Upskirting ist jetzt eine Straftat

Upskirting
Upskirting ist jetzt eine Straftat

Am 03. Juli 2020 verabschiedete der Bundestag einen Gesetzesentwurf zum Verbot von Upskirting, welches voraussichtlich ab Herbst 2020 in Kraft treten soll. Damit gelten das heimliche und voyeuristische Fotografieren oder Filmen unter den Rock oder das Kleid einer Person künftig als Straftat und werden mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet.

Ob auf Treppen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Gedränge von Menschenmassen: Täter filmen oder fotografieren mit Smartphones oder Selfie-Sticks ungefragt unter Röcke und Kleider der Vorbeigehenden. Die Fotos und Videos, sogenannte Upskirts, landen schnell im Internet, auf pornografischen Seiten oder anderen Plattformen, wo diese weiterverbreitet werden und sich teilweise nicht mehr zurückverfolgen lassen. Auf vielen dieser Aufnahmen sind die betroffenen Personen eindeutig identifizierbar. Gleiches gilt für das Downblousing, also dem heimlichen Fotografieren und Filmen in den Ausschnitt.

Es handelt sich also nicht nur um sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum, sondern auch um digitale Gewalt gegen Frauen.

Entschlossen gegen Upskirting

Solche Grenzüberschreitungen seien nicht hinnehmbar, äußerte sich die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Dem stimmt TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. zu: Upskirting greift nicht nur massiv in das Persönlichkeitsrecht, sondern auch in die sexuelle Selbstbestimmung einer jeden Person ein. Damit ist die schamlose Verletzung der Intimsphäre eine eindeutige Missachtung der Menschenrechte und eine Form sexualisierter Gewalt!

In einem Interview mit Radio Eins geht Inge Bell, stellvertretende Vorsitzende TERRE DES FEMMES e.V., näher auf die Hintergründe des strafrechtliche Verbot von Upskirting in Deutschland ein.

Bis dato lediglich Ordnungswidrigkeit

Bis zur Verabschiedung des Gesetzes wurde Upskirting lediglich als Ordnungswidrigkeit angesehen und mit geringen Geldbußen geahndet. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich Dritte dadurch belästigt fühlen. Erst durch die Verbreitung der Aufnahmen oder dem Entstehen in privaten oder geschlossenen Räumen war eine strafrechtliche Verfolgung möglich. Auch als sexuelle Belästigung konnte dies nicht gewertet werden, da bei dem Vorgang des Upskirting häufig keine Berührung stattfindet.

Dass die Ahndung als Ordnungswidrigkeit nicht ausgereicht hat, um Frauen zu schützen, sahen auch Hannah Seidel (selbst Betroffene von Upskirting) und Ida Maria Sassenberg so. Die beiden Frauen starteten im vergangenen Frühjahr eine online Petition „Verbietet #Upskirting in Deutschland!“ und setzten sich dafür ein, dass Upskirting bundesweit strafbar wird. Mehr als 100.000 UnterzeichnerInnen und die Unterstützung der Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben dazu beigetragen, dass die Petition schlussendlich Erfolg hatte.

Trotz neuem Gesetz muss aufgeklärt werden

TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. bedankt sich für das Engagement und den Einsatz dieser beiden starken Frauen und begrüßt die Verschärfung und Schließung einer wichtigen Strafbarkeitslücke.

Trotzdem hört Upskirting nicht mit der Gesetzesänderung auf. Noch immer wird Frauen und Mädchen zu oft die Schuld gegeben und geraten, eben keine Röcke oder Kleider im Sommer zu tragen, um sich selbst zu schützen. Dabei sollten nicht Betroffene, sondern Täter ihr Verhalten ändern! Es bedarf weiterhin an Aufklärung und Sensibilisierung der Gesellschaft!

Was kannst du tun?

Diskutiert das Thema, seid aufmerksam und zeigt Zivilcourage!

Upskirting erfolgt im öffentlichen Raum. Da es jedoch heimlich gemacht wird, bekommen die betroffenen Frauen den Vorgang meistens gar nicht mit. Wenn ihr bemerkt, dass jemand einer Frau ungefragt unter den Rock oder unter das Kleid fotografiert oder filmt, dann helft der Betroffenen und informiert sie darüber. Ab Herbst kann in diesen Fällen dann voraussichtlich auch die Polizei gerufen und Anzeige gegen den Täter erstattet werden!

 

Stand: 07/2020