Land.

Seit über zehn Jahren setzen sich Rakieta Poyga, die Gründerin und Leiterin von Bangr Nooma, und ihre MitarbeiterInnen für ein Ende der weiblichen Genitalverstümmelung in Burkina Faso ein. Sie arbeiten in den Provinzen Sanmatenga im Norden Zentralburkinas, in Nahouri im Süden des Landes, in Bezirken der Hauptstadt Ouagadougou sowie in umliegenden Wohnvierteln und Dörfern. Bangr Nooma bedeutet soviel wie "Es gibt nichts Besseres als Wissen". Die Organisation wurde 2001 offiziell als gemeinnützige Organisation anerkannt und zählt inzwischen über 300 ehrenamtliche Mitglieder.

Tagesthemen vom 29.10.2011

Zum internationalen Kongress „Mädchenrechte stärken – weltweit“ am 29.10. 2011 aus Anlass des 30-jährigen Bestehens von TERRE DES FEMMES war Rakieta Poyga in Berlin. In den ARD-Tagesthemen vom 29.10.2011 wird ab Minute 9:30 über den TERRE DES FEMMES-Kongress berichtet und Rakiet Poygas Einsatz gegen Genitalverstümmelung in Burkina Faso vorgestellt.

Die Arbeit von Bangr Nooma

MitarbeiterInnen von Bangr Nooma vor der Geschäftsstelle in Ouagadougou, © Foto: Rakieta PoygaMitarbeiterInnen von Bangr Nooma vor der Geschäftsstelle in Ouagadougou,
© Foto: Rakieta Poyga

Im Mittelpunkt der Arbeit von Bangr Nooma stehen Aufklärungskampagnen zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung. Sie wenden sich an Mädchen und Frauen, Jungen und Männer, an traditionelle und religiöse Autoritäten und an die Beschneiderinnen selbst.

Im ersten Jahr verläuft die Aufklärung in drei Phasen: In der ersten Phase versucht Bangr Nooma, die Dorfchefs für ihre Aktivitäten zu gewinnen. Stehen diese dem Anliegen offen gegenüber, wählt Bangr Nooma eine geeignete Frau und einen geeigneten Mann aus dem Dorf aus, die zur Animatrice bzw. zum Animateur ausgebildet werden. Durch kontinuierliche Gespräche versuchen sie, allmählich das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Später leiten sie eine Dorfversammlung ein, auf der öffentlich über die genitale Verstümmelung diskutiert wird. Dabei wird ein ehrenamtliches Dorfkomitee, das sich gegen Beschneidung einsetzt, gegründet.

In der zweiten Phase liegt der Schwerpunkt auf der Schulung von lokal einflussreichen Personen wie LehrerInnen, Polizisten, traditionellen Hebammen und Beschneiderinnen.

Bangr Nooma bezieht ehemalige Beschneiderinnen in die Aufklärungskampagnen mit ein. Foto: © Bangr NoomaBangr Nooma bezieht ehemalige Beschneiderinnen in die Aufklärungskampagnen mit ein.
© Foto: Bangr Nooma
Die Zusammenarbeit zwischen Dorfkomitee, Animatricen/Animateuren sowie den ehemaligen Beschneiderinnen bestimmt die dritte Phase: Gemeinsam wird eine Liste der bedrohten Mädchen erstellt und deren körperliche Unversehrtheit überwacht. Die ehemaligen Beschneiderinnen spielen hier eine entscheidende Rolle, erfahren sie doch von geplanten Beschneidungen und können diese zur Anzeige bringen. Da mittlerweile immer häufiger Mädchen im Babyalter beschnitten werden, werden bereits neugeborene Mädchen in den Listen von Bangr Nooma erfasst. Jedes Mädchen bekommt eine Patin aus der Nachbarschaft, die besonders darauf achtet, dass ihr Patenkind nicht beschnitten wird.

Im zweiten und dritten Jahr vertieft Bangr Nooma gemeinsam mit den Dorfkomitees die Aktivitäten, um einen nachhaltigen Erfolg der Aufklärungsarbeit zu gewährleisten. Danach arbeiten die Komitees unabhängig und führen die Arbeit eigenständig fort.

Erfolge

Die Geschäftsstelle von Bangr Nooma, die mit Hilfe von TERRE DES FEMMES aufgebaut wurde, besteht seit 2005. Diese ist eine wichtige Anlaufstelle für Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Dort finden Mädchen, die vor einer drohenden Genitalverstümmelung fliehen, Beratung und Schutz. Auch Frauen und Mädchen, die vergewaltigt wurden oder HIV-positiv sind, suchen in der Beratungsstelle Zuflucht. Für Frauen, die als Folge weiblicher Genitalverstümmelung unter massiven gesundheitlichen Problemen leiden, ermöglicht Bangr Nooma mit Unterstützung eines Arztes Operationen. In dieser Situation ist die Arbeit von Bangr Nooma unerlässlich und nicht mehr wegzudenken.

Eine Frau aus dem von Bangr Nooma gegründeten Dorfkomitee im Dorf Songdin wird zu weiblicher Genitalverstümmelung und den Folgen geschult. Nur wenn sie gut informiert sind, können auch die Mitglieder der Dorfkomitees überzeugend für ein Ende weiblicher Genitalverstümmelung auftreten. Foto ©: Bangr NoomaEine Frau aus dem von Bangr Nooma gegründeten Dorfkomitee im Dorf Songdin wird zu weiblicher Genitalverstümmelung und den Folgen geschult. Nur wenn sie gut informiert sind, können auch die Mitglieder der Dorfkomitees überzeugend für ein Ende weiblicher Genitalverstümmelung auftreten. Foto ©: Bangr NoomaIn der Geschäftsstelle werden die Animateure und Animatricen von Bangr Nooma regelmäßig fortgebildet. So bleiben sie in der Lage, die Menschen auf den Dörfern über Jahre hinweg immer wieder zu besuchen und nachhaltig dafür zu sorgen, dass nicht wieder heimlich Mädchen beschnitten werden. Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten die ehemaligen Beschneiderinnen, die sich mit Hilfe von Kleinkrediten durch Bangr Nooma eine neue Existenz aufbauen können.

Bangr Nooma konnte mit Hilfe der kontinuierlichen Unterstützung durch TERRE DES FEMMES ein Umdenken bei vielen Menschen bewirken.

  • Mehr als 32.000 Mädchen wurden nachweislich vor einer genitalen Verstümmelung bewahrt.
  • Seit der Gründung von Bangr Nooma fanden in etwa 800 Dörfern Aufklärungskampagnen zu weiblicher Genitalverstümmelung statt.
  • In über 780 Dorfgemeinschaften gibt es heute Komitees gegen die Praktik. In diesen Dörfern finden keine Genitalverstümmelungen mehr statt oder die Praxis ist erheblich zurückgegangen.
  • Rund 400 Beschneiderinnen und ihre Assistentinnen gaben ihr Handwerk auf und schlossen sich teilweise der Kampagne an. Etwa 270 von ihnen bekamen von Bangr Nooma einen Kleinkredit, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Durch diese Unterstützung können die ehemaligen Beschneiderinnen einen neuen Beruf erlernen, der ihnen das Überleben möglich macht, ohne als Beschneiderin tätig zu sein.
  • Über 200 Grundschullehrer wurden in "Information, Aufklärung und Kommunikation zu FGM" geschult.
  • Insgesamt erreichte Bangr Nooma seit Gründung der Organisation durch Aufklärungskampagnen über 800.000 Menschen in Burkina Faso.

Möglichkeiten zur Unterstützung

Bangr Nooma organisiert zum 8. März 2012 wieder ein Frauenfußballturnier. &copy Foto: Bangr NoomaBangr Nooma organisiert zum 8. März 2012
wieder ein Frauenfußballturnier.
© Foto: Bangr Nooma
Auch in Zukunft benötigt Bangr Nooma finanzielle Unterstützung für:

  • Sensibilisierungskampagnen in den Dörfern des Einzugsgebietes der Organisation,
  • Seminare und Schulungen vor allem für Beschneiderinnen, LehrerInnen und Animatricen/Animateure und Dorfkomitees,
  • die Finanzierung von Fahrrädern für die Animateure/Animatricen sowie deren Aufwandsentschädigungen,
  • Filmvorführungen sowie Auftritte von Theater- und Musikgruppen zur Unterstützung der Kampagnen,
  • die Vergabe von Startkapital in geringer Höhe für die ehemaligen Beschneiderinnen, damit sie nicht aus Not ihr Handwerk wieder aufnehmen,
  • Operationen für betroffene Frauen mit massiven gesundheitlichen Problemen
Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie im Informationsflyer Bangr Nooma (PDF-Datei).

UNTERSTÜTZEN AUCH SIE DIE ARBEIT DES BANGR NOOMA-TEAMS GEGEN GENITALVERSTÜMMELUNG AN FRAUEN UND MÄDCHEN!

Bitte spenden Sie unter dem Stichwort „Bangr Nooma“ auf folgendes Sonderkonto:

Kreissparkasse Tübingen,
Kto.-Nr. 244 299,
BLZ 641 500 20

Oder nutzen Sie die Möglichkeit der Online-Spende.

Quelle: Ruslan Olinchuk - Fotolia.comWeitere Informationen erhalten Sie bei:

TERRE DES FEMMES e. V.
Brunnenstr. 128, 13355 Berlin
Tel.: 003 - 40 50 46 99-0
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oder bei der TERRE DES FEMMES-Projektkoordinatorin

Regine Bouédibéla,
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