Europäischer Tag gegen Menschenhandel (18.10.2017)

Foto: © Bernd Vonau / photocase.deAm Europäischen Tag gegen Menschenhandel möchte TERRE DES FEMMES auf die weiterhin prekäre Situation für Betroffene von Frauenhandel in Deutschland aufmerksam machen. Deutschland ist sowohl ein Herkunftsland, Transitland als auch Zielland des Frauenhandels, der in kriminellen Netzwerken auf europäischer und internationaler Ebene organisiert ist. Unser Ziel ist eine Welt ohne Menschenhandel, doch hier ist noch viel zu tun, insbesondere im Bereich der Prävention sowie bei Strafverfolgung und Opferrechten.

Es gibt in Deutschland weiterhin keine spezialisierte Schutzunterkunft für minderjährige Betroffene von Menschenhandel. Auch für volljährige Betroffene von Menschenhandel stehen nicht genügend Schutz- und Zufluchtswohnungen zur Verfügung. Während manche Bundesländer mehrere Fachberatungsstellen zu Menschenhandel haben, gibt es in einigen Bundesländern nur eine oder sogar gar keine Fachberatungsstelle. Hier hat das Gewaltschutzsystem in Deutschland noch große Lücken. Das Beratungs- und Unterstützungsangebot für Betroffene von Frauenhandel muss flächendeckend, sicher finanziert und niederschwellig angelegt sein.

TERRE DES FEMMES kritisiert, dass das Recht der Betroffenen von Menschenhandel auf geschlechtsspezifisches Asyl oft nicht gewährt wird. Dies liegt teils an den gesetzlichen Verschärfungen im Bereich Aufenthalts- und Asylrecht, teils aber auch an nicht ausreichend geschulten Mitarbeitern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Betroffene laufen Gefahr, übersehen zu werden und daher keine Hilfe zu bekommen, oder sogar in ihr Heimatland abgeschoben zu werden. Asylsuchende aus sogenannten „sicheren Herkunftsländern“ durchlaufen ein verkürztes Asylverfahren, wodurch ihre Einzelfallprüfung in der Regel als unzureichend zu bewerten ist. Hier sind besondere Unterstützungs-, Betreuungs- und Schutzmaßnahmen unbedingt notwendig.

Im Rahmen der EU Zivilgesellschaftsplattform gegen Menschenhandel kooperiert TERRE DES FEMMES mit ungefähr 100 europäischen Nichtregierungsorganisationen und der Europäischen Kommission, um Menschenhandel auf EU-Ebene zu reduzieren. TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, dass der geschlechtsspezifische Charakter des Menschenhandels in dem Aktionsplan 2017+ reflektiert wird. Nur so kann Frauenhandel tatsächlich eingedämmt werden.

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