| Arbeit gegen Genitalverstümmelung in Sierra Leone - AIM |
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Amazonian Initiative Movement (AIM) „Menschen bilden heißt sie stärken. Nur über ihre Denkweise können wir das Handeln der Menschen verändern.“ Rugiatu Turay, Gründerin und Leiterin von AIM Foto ©: Dörte Rompel Im westafrikanischen Sierra Leone sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO aus dem Jahr 2010 etwa 90% der Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung (Englisch: Female Genital Mutilation, kurz: FGM) betroffen. Es wird geschätzt, dass im Land bis zu 50.000 Beschneiderinnen tätig sind. Die meisten von ihnen sind in landesweit bestehenden, geheimen Frauenbünden organisiert. Weibliche Genitalverstümmelung ist Teil der Rituale der Frauengeheimbünde. In der Öffentlichkeit werden Genitalverstümmelung und ihre lebensgefährlichen Folgen immer noch tabuisiert. PolitikerInnen in Sierra Leone fürchten den starken gesellschaftlichen Einfluss der Frauengeheimbünde und befürworten FGM daher häufig. Bis jetzt hat die Regierung keine landesweiten Aufklärungskampagnen gestartet. Erst seit dem Jahr 2009 kann FGM in Sierra Leone unter die Verletzung von Kinderrechten fallen. In diesem Umfeld arbeitet die Organisation Amazonian Initiative Movement (AIM), eine unabhängige Frauenrechtsorganisation, deren Arbeitsschwerpunkt in der Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung liegt. Darüber hinaus engagiert sich AIM auch gegen Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der Ehre. Ihren Hauptsitz hat die Organisation in Lunsar etwa 80 km nordöstlich von der Hauptstadt Freetown entfernt. Im Jahr 2003 gründete Rugiatu Turay, die bereits während ihres Exils im Nachbarland Guinea zusammen mit anderen sierra-leonischen Bürgerkriegsflüchtlingen einen ähnlichen Verein ins Leben rief, nach ihrer Rückkehr zusammen mit Gleichgesinnten Amazonian Initiative Movement in ihrem Heimatort. Zum internationalen Kongress „Mädchenrechte stärken – weltweit“ am 29.10. 2011 aus Anlass des 30-jährigen Bestehens von TERRE DES FEMMES war Rugiatu Turay in Berlin. Hier spricht sie am 09.11. beim Speakers’ Corner vor dem Brandenburger Tor über ihren Einsatz gegen Genitalverstümmelung in Sierra Leone. Die Arbeit von AIM AIM-MitarbeiterInnen vor dem AIM-Büro, Foto ©: Veronika Kirschner Als der Verein im Jahr 2003 seine Arbeit aufnahm, brach er mit der öffentlichen Thematisierung von Genitalverstümmelung ein Tabu. Mittlerweile ist das Wissen um die negativen Konsequenzen in der Bevölkerung von Lunsar und Umgebung weiter verbreitet. Der Name „Amazonen“ bleibt dennoch aktuell, denn ein Engagement bei AIM erfordert nach wie vor Mut und Durchhaltevermögen. Gegenwärtig arbeiten für die Organisation etwa 22 Frauen und Männer in Teil- und Vollzeitbeschäftigung. Daneben gibt es zahlreiche ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Rugiatu Turay ist durch ihre engagierte Arbeit bei AIM und auch durch kirchliches und politisches Engagement über Lunsar hinaus eine bekannte Frauenrechtlerin. AIM arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz und versucht, alle an der Genitalverstümmelung beteiligten AkteurInnen, wie Beschneiderinnen, Kinder und Jugendliche, Eltern und LehrerInnen, Gesundheitspersonal, sowie politische, traditionelle und religiöse Führungspersonen in die Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit mit einzubeziehen. Ein Schutzhaus für Mädchen
Das Schutzhaus liegt etwa eine Meile von Lunsar entfernt. Es bietet momentan bereits acht Mädchen und jungen Frauen, die vor drohender Genitalverstümmelung und sexueller Gewalt fliehen, einen sicheren Raum. Die Mädchen und jungen Frauen werden von einer Sozialarbeiterin betreut und erhalten Rechtsberatung. Mit der Ermöglichung eines Schulbesuches, einer Ausbildung oder eines Studiums erhalten die Betroffenen eine Zukunftsperspektive. ErfolgeAIM möchte die Beschneiderinnen nicht durch öffentliche Bloßstellung und Stigmatisierung von der Genitalverstümmelung abbringen, sondern klärt sie über die gefährlichen und lebensbedrohlichen Folgen während und nach der Genitalverstümmelung auf. Im Zuge des internationalen Tages „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“ haben im Frühjahr 2011 ca. 20 Beschneiderinnen bei einem von AIM organisierten Festakt öffentlich erklärt, zukünftig keine Mädchen mehr zu verstümmeln.
Etwa die Hälfte der ehemalige Beschneiderinnen sind mittlerweile AIM-Aktivistinnen, die in ihrem Umfeld als Multiplikatorinnen gegen FGM wirken. Mindestens zwei der Frauen begleiten AIM bei jeder Sensibilisierungskampagne. AIM engagiert sich verstärkt in der politischen Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche, denn sie sind besonders stark von Menschenrechtsverletzungen betroffen und gleichzeitig die wichtigsten AkteurInnen des sozialen Wandels. So wurde ein Menschenrechtsseminar entwickelt, welches zunächst in zwei Sekundarschulen in Lunsar eingeführt wurde und mittlerweile bereits in mehr als 15 Schulen durchgeführt wird. Dort erfahren die SchülerInnen, was Menschen- und Kinderrechte sind und dass sie ein Recht darauf haben, unversehrt aufzuwachsen. Möglichkeiten zur Unterstützung
Weitere Informationen erhalten Sie in dem Informationsflyer AIM (PDF-Datei). UNTERSTÜTZEN AUCH SIE DIE ARBEIT DER AIM-AKTIVISTINNEN GEGEN GENITALVERSTÜMMELUNG AN MÄDCHEN UND FRAUEN! E-Mail: Kontaktformular
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